Pro Surferinnen oder sexy Surfergirls? Surf Filme zum Thema Frauensurfen

by Dennis

Surf Filme lassen uns ans Land gefesselte Surfer und Surferinnen dem wellenlosen Alltag entfliehen und ins nächste Line Up träumen. Deswegen ist das Surf Film Festival von HHonululu Events, auf dem jedes Jahr in Köln, Hamburg und München die besten Surf Filme gezeigt werden, für mich eine feste Größe im Kalender. In Hamburg bin ich immer selbst dabei, in Köln hatte im Dezember mein Blogger-Kollege Dennis die Ehre. Er ist begnadeter Surfer und Gründer vom Surftechnik-Blog Landratten.org – und stolperte lustigerweise in die Surf Ladies Night. Lest hier, was er dabei alles erlebt hat und wie ihm die Surf Filme zum Thema Frauen im Profi Surf Zirkus gefallen haben…

Als Mann auf der Ladies Night beim Surf Film Festival Cologne

Vom 9. bis zum 13. Dezember 2015 hat in Köln das Surf Film Festival stattgefunden. Veranstalter HHonolulu Events lädt seit 2011 jährlich in die Rheinmetropole, um dem Publikum sowohl Independent Surf Filme als auch professionelle Produktionen rund ums Thema Surfen näher zu bringen. Ich mag Surfen und ich mag Kino, daher schien es mir eine Super Option, meinen Samstagabend dort zu verbringen.

Zufällig war an dem Abend Ladies Night und es wurden zwei Surf Filme gezeigt, die „Frauenthemen“ zum Inhalt hatten. Ich persönlich hatte gedacht, die Ladies Night sei eher auf die Themen der Filme bezogen. Die überschaubare Anzahl an Männern im Publikum (ich habe 5 gezählt) zeigte allerdings, dass die mehrheitliche Interpretation anders war. Abgesehen vom etwas klischeehaften Start der Veranstaltung– mit einem Lippenstiftwettbewerb – hat sich der Besuch absolut gelohnt. Im voll besetzten Touristarama in der Kölner Innenstadt wurden zwei Filme über Pro Surferinnen zum Besten gegeben, Flux und The Wave I Ride.

Flux – Redefining Women’s Surfing

Flux, ein knapp 18 Minuten dauernder Kurzfilm von Chad King, hat die Sexualisierung im Frauen-Profisurfens zum Thema. Herausgearbeitet wird der Aspekt, dass bei Spitzen Surferinnen die äußerliche Attraktivität stärker bewertet wird als ihre sportlichen Leistungen. Dass das nicht bloß eine Verschwörungstheorie ist, lässt sich leicht nachvollziehen: Wenn ich bei der Google Bilder Suche „Profi Surferin“ eingebe, ist erst auf dem 26. Bild eine Surferin auf einer Welle zu sehen. Davor tauchen haufenweise Bikini-Fotos auf. Durchsucht man Google dagegen nach dem Stichwort „Profi Surfer“, zeigt bereits das 4. Bild einen Wellenreiter.

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Offizieller Teaser zum Roxy Pro 2013 in Biarritz – Stephanie Gilmore aus allen Perspektiven

Spitzen Contests für Pro Surferinnen werben mit weiblichen Kurven

Zu Beginn des Surf Films wird ein umstrittener Trailer zum Roxy Pro in Biarritz 2013 (siehe Video oben) eingespielt, einem der bedeutendsten Wettkämpfe im Frauensurfen. Darin wird der Körper der australischen Profi Surferin Stephanie Gilmore leicht bekleidet aus allen möglichen Perspektiven beleuchtet, lediglich das Gesicht bleibt außen vor. Insgesamt finde ich den Ansatz, auf dieses Thema aufmerksam zu machen, sehr gut – den Film in seiner Darstellung aber teilweise etwas einseitig und zu kurz greifend. Es entsteht der Eindruck, dass die Medien den wesentlichen Treiber des Sexismus darstellen und Pro Surferinnen selbst die Opferrolle einnehmen – anstelle als aktive Akteure auf ihrem Spielfeld zu agieren.

Alana Blanchard – Erst Model und dann Surferin?

Einen kleineren Gegenpol dazu liefert Alana Blanchard, von der immer wieder Teaser zu sehen sind. Sie sieht ihre eigene Karriere zweigleisig, nämlich zum einen als Surferin, zum anderen als Model. Würde sie das eine nicht machen, würde sie das andere trotzdem tun. Spätestens da eröffnet sich eine Schwemme an Ansatzpunkten für weitere Diskussionen. Von der Gleichstellung bei ausgeschriebenen Preisgeldern, über die persönliche Entscheidungsfreiheit bis hin zur Rolle der Frau im Model-Business an sich. Aber das kann ein 18minütiger Streifen natürlich nicht leisten.

Mein Fazit: Der erste der gezeigten Surf Filme ist vor allem dadurch wertvoll, dass er Anlass zum Nachdenken gibt, mehr als ein Denkanstoß ist in der kurzen Zeit aber nicht drin. Den gesamten Kurzfilm könnt ihr übrigens hier auf Vimeo anschauen!

The Wave I Ride – die Story der Big Wave Surferin Paige Alms

Der zweite der Surf Filme des Abends porträtiert die hawaiianische Big Wave Surferin Paige Alms. Den roten Faden bildet eine persönliche Anekdote von Paige, in der sie sich nach einer schweren Schulterverletzung wieder zurück ins Wasser kämpft sowie die Rolle und der Status von Frauen beim Big Wave Surfen. Highlights sind dabei immer wieder die beeindruckenden Bilder vom weltberühmten Big Wave Spot „Jaws“ auf Hawaii. Wer selbst schon mal eine Welle auf den Kopf kassiert hat, bekommt beim Anblick der riesigen Barrels eine Gänsehaut. Insbesondere im Großformat auf der Kinoleinwand. Sind spektakuläre Wipe Outs zu sehen, geht jedes Mal ein Raunen durch den Kinosaal.

Paige Alms – eine Profi Surferin, die von Diskriminierung die Schnauze voll hat

Aber auch die Geschichte von Paige Alms hat einiges zu bieten. Sie hatte sich zunächst als Profi Surferin im Welt-Cup versucht, was aber schnell zum Frust wurde: Sie musste immer da sein, wo der Surf-Zirkus Station machte und nicht da, wo gerade die besten Wellen sind. Zudem waren die Tage mit den besten Wellen oft für die Heats der Männer vorgesehen. Da Jaws quasi direkt vor ihrer Haustür liegt hat sie sich deshalb entschieden, sich dem Big Wave Surfen zu verschreiben und reiste fortan den größten und besten Wellen der Welt hinterher.

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The Wave I Ride – Trailer

Als eine von gerade mal einer Handvoll weiblicher, Big Wave Surferinnen auf der Welt sollte man damit doch problemlos den Lebensunterhalt bestreiten können. Könnte man meinen, doch dem ist leider nicht so. In Ermangelung eines Sponsors führt Paige eine Art Doppelleben, in dem sie zwischen verschiedenen Jobs auf der einen und ihrer Surfkarriere auf der anderen Seite hin und her wechselt. Im Film ist sie beim Parkettabschleifen in einem Neubau oder beim Reparieren kaputter Surfbretter zu sehen. Sie ist sich für keine Arbeit zu schade, um ihre Reisen zu den Big Wave Spots dieser Welt zu finanzieren und hat ihre Verletzungspause zum Geldverdienen für zukünftige Trips genutzt.

Gleichstellung von Pro Surferinnen im Surf Zirkus – a long way to go?

Bei „The Wave I ride“ offenbart sich ein krasses Defizit bei der Gleichstellung von Frauen und Männern im Surfsport, aber auch eine unglaublich beeindruckende Art und Weise, wie man damit umgehen kann. Paige Alms lässt sich nicht dadurch abhalten, dass sie es schwerer hat als ihre männlichen Kollegen, sondern verfolgt ihre Leidenschaft trotz aller Widrigkeiten – unabhängig davon, ob sie Profi ist oder Amateur. The Wave I Ride zeigt, dass sich langsam etwas tut, wenn es um die Anerkennung weiblicher Big Wave Surferinnen geht. So wird die erstmalig durchgeführte Frauenwertung beim Big Wave Contest in Oregon, an dem Paige teilnimmt, als Meilenstein gefeiert.

Weniger fortschrittlich ist dagegen die Verteilung der Preisgelder: Während bei den Männern 50.000 US-$ ausgeschrieben sind, sind es bei den Frauen sage und schreibe: 0,00 US-$! Der Surf Film bietet eine aufschlussreiche Darstellung über die Rolle weiblicher Big Wave Surfer, spektakuläre Bilder und einen Blick auf die eindrucksvolle Persönlichkeit von Paige Alms. Wenn ihr die Chance habt ihn auf der Kino-Leinwand zu sehen, solltet ihr euch das nicht entgehen lassen!

Das Surf Film Festival ist empfehlenswert – für Surferinnen und Surfer!

Durch die tollen Surf Filme, insbesondere “The Wave I Ride“ habe ich einen sehr schönen Abend auf dem Surf Film Festival verbracht. Auch wenn es natürlich Sponsoren gibt, hat das Festival einen eher unkommerziellen Charme und stellt Surfen als Leidenschaft in den Mittelpunkt. Nächstes Jahr bin ich wieder mit dabei – ganz sicher!

Wie siehst du die Debatte um Frauen im Surf Business? Werden Profi-Surferinnen nach wie vor im Vergleich zu Männern nicht ernst genommen und haben lediglich als sexy Surfer Chicks einen festen Platz in Medien? Und helfen Surf Filme wie Flux und The Wave I Ride dabei, das zu ändern? Wir freuen uns auf euer Feedback in den Kommentaren!

Hinweis: Das Titelbild wurde mit freundlicher Genehmigung von HHonolulu Events verwendet.

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