Wales: Ein Roadtrip zwischen Küste, Bergen und den Wellen von Surf Snowdonia

by Heidi
Wales - Snowdonia and More

Bei Wales denken Surfer vielleicht an die sagenumwobenen Wellen von Surf Snowdonia, mitten im Snowdonia Nationalpark. Eventuell werden auch Vorstellungen an die Royals bzw. Charles, den Prince of Wales, oder die angeblich kautzige Art und Sprache der Waliser wach. Vielmehr schwebte uns, Heidi und Christian, jedenfalls nicht vor, als wir erstmals bewusst dorthin aufbrachen. Wohlgemerkt: Bevor COVID-19 begann, der Welt und gerade Großbritannien den Atem zu rauben. Dieser Reisebericht ist also ein Rückblick, weil wir uns gerade ein bisschen nach Wales sehnen: Wo das Gras wirklich grüner, die Luft knisternder, die Schafe happy, und die Menschen ein ganz eigener Schlag sind.

Bei den meisten Touristen fristet Wales ja gern ein Schattendasein. Als Region, die man gern irgendwie mitnimmt, aber nie auf Platz 1 der Bucket List setzt. Als große Camping- und UK-Fans hatten wir Wales bisher nur gestreift, als wir von Cornwall ins walisische Pembrokeshire fuhren, wo die Fähren in Richtung Irland ablegen. Oder einen “Schlenker” dorthin unternommen, weil die meiste Zeit für Schottland draufging.

Bei der letzten Reise wurde es anders und Wales rückte für knapp 2 Wochen in den Mittelpunkt. Auf der Wunschliste: Ein Besuch im Surf Snowdonia, dem künstlichen Wellenpark. Ein paar Strände abklappern, ein wenig Wandern, deftig essen. Der Plan ging auf – lies hier, wie uns Wales gefiel, vor allem Surf Snowdonia, und was wir sonst noch erlebt haben.

1. Wales: Ein paar Fakten zu Land und Anreise

Wales gehört mit England, Schottland und Nordirland zum United Kingdom und reiht sich landschaftlich gut in diese Riege ein. Mit rund 3 Millionen hat Wales kaum deutlich mehr Einwohner als Schleswig-Holstein, ähnlich viele Wiesen und Nutzvieh, und mit der Atlantikküste (statt Nordsee und Ostsee) ebenfalls eine gute Auswahl an Wellen. Und gelegen im Südwesten der britischen Inseln ist Wales geographisch nicht abgeschieden, aber dennoch gefühlt sehr leer. Alles ein wenig verschlafen, eigenbrötlerisch, und in Cardiff, der größten Stadt, leben gerade einmal ca. 350.000 Menschen.

Insgesamt bietet Wales ordentlich Lokalkolorit: Urige Kultur, kleine Fischerdörfer, alte Steinhäuser und Pubs, aus denen Jung und Alt (nicht nur nach dem Sunday Roast) auch gerne schon mal mittags heraus torkelt. Und jetzt eben noch einen Wavepool dazu. Besonders gespannt waren wir auf “Welsh” bzw. Walisisch, das in Wales noch ca. 750.000 Menschen sprechen. Also gut ein Viertel der Bevölkerung! Wer diese Mundart einmal gehört hat, der weiss, woher der Begriff Kauderwelsch kommt. 

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Schaf daniel-morris-H8ct9tEnXnE-unsplash
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Wales Impressionen: (1) Kleine Hafenstädte wie Tenby, (2) Schafe überall, (3) Panorama im Snowdonia Nationalpark, (4) On the Road, (5) Secret Spots an der Küste, (6) Bier im Pub, (7) Sunset am Caernafon Castle

Wie die Jahre zuvor setzten wir im Campervan mit der Fähre nach Dover im Südosten des Vereinigten Königreichs übergesetzt, dieses Mal von Dunkerque in Frankreich. Statt die Südküste (über Brighton) wählten wir den direkten Weg nach Wales, über die Autobahn südlich von London. Von Dover bis zur walisischen Grenze dauert es knapp 3,5 Stunden, und dann werden die Ortsschilder bereits zweisprachig. “Newport / Casnewydd” oder “Cardiff / Caerdydd” ist zu lesen, und wir brechen uns beim Versuch, die hart, ja fast irisch klingende Mundart auszusprechen, fast die Zunge.

Einer der Gründe für den Besuch in Wales war Surf Snowdonia, der Wavepool im Snowdonia Nationalpark. Weil jener im Norden liegt und wir ab dort ins benachbarte Schottland weiterfahren wollten, „arbeiteten“ wir uns langsam ab Süden voran, um Land, Leute und lokale Surfspots ausfindig zu machen. Doch Moment… Gibt’s die überhaupt?!

2. Surfen in Wales: Gibt’s gute Wellen?!

Wales liegt an der Küste. Braucht es gerade hier einen Surfpark?! Tatsächlich einer unserer ersten Gedanken. Fakt ist, dass Wales von Süden bis Norden zwar einige “richtige” Surfspots bietet – siehe Stormrider Guide – aber häufig im Swell-Schatten von Irland liegt. Heißt, hier kommen nicht so oft konsistente Wellen an, wie man es von “offeneren” Küsten wie z.B. Portugal und Frankreich kennt. Selbst in Irland und Schottland hatten wir im wellenarmen Sommer pro Woche immer mindestens eine gute Surfsession, doch in Wales: Null. Daran sollte sich auch beim letzten, längeren Trip im Herbst nichts ändern – ausser, dass es dieses Mal eben im Wavepark ins Wasser ging.

Wales surfen

2.1 Wales bekommt surfbare Wellen, wenn…

Trotz der bisher nicht erfolgreichen Suche glaube ich, irgendwann mit dem “natürlichen Surf” in Wales Glück zu haben. Denn obwohl wir die Surfspots hier im Sommer und Herbst bisher eher flat sahen, zogen durchaus auch kräftige Stürme auf. Einmal so heftig, dass die Überfahrt von Pembrokeshire nach Irland an die Titanic erinnere. Kurz nach dem Sturm ist die Chance auf cleane Wellen gut, sofern man am richtigen Ort ist. Das “Surf-Rezept” für Wales lautet also: Erstens genügend Zeit und Geduld sowie einen fahrbaren Untersatz mitbringen. Zweitens den Forecast z.B. über Windy und Magic Seaweed im Blick behalten. Und drittens eine möglichst ungemütliche Jahreszeit wählen. 

Wenn’s draußen gießt wie aus Eimern, das Wasser am kältesten ist, und die Locals am liebsten im Pub hängen – dann ist die Haupt-Surf Saison für Wales angebrochen. Nicht umsonst nennt es der Stormrider Guide eine Surf Destination für den “dedicated Surfer” – wir waren bisher zu gemütlich und wollten nicht nur bei Regen im Bus sitzen.

Wales surfen

2.2 Ausgewählte Orte für Surfer in Wales

Aus eigener Erfahrung können wir bisher nicht vom „echten“ Wellenreiten in Wales schwärmen, aber haben uns so manchen Spot angesehen. Denn als Küstenkinder finden wir es am Meer auch zum Spazierengehen und Entspannen am Schönsten. Teilweise sind an den Stränden in Wales sogar Surfschulen und während der Hauptsaison Rettungsschwimmer; vielerorts ist man aber auf sich allein gestellt. Hier sollte man nicht nur Surf Skills haben, sondern auch Strömungen gut einschätzen können und bereit sein, sich vorab über die Spots zu informieren bzw. mit Locals zu sprechen. Hier haben wir uns umgesehen:

Swansea Area / Gower Pensinsula

Nahe vom großen Swansea und recht bekannt bei Wassersportlern ist Porthcawl, unter anderem wegen der lokalen Surfschule. Hier wohnt und surft übrigens auch Leri, die auf meerdavon bereits über Surfen in der Schwangerschaft geschrieben hat. Auf der nahen Gower Peninsula lohnen sich z.B. Rhossili oder Llangenith wegen dem dramatischen Steilküsten-Panorama – beide Strände sind bei Surfern beliebt, wenn es läuft. Ansonsten sind hier viele Gleitschirmflieger unterwegs. Mit Surfzubehör eindecken kannst du dich auf Gower z.B. beim Shaper Guts Surfboards, geführt vom Ex-Champion Chris “Guts” Griffiths, sowie im Hot Dog Surfshop oder bei PJ’s Surfshop.

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Swansea & Gower: (1) Rhossili Beach mit Wellen, (2) Porthcawl im Sturm, (3) Three Cliff Beach Picnic

Pembrokeshire Coast

Auf dieser sehr großen Landzunge liegen sehenswerte Orte wie das malerische Tenby – unbedingt einen Stadtbummel machen – genauso wie einige Surf Spots. Am bekanntesten ist Freshwater West, wo die Welsh Surf Championships ausgetragen werden. Die Strömungen hier sind enorm, was den Beachbreak nur für sehr erfahrene Surfer spannend macht. Ansonsten ist man mit einem Kurs bei der Outer Reef Surfschool (eine der bekanntesten in Wales) gut beraten. Die Barrafundle Bay und Whitsands sind weitere schöne Strände mit Surfpotenzial an der Pembrokeshire Coast.

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Pembrokshire Coast: (1) und (2) Spotcheck in Freshwater West, (3) Kleine Buchten checken, (4) und (5) Bummeln in Tenby

North Wales / Llyn & Anglesey

Wenn du gen Norden die walisische Küste abfährst, führt dich dein Weg an der mit Spots gespickten Cardigan Bay vorbei. Landschaftlich attraktive Orte auf der Llyn-Halbinsel sind Porth Neiwgl (wegen teils großer Wellen auch als “Hellsmouth” bekannt) und Aberdaron; auf Llyn findest du zudem einige Surfshops mit allem was das Herz begehrt. Weil wir auch die Anglesey-Halbinsel mitnehmen wollten, haben wir uns bei Halen Mon mit köstlichem Meersalz eingedeckt und im Wavecrest Café – dem wahrscheinlich nördlichsten Café in Wales – leckeren Pie und Scones genossen.

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North Wales: (1) Spot an der Cardigan Bay, (2) Leckeres im Wavecrest Café auf Anglesey, (3) + (4) Beach Walks im Grünen

3. Surf Snowdonia: So waren unsere Erfahrungen

Kommen wir nun zum Surfen in Wales, wo es garantiert klappt wie im Märchen, mit perfekten Wellen und leerem Line Up: Im Surf Snowdonia, offiziell bekannt als Adventure Park Snowdonia. Vorher waren wir noch nie selbst in einem Wavepool, die aktuell ja mehr und mehr aus dem Boden gestampft werden. Dank der Technik verspricht Surf Snowdonia übrigens keine “stehende Welle” wie etwa beim Riversurfen, sondern eine authentisch abrollende wie im Meer. Das wollte Christian einmal probieren, und berichtet nun, wie er das Ganze erlebt hat.

3.1 Ticket buchen

Spontan geht im Adventure Park Snowdonia eher nix. Um meinen Platz im Wavepool zu reservieren, buchte ich vorher ein 2×1-Stunden-Ticket auf der Advanced Welle für 100 GBP (ca. 110 Euro). Bei aller Vorfreude schwang allerdings auch Unsicherheit mit. Allein die Tatsache, mich schon bei der Buchung für einen Schwierigkeitsgrad entscheiden zu müssen, erzeugte Druck. Besonders, weil wir von zwei Freundinnen aus UK hörten, wie schwer es ihnen gefallen war, die Welle beim ersten Mal zu surfen. Deren Tipps wie “halt dich beim Start am Zaun fest” hinterließen Fragezeichen.

Außerdem gingen mir Fragen durch den Kopf wie “Welcher Wetsuit”, “welches Brett” und “woher weiß ich, wann ich dran bin?” Bis dato war das alles auf Videos wie diesem hier nicht so richtig erkennbar. Da auf der Website aber auch Anfängerkurse angeboten werden, ließ ich es entspannt auf mich zukommen. Selbst wenn das mit dem Surfen nicht so gut klappen sollte, waren wir ja immer noch in Wales, wo auch sonst viel zu erleben gab. 

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Wales‘ berüchtigter Wavepool: (1) Bergkulisse mit viel Grün, (2) Seitenansicht auf die Welle in Action, (3) After Surf Bier im Restaurant, (4) Glamping Pods auf dem Gelände (Bilder: Adventure Park Snowdonia)

3.2 Aufbruch zum Adventure Park Snowdonia

Der Adventure Park Snowdonia liegt tatsächlich inmitten des Snowdonia Nationalparks, umrandet vom Gebirge. Der nächste Ort hat gefühlt nur ein Handvoll Einwohner, von denen wir später beim After-Surf Pubbesuch einige treffen. Alles wirkt modern, und schnell wird klar, dass hier nicht nur gesurft wird: Von Klettern über Zipline bis hin zu einer Art Ninja-Warrior-Park wird jede Menge Abenteuer für aktive Menschen geboten, die meist in Gruppen ankommen. Spätestens nachdem ich auf dem Parkplatz aber die klassischen Surf-Camper sehe, fühle ich mich richtig. 

Etwa 30 Minuten vor dem Surfen sollten wir da sein, um noch genug Zeit zum Umziehen und für die Instruktionen zu haben. Kurzer Check In an der Rezeption, und ich konnte in meinen mitgebrachten Neoprenanzug hüpfen. Noch schnell den Fish wachsen, und ab zum Sicherheitscheck in einer Vorhalle vom eigentlichen Surfbecken. Damit die “Bademeister” am Beckenrand uns auch zuordnen können, bekamen wir Leibchen in diversen Farben – meine Gruppe Schwarz für Advanced. 

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„Surf Guiding“ im Wavepool: (1) Gruppenzuteilung, (2) Video mit Instruktionen, (3) Brett wachsen, (4) Bademeister

Die eigentlichen Anweisungen wurden uns per Kurzfilm vermittelt, und wir konnten dem Instructor noch Fragen stellen. Kurz zusammengefasst: Pro “Heat” bzw. Stunde dürfen maximal 3 Surfer auf einer Seite des Parks surfen. Ein kurzes “Hallo” und dann teilte sich mein Trio auch schon auf. Das “wer surft wann” wird vorher in einer Reihenfolge festgelegt: Der Bademeister erklärte mir, dass jede dritte Welle meine ist und schickte mich in meine Ecke, um darauf zu warten.

3.3 So funktioniert und surft sich die Welle

Bei Surf Snowdonia wird die künstliche Welle durch einen Betonklotz in der Mitte des Wavepools erzeugt. Exakt alle 90 Sekunden wird dieser durch ein Stahlseil in Bewegung gesetzt und von rechts nach links (und wieder zurück) durch das Becken gezogen. Dabei wird auf beiden Beckenseiten eine Welle erzeugt, auf der 2 Surfer parallel surfen können – der eine auf einer Rechten, der anderen auf einer Linken. Auf dem Rückweg des Betonklotzes ist es dann genau anders herum. Wir waren zu dritt in unserer Beckenhälfte, also war jede dritte Welle meine: Alle 4,5 Minuten war ich dran. Macht pro Stunde genau 12 Wellen für mich, und pro Welle habe ich damit knapp 4,60 Euro bezahlt.

Tatsächlich musste ich mich beim Warten auf meine Wellen wegen der Unterströmung am Maschendrahtzaun festhalten. Wenn das Zugseil sich zu bewegen begann, konnte ich loslassen und die Sekunden herunter zählen. Zuerst startete ein Intermediate Surfer hinter mir – was sich zum Glück nur im Kopf so anfühlte, als könnte mich gleich ein Softtop überrollen – dann war ich dran. Etwa 3 bis 4 Paddelzüge, und es ging los. Ein paar Turns, bis ich irgendwo gegen Ende der Welle den Beginnern ausweichen musste, die dort im Weißwasser starteten. 

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Chris im Wavepool in Wales: (1) Linke Welle, (2) Rechte Welle… und repeat

Bei den zehnten Welle bekam ich vom Bademeister den Hinweis, dass ich noch zwei offen hätte. Nach 12 gesurften Wellen war ich jedenfalls froh, noch eine weitere Stunde gebucht zu haben und gleich im Wasser bleiben zu können, um mit den nächsten beiden Surfern weiter zu surfen. Die zweite Stunde ging ebenfalls schnell rum. 

Nach den 2 Stunden bei Surf Snowdonia war ich ziemlich geschafft, aber happy. Du paddelst zwar fast gar nicht und wartest in nur knöchelhohem Wasser auf Wellen. Doch dafür ist die Zeit, die du stehend auf einer Welle verbringst, gegenüber einer normalen Surfsession im Meer besonders lang. 

Zu den Temperaturen: Das Becken ist wärmer als das Meer, aber selbst im walisischen Sommer fand ich meinen 4/3 Wetsuit nicht zu dick. Ein 3/2er hätte es aber vielleicht auch getan. Im Winter darf es laut Surf Snowdonia aber durchaus ein Winter Wetsuit mit Haube, Boots und Gloves sein – also was du sonst auch im Meer tragen würdest. Das alles kann man sich bei Surf Snowdonia aber auch vor Ort ausleihen.

Wales - Surf Snowdonia

3.4 Unser Fazit zu Surf Snowdonia

Vor dem Besuch bei Surf Snowdonia war ich ja skeptisch gewesen, doch am Ende positiv überrascht. Die Welle war trotz “Advanced-Modus” sehr angenehm. Nicht zu klein, nicht zu groß, nicht zu schnell, nicht zu langsam. Für mich genau richtig! Zum Glück habe ich keine meiner insgesamt 24 Wellen verpennt. Denn 4,60 Euro für einen verpasstem Start sind schon echt happig und tun weh! Butter bei die Fische: Meine Pro’s und Con’s.

Pro: Sehr effizientes Surftraining

Der Trainingseffekt ist der eigentlich Grund, warum ich Surf Snowdonia oder eine vergleichbare Welle wieder buchen würde. Auf dem offenen Meer ist ja keine Welle wie die andere. Im Wavepool kaufst du hingegen 12 exakt gleiche Wellen pro Stunde: Die perfekte Voraussetzung, um z.B. an einem bestimmten Manöver oder an einer Technik zu arbeiten. Mir hat das schon nach 2 Stunden eine Menge geholfen. Heidi hat als mein privater “Trainer” am Beckenrand Videos gemacht und mir Feedback gegeben, was ich unmittelbar umsetzen konnte. Wirklich hilfreich!

Mitbringen solltest du auf jeden Fall eigene Bretter, wenn du nicht gerade ein Softtop ausleihen willst. Eigene, zu dir passende Surfboards machen auch deshalb Sinn, weil du damit “trainierst” und später dieselben Modelle auch wieder im Meer surfen möchtest. Ich werde beim nächsten Mal zwei Bretter mit zum Becken nehmen, so wie die anderen Surfer. Denn Zeit, um zwischendurch zum Parkplatz zu gehen, gibt es leider nicht. Aber die Pause zwischen den Wellen ist ausreichend lang, um schnell das Brett am Beckenrand zu wechseln.

Wer möchte, kann zum Trainieren auch länger vor Ort bleiben, entweder auf dem Parkplatz mit Stromversorgung für Wohnmobile, in einer der Hütten („Glamping Pods“) oder im angebundenen Spa-Hotel. Für einen längeren Aufenthalt wäre solch ein Surfpark für mich persönlich allerdings nichts – dafür gibt’s in Wales zu viel schöne Stellplätze in der Natur und urige AirBnBs. Zur Durchreise für eine Surfsession mit anschliessendem Pubbesuch würde ich allerdings jederzeit wiederkommen.

Falls du dich nun fragst, welche Welle für dich geeignet ist: Aus eigenen Erfahrungen kann ich ausschließlich die Advanced Welle beurteilen und empfehlen. Insgesamt ist die Advanced Welle nicht extrem, wie ich finde. Sie beginnt relativ mellow, hat aber genug Kraft, um dich mitzunehmen. Es folgt eine kurze, schnellere Section, und ansonsten ist die Welle easy abzufahren. Wer grüne Wellen schon sicher stehen und abreiten kann, der wird hier Spaß haben!

Alternativ gibt es bei Surf Snowdonia auch Surfkurse sowie Beginner, Intermediate 1 und Intermediate 2 Wellen, die ich nur beobachten konnte. Eigentlich ist alles letztlich dieselbe Welle mit je anderen Einstiegspunkten. Wer noch nie auf einem Surfbrett stand und die Option hat, dem würde ich wahrscheinlich zuerst die „echte Erfahrung“ empfehlen: Eine gute Surfschule und ein paar Weißwasser-Sessions im Atlantik. Und das bringt mich zum nächsten Punkt…

Wales Surf Snowdonia

Contra: Ein Wavepark ersetzt nicht das Meer

So viel Struktur und Ordnung wie im Wavepark gibt’s auf dem Meer definitiv nicht, und beides hat wenig miteinander zu tun. Klingt verrückt, aber Paddeln, Warten und die Wellen anrollen sehen gehört für mich ebenso dazu, wie Wellen zu reiten, auch mal eine auszusetzen und anderen zuzuschauen. Das hat mir gefehlt. Am Beckenrand warten, um exakt alle 4,5 Minuten eine Welle für 4,60 Euro zu surfen, ist definitiv mal ok, aber längst nicht alles. Mit den anderen Surfern in meinen Sessions hatte ich beispielsweise keinen wirklichen Kontakt, da wir durch unsere unterschiedlichen Warteposition keine Zeit für einen Plausch hatten.

Ebenfalls ungewohnt fand ich als Wavepark-Neuling das Warten und das fehlende Paddeln. Ein künstliches Becken ist eben nicht das Meer, und daran kann auch die tolle Kulisse im Hintergrund nichts ändern. Hinzu kommt, dass die strenge Zeitstruktur in Verbindung mit dem hohen Preis keinerlei Pausen zulässt. Gerne hätte ich zwischendurch mal ausgesetzt; am Ende ließ die Konzentration nach und es fühlte sich kurz nach “Fließbandarbeit” an. Beim nächsten Mal würde ich wieder 2×1 Stunde buchen, aber auf 3 Stunden mit einer Stunde Pause dazwischen aufteilen. So würde ich mir auch einen besseren Trainingseffekt erhoffen.

Wales Surf Snowdonia

4. Was du noch in Wales erleben kannst

Nur zum Surfen (egal ob im Meer oder Pool) nach Wales zu kommen wäre schade, denn es gibt wirklich eine Menge zu erleben. Wer es urig-gemütlich mag, gerne in der Natur unterwegs ist und am liebsten ruhiges Küstenleben hat, ist hier gut aufgehoben. Falls du es trubeliger brauchst, ist das tobende Leben in den größeren walisischen Städten wie Cardiff oder Swansea nicht weit entfernt. Gerade im Sommer muss man das dörfliche Umfeld aber kaum verlassen, denn es finden jede Menge Music Festivals in Wales statt.

4.1 Snowdonia National Park: Wandern

Unser Weg zu Surf Snowdonia führte uns von Süden über eine kurvige Landstraße durch den Snowdonia Nationalpark – die Region rund um den Berg Snowdon, dessen Gipfel knapp über 1.000 über dem Meeresspiegel liegt, und weitere Gebirgsketten. Eine der Attraktionen von Wales! Es lohnt sich, hier ein paar Tage zu verweilen, und z.B. Wandern oder Mountainbiken zu gehen, und ursprüngliche Orte und Schlösser zu besuchen. Alles ist wunderbar grün dank der saftigen Wälder, und stets hast du einen fantastischen Weitblick, der schon fast an die schottischen Midlands erinnert. Die meisten Besucher entscheiden sich für die Tour zum Mount Snowdown, um oben auf dem Gipfel die “Tea Time” zu zelebrieren. 

Wales - Snowdonia Nationalpark - Wandern

4.2 Superlative jagen / Kurioses sehen

In Wales mag man Weltrekorde und Superlative, und einige finden sich im oder zumindest am Rande vom Snowdonia Nationalpark. Beispiele gefällig? Nun, wie wäre es damit:

  • Mit 37,45% Steigung liegt eine der steilsten Straßen der Welt in Harlech, am gleichnamigen Schloss. An der steilsten Stelle muss man hier, auf der Ffordd Pen Llech, gerade mal 2,67 Meter gehen, um bereits einen Höhenmeter zurückzulegen. 
  • Wenn sie schon im Snowdonia Nationalpark sind, können Action-Fans mit der Zip World Velocity über dem Penrhyn-Steinbruch (einst der größte Steinbruch der Welt) die längste Zipline Europas entlang sausen. 
  • Sie bekommen ihre Anschrift wahrscheinlich nicht auf einen Briefumschlag: So dürfte es den Einwohnern von Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch gehen, dem Ort mit dem längsten 1-Wort-Namen der Welt! Bei Touristen ist der Zungenbrecher auf Anglesey ein beliebtes Ausflugsziel. Ja, auch wir haben hier das obligatorische Foto an der Railway Station geschossen 😉
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Und auch sonst ist Wales besonders, wie du z.B. bei der Great British Bucketlist nachlesen kannst. Die Region hat pro m2 immerhin mehr Schlösser als jedes andere Land auf der Welt, beeindruckende Wasserfälle und sehr viele Höhlen. Ein Paradies für Möchtegern Indiana Jones 😉

4.3 Chillen und Campen 

In Wales gibt es eine viele schöne, kleine Campingplätze, wo man Ruhe und Panorama findet. Da ist es nicht weiter schlimm, auf Wildcamping – wie auch anderswo auf den Britischen Inseln – besser verzichten zu müssen. Entsprechende Angebote sind z.B. über die National Trust Membership zu finden, einer Organisation, die schöne Plätze schützt und sie gleichermaßen Besuchern gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung stellt. Du kannst viele Campingplätze (und Pub Parking oder Wiesen beim Bauern) aber auch auf Apps wie Campercontact finden. 

People say there once was born a baby in foggy Snowdonia, wo didn’t see his mom before he was two. (Walisischer Schlechtwetterwitz)

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Camping Himmel: (1) Unser Lieblingsplatz in Wales, (2) Chef Huw und Christian im Golf-Cart

Unser liebster Campingplatz in Wales lag auf einer grünen Klippe mit Blick auf das Meer. Der leicht grummelige, seniore Besitzer Huw wählte seine Gäste nach Sympathie aus. Zum Glück sagten wir Huw zu und kamen in den Genuss, von ihm in einer Art Golf-Cart auf dem urig ausgebauten Gelände umher gefahren zu werden, begleitet vom aufgeregten Collie und Haken schlagenden Hasen. Und abends gab’s im strömenden Regen noch einen Whiskey mit Huw’s liebsten walisischen Dad Jokes – und gleich eine Lektion Welsh mit dazu 😉

4.4 Urige Städte und Pubs besuchen

Wales ist schön: Urige Dörfchen mit Steinhäuschen, kleinen Hafen, dramatischen Küsten und natürlich einer Handvoll Pubs findest du überall. Daher können wir gar nicht genau sagen, wo es uns nun am besten gefallen hat – zumal wir bisher auch nur einen Bruchteil gesehen haben und wiederkommen werden. Ein wenig Inspiration für walisischen Small Town Charme findest du z.B. hier und hier. Unser Tipp: Erkunde am besten die walisische Küste von Süd nach Nord, unternehme Abstecher in die Berge, und lass dich beispielsweise vom Wild Guide inspirieren.

Good Times in Wales, wie wir sie lieben: Ein uriges AirBnB vom alten Schmiedemeister, mit Kamin und dem Pub um die Ecke. Ein Street Food und Straßenmusik Festival an der Küste im Wochenende. Der Sundowner an einem alten Schloss mit Meerblick. Und ein bisschen Schnacken mit Locals, die einem erzählen, wo es vielleicht doch surfbare Wellen gibt…  

Wales UK - Roadtrip

Wir hoffen, unser kleiner Ausflug nach Wales hat dir gefallen. Uns hat die charmante Region nicht das letzte Mal gesehen – als ein eigenständiges Ziel, das nicht nur “irgendwie auf dem Weg” liegt 😉

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