Pear Shaped: Der etwas andere Surf Film von Lauren Hill

by Heidi

Beim Surfen geht es darum, einfach Spaß zu haben und möglichst viele Wellen zu rocken. Egal wie die Haare aussehen, ob das Surf Outfit sitzt und wie präsentabel du gerade für die Allgemeinheit bist. Davon handelt „Pear Shaped – A Surf Short by Lauren Hill“ aus Australien. Der Kurzfilm zeigt mit einem Augenzwinkern kleine Missgeschicke, die uns Mädels beim Surfen passieren können – denn so sieht das Leben nun mal aus! Genau wie die Herren der Schöpfung wollen wir gar nicht perfekt sein, sondern einfach eine geile Zeit in den Wellen haben. Hier erfährst du mehr zum Background des kreativen Surf Films und seiner Hauptdarstellerin, der inspirierenden Lauren Hill.

Männer versus Frauen: Ist Gender beim Surfen noch ein Thema?

Vielleicht fragst du dich, welche Daseinsberechtigung ein Surf Film wie „Pear Shaped“ überhaupt hat und wieso man typisch weibliche Pannen thematisieren muss. Schließlich „juckt“ so etwas bei den Männern doch auch niemanden, oder? Einfache Antwort: Gleichberechtigung ist in der Surfer-Welt so eine Sache – der Sexismus lebt! Männliche Pro-Surfer bekommen nicht nur wesentlich mehr Preisgelder als ihre weiblichen Counterparts bezahlt, sondern in Surf Contests oft sogar Surf-Tage mit den besseren Bedingungen zugeteilt. Für sie hagelt es von Medien, Sponsoren und Öffentlichkeit die größte Anerkennung für krasse Moves im Wasser.

Von Surferinnen wird ein bisschen mehr erwartet. Natürlich sollen ihre Surf Skills ebenfalls überirdisch sein. Doch in erster Linie müssen sie im Bikini und in Action dem gängigen Schönheitsideal entsprechen und makellos aussehen. Eine Kleiderkrise, ein Busenblitzer, ein Speckröllchen oder gar einen Hinweis darauf, dass Frauen tatsächlich menstruieren? Wirst du in der Hochglanz-Welt der Surf-Industrie nicht sehen. Ganz im Gegenteil. Stattdessen Friede-Freude-Eierkuchen Werbe-Clips von strahlenden Bikini-Babes, natürlich super-skinny, super-hübsch und super-sexy. Sie schüren Erwartungshaltungen, wie eine Surferin auszusehen hat, und erzeugen Druck, diesem verzerrten Bild der Realität entsprechen zu müssen.

Lauren Hill / The Seakin

Lauren Hill hat Spaß – Popo-Blitzer hin oder her (Foto: Lauren Hill / @theseakin)

Also scheint das Geschlecht beim Surfen doch eine Rolle zu spielen. Deswegen werden nach wie vor Gender-Diskussionen geführt, wie zum Beispiel in einer der letzten Ladies‘ Nights vom Surf Film Fest Cologne. Und nun auf herrlich selbst-ironische Weise in „Pear Shaped“ von Lauren Hill, einem Surf Film über Mädels und für Mädels. Mit einer klaren Botschaft: Shit happens, jeder von uns. Na und – who cares? Hell yeah, genau das ist doch die Attitüde, für die Surfen eigentlich mal stand: Etwas rebellischer, frecher und radikaler als der Mainstream.

Lauren Hill nimmt das Bild des makellosen Surfergirls aufs Korn

Stereotype Frauenbilder beim Surfen? Das perfekte Surfergirl als Werbeobjekt? So ein Quatsch, dachte sich die Australierin Lauren Hill. Die Free-Surferin ist eine echte Frohnatur mit einer Schwäche für Single-Fins und hat sonst auch alles, was Frau sich in der Surfszene wünscht: Fette Sponsoren wie Billabong an ihrer Seite und mit Dave „Rasta“ Rastovich einen Freund, der ihre Liebe zum Meer teilt. Trotzdem ist sie authentisch und spricht gerne offen darüber, wie Surfen für Frauen wirklich (wirklich!) aussieht. Selbst über die „unschönen“ Themen.

A couple of years ago I watched a ridiculous web clip put out by a men’s magazine called ‚How to Take A Wetsuit Off‘,  which portrayed a ’surfer girl‘ peeling off her wetsuit super sexily, with hose water spraying past her mouth, cleavage galore, etc. It was softly pornographic and, mostly, just completely out of touch with reality. Anyone who’s taken off a wetsuit knows it’s probably one of the most unflattering things you could ever do with a body. (Lauren Hill im Interview)

Lauren begann damit, die glitzernde Werbe-Scheinwelt auf Instagram aufs Korn zu nehmen, und startete den Blog Sea Kin. Dort schreibt sie über alles, was ihr Herz berührt: Zum Beispiel Feminismus, Gender Fairness und starke Frauen in der Surfszene. Denn obwohl jeder mit etwas Grips weiß, dass Frauen mindestens genauso gut surfen wie Männer, muss man diesen Fakt leider ab und an thematisieren. Weil es statistisch gesehen weniger Frauen in den Line Ups gibt als Männer, wir manchmal mit einem anderen Feeling bzw. Anspruch an das Surfen herangehen und bestimmte Domänen wie z.B. Big Wave Surfen erst noch erobern müssen.

Lauren Hill / Pearshaped

Oh Schreck. Bei diesem Anblick ist er – hier Laurens Mann Rasta – etwas geschockt (Foto: Lauten Hill / Pear Shaped)

Lauren Hill über ihren neuen Film „Pear Shaped“

Ihr neuster Streifen war ein logischer Schritt für die erfrischend-ehrliche Lauren Hill, die schon selbst in einigen Surf Filmen mitgewirkt hat. Alles begann mit einem Instagram-Post, in dem sie ihre Follower dazu aufforderte, ihre peinlichsten Situationen beim Surfen zu teilen. Lauren hatte sich gefragt, ob nur sie immer beschämende Momente erlebt. Das enorme Feedback zeigte, dass das Motto „Shit happens“ für jeden gilt. Und Surferinnen besonders spezielle Dinge erleben, die so gar nicht zum „Sauber-Frau-Image“ des Surfergirls passen, das uns die Surfmedien vorgaukeln.

So, these are a couple of the reasons why I wanted to create Pear Shaped; to get at some of these image issues in women’s surfing — to address the insidious nature of social media, the pressure to be tanned, hairless and flawless — and to show how very far most representations of women’s surfing are from the everyday realities of being a woman in the water. (Lauren im Interview)

Lauren Hill

Lauren nimmt Surfen sehr gelassen (Foto: Lauren Hill / @theseakin)

Lauren ist davon überzeugt, dass Surfkultur oftmals aus männlicher Perspektive charakterisiert wird und eine höhere Diversity durch mehr weibliche Stimmen gut vertragen kann. In „Pear Shaped“ zeigt sie Dinge, die manche Leute von surfenden Mädels vielleicht nicht sehen wollen, und trägt so ein Stück zu deren Normalisierung bei. Filmische Wirklichkeit und Realität nähern sich an – mit all dem Rotz und Salzwasser, das uns nun mal aus der Nase läuft.

Mehr über Lauren Hill und ihr Leben in Australien

Wie du schon merken konntest, hat Lauren Hill nichts ihrer Namensschwester Lauryn Hill (The Fugees) zu tun. Außer vielleicht, dass beide als starke Frauen für Aufsehen sorgen. Die eine mit ihrem Surf Style und dem Mut, brisante Themen anzupacken, die andere mit ihrer Musik. Lauren wohnt mit ihrem Freund Dave Rastovich in Byron Bay in Australien, und zwar in einem schnuckeligen Eco-Häuschen im Grünen. Seit Kurzem ist noch der kleine Minoa dabei, denn Lauren ist frischgebackene Mama! Nach einer nicht ganz einfachen Schwangerschaft lebt die kleine Aussie-Family nun im Einklang mit der Natur und baut den Großteil ihrer Nahrung selbst im Garten an. In dieser Home Story erfährst du, wie es bei den Hill-Rastovichs so aussieht. Hier nur ein kleiner Einblick:

Lauren Hill - Byron Bay

Laurens Hund und Rasta beim Chillen / selbstgesammelte Snacks (Fotos: Lauren Hill / @theseakin)

Neben Surfen und Schreiben widmet Lauren ihr Leben der Ökologie. Dahinter steckt eine feste Überzeugung, denn sie hat Environmental & Social Sciences studiert. Die Umweltaktivistin setzt sich unter anderem für den Schutz von Walen und den Erhalt des Great Barrier Reefs ein! Dabei ist sie alles andere als zimperlich. So ist die sympathische Blondine für die „Transparensea Voyage“ schon mit einem Kayak über 300 Kilometer durch das kalifornische Meer geschippert, um auf Umweltprobleme an den Küsten hinzuweisen. Dieser Lifestyle war für die ursprüngliche US-Amerikanerin nur möglich, weil sie sich gegen eine Karriere als Wettkampf-Surferin und für mehr Lebensqualität sowie ihre Ideale entschieden hat.

Und wo surft Lauren Hill am Liebsten?

Lauren Hill wuchs in St. Augustine (Florida) auf und fing schon früh mit dem Surfen an. Da die Wellen dort aber eher klein waren, lernte sie ihr Single Fin Longboard zu schätzen und ist ihm bis heute treu geblieben. Damit passt sie als ehemaliger US-Longboard-Champion ausgezeichnet an die Point Breaks von Byron Bay, ihrer neuen australischen Wahl-Heimat. Lauren wurde mal gefragt, welcher Surf Spot sich in ihr Herz eingebrannt hat. Und Überraschung:

India. (…) The intensity of the place — the pungency of scents, the richness of flavors, the deep appreciation for colour, unabashed devotion to spirituality, and the radical juxtposition of poverty and relative wealth made for a truly profound trip. And then there’s surf! (Lauren im Interview)

Obwohl sie an einem der schönsten Orte der Welt wohnt, kann Lauren das Reisen und Entdecken unbekannter Länder also nicht sein lassen. Gut zu wissen, dass es uns mit dem ständigen Fernweh und der Reisesucht also nicht allein so geht! Mehr über Surfen in Indien findest du übrigens hier. Und falls du genau wie wir von Lauren Hill einfach nicht genug bekommst, dann folge ihr auf Instagram oder bleib über ihre Facebook-Seite auf dem Laufenden.

Lauren Hill & Dave Rastovich

Lauren & Rasta beim Tandem-Surfen (Foto: Lauren Hill / @theseakin)

Du brauchst mehr sehenswerte Surf Filme? Dann sind unser Surf Film Guide oder unsere Liste mit den besten Surf Movies 2017 genau das Richtige für dich! Und falls du noch einen gute Surf Bikini braucht, der Kleiderpannen endgültig der Vergangenheit angehören lässt, dann check doch mal unseren Surf Bikini Guide!

Fotos: Lauren Hill / The Seakin.

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