Neoprenanzug kaufen: So findest du den idealen Wetsuit für dich

by Heidi
Neoprenanzug kaufen

Neben Ohrenschutz ist er das wichtigste Utensil aller Kaltwassersurfer und sitzt wie eine zweite Haut: Der Neoprenanzug! Seit Jack O’Neill ihn erfand, hat sich die Surfwelt drastisch verändert. Selbst an den eisigsten Surf Spots bleiben wir damit warm und können stundenlang herumtoben, ohne auszukühlen. Das Prinzip ist einfach wie genial: Neopren – so der Markenname von synthetischem Kautschuk – wird bei der Herstellung aufgeschäumt und schließt dabei unzählige Luftbläschen ein. Deswegen lässt es im kalten Meer etwas Wasser hindurch, das vom Körper aufgewärmt wird und eine dünne Schicht zwischen Haut und Neoprenanzug bildet. Dank dieser Isolierung frieren wir beim Surfen nicht!

Allerdings kann ein Neoprenanzug seine wärmende Funktion nur dann richtig erfüllen, wenn er wirklich gut sitzt und zu deinem Körper passt. Leider gibt es unter dem vielfältigen Angebot nicht das „eine“ Modell oder die „beste“ Marke für jeden. Trotzdem muss der Neoprenanzug-Kauf keine frustrierende Erfahrung werden – solange du ungefähr weißt, worauf es ankommt. Deswegen erklären wir hier, in welchen Merkmalen sich Wetsuits generell unterscheiden und wie du das passende Modell für dich findest. Außerdem haben wir Tipps zur Pflege parat, damit du daran lange Freude hast.

1. Kaufen statt Leihen: Gründe für den eigenen Neoprenanzug

Du surfst gern in Kaltwassergebieten wie Portugal und Frankreich? Vielleicht sogar in eisigen Gefilden wie Kanada, Dänemark und Island? Dann ist ein eigener Neoprenanzug noch vor dem ersten Surfboard die sinnvollste Investition! Klar kannst du einen Wetsuit auch ausleihen, aber:

  • Leihanzüge sitzen oft schlechter. In Surfschulen und Camps werden Neoprenanzüge über viele Körper gestülpt, nicht unbedingt sanft behandelt und manchmal erst ersetzt, wenn sie schon längst schrottreif sind. Schlimmstenfalls bekommst du einen ausgeleierten oder löchrigen Neoprenanzug, in den ungewollt viel kaltes Wasser einströmt. So ging es mir bei meinem ersten Surfkurs. Ich fror, erkältete mich und hatte erstmal die Schnauze voll vom Meer.
  • Leihanzüge sind unhygienisch. Auch wenn keiner gern drüber spricht: Manche Menschen pinkeln in den Neoprenanzug, selbst wenn er nur geliehen ist. Zwar waschen Surfschulen und Camps ihre Neoprenmonturen regelmäßig mit Wetsuit Shampoo. Aber allein der Gedanke, in den Pipi-Anzug wildfremder Leute zu steigen, ist doch mehr als eklig…
  • Ein eigener Neoprenanzug amortisiert sich schnell. Günstige Modelle gibt’s schon ab 120 Euro. Dieses Geld hast du schon nach einem zweiwöchigen Surfurlaub wieder drin, weil dich ein Leihanzug pro Tag etwa 10 Euro kostet! Sogar hochwertigere Wetsuits (ab ca. 250 Euro) amortisieren sich bei häufigen Trips schnell. Obendrein sind sie deutlich langlebiger, leichter, wärmer und angenehmer zu tragen. Bei guter Pflege begleiten sie sich mehrere Jahre.
Neoprenanzug kaufen oder ausleihen

Löchrig, ausgeleiert, viel zu groß: So sahen meine geliehenen Neoprenanzüge beim ersten Surfkurs aus

Falls du dir also sicher bist, beim Surfen bleiben zu wollen, und dich nicht nur in tropischem Wasser herumtreibst, ist der Kauf eines Neoprenanzugs extrem sinnvoll. Er hält dich muckelig warm, schützt vor der Sonne und sogar vor Abschürfungen, wenn das Riff mal etwas zu nahe kommt.


2. Neoprenanzug kaufen: Was für ein Modell brauchst du?

Jeder Jeck ist anders, und jeder surfende Jeck erwartet wahrscheinlich unterschiedliche Dinge von seinem Neoprenanzug. Neben der Dicke unterscheiden sich Wetsuits vor allem im verarbeiteten Neopren, den Nähten und dem Reissverschluss. Und mehr Funktion kostet natürlich mehr. Darum hier ein kleiner Überblick als Orientierung für den Wetsuit-Kauf.

2.1 Dicke vom Neoprenanzug: Auf den Millimeter genau

Grundsätzlich gibt man die Dicke von Neoprenanzügen je nach Körperstelle in Millimetern an. Beispielsweise bedeutet 4/3, dass das Neopren am Rumpf 4mm und an den Gliedmaßen 3mm dick ist. Und bei einem 5/4/3 Modell sind am Rumpf 5mm, an den Beinen 4mm und an den Armen 3mm Neopren eingesetzt. Diese Differenzierung macht Sinn, da du am Rumpf schneller frierst und unnötig viel Material an den Armen beim Paddeln nur behindert. Wie dick dein persönlicher Neoprenanzug sein muss, hängt sowohl von den bevorzugten Spots als auch vom individuellen Empfinden ab.

Neoprenanzug kaufen - Dicke

Externe Faktoren: Wassertemperaturen und Wetter

Je kälter die Wassertemperaturen sind, umso dicker sollte dein Neoprenanzug sein. Jeder Millimeter mehr fühlt sich sofort deutlich wärmer an, weil kaltes Meerwasser durch dickeres Neopren weniger bzw. langsamer hindurch strömen kann. Dementsprechend kann der Körper die dünne Wasserschicht zwischen Haut und Neoprenanzug, die zur Isolierung durchaus gewollt ist, besser erwärmen. An besonders eisigen Surf Spots wollen auch Kopf, Hände und Füße geschützt werden: Dann kommen Wetsuits mit Haube, Neoprenschuhe und Neoprenhandschuhe zum Einsatz.

Wassertemperatur Neoprenanzug (mm) Schuhe Handschuhe
< 9 °C 6/5 Fullsuit mit Haube 7mm 7mm
9°C – 13°C 5/4 Fullsuit mit Haube 5mm 5mm
12 °C – 17 °C 4/3 Fullsuit 5mm
15 °C – 20 °C 3/2 Fullsuit
19 °C – 23 °C 2/2 Springsuit (Kurzarm / -bein)
> 23 °C Sommersurfbekleidung

Ein erster Anhaltspunkt bei der Suche nach dem richtigen Neoprenanzug sind Temperaturtabellen wie die Version oben. Aber Achtung: Je nach Marke können die allgemeinen Temperaturempfehlungen ganz anders aussehen! Das liegt an verschiedenen Nahtarten (siehe unten) sowie an unterschiedlichen Materialien. Gefüttertes Hightech-Neopren wie z.B. von Rip Curl, XCEL oder O’Neill wärmt dich viel stärker als ein herkömmliches Modell.

Neben dem Wasser spielt auch das Wetter bei der Wahl des Neoprenanzugs eine Rolle. Dieselbe Wassertemperatur fühlt sich bei starkem Wind und Wolken viel kühler an, als wenn es windstill und schön sonnig ist! Darum fahren beispielsweise Nord- und Ostseesurfer, die in den Schietwetter-Monaten nun mal die besten Wellen vorfinden, mit dickerem Neopren tendenziell besser.

Neoprenanzug kaufen: Dicke

Je nach Veranlagung und Bewegungsfreude frieren manche Menschen schneller

Interne Faktoren: Eigenes Kälteempfinden und Surfgewohnheiten

Beim Kauf eines Neoprenanzugs sind bereits gesammelte Erfahrungen im kalten Wasser von Vorteil. Denn individuelle Faktoren (z.B. eigenes Kälteempfinden, Dauer der Surf-Sessions, Bewegungslevel) können dazu führen, dass das passende Modell für dich mehrere Grad von gängigen Temperaturtabellen abweicht. Bist du beispielsweise feingliedrig und frierst immer sehr schnell? Dann ist eventuell ein dickerer Neo besser, als man dem Durchschnittssurfer empfehlen würde. Während ich z.B. in Portugal im Winter meinen 5/4er Wetsuit gut finde, reicht Christian sein 4/3er völlig aus.

2.2 Material vom Neoprenanzug: Hightech hat ihren Preis

Auf den ersten Blick ist Neopren gleich Neopren. Mal haben die Anzüge dickere oder dünnere Kniepads, sind bunt oder schwarz. Ansonsten ist der einzige optische Unterschied nur die Glatthaut, die als zusätzliche Gummischicht am Rumpf den Wind besser abhält. Wer nun zu einem besonders günstigen Neoprenanzug greift, der bereut diese Entscheidung spätestens beim Tragen. Denn teurere Hightech ist bei Wetsuits kein Schnick-Schnack, sondern macht das Surfen deutlich angenehmer!

Flexibleres Neopren

Leichtes und besonders dehnbareres Neopren wie in den Premium-Modellen von O’Neill („Technobutter“ bzw. „Hyperfreak“) ist eine feine Sache. Es ist nicht so steif, lässt sich einfacher anziehen, trägt sich angenehm und schränkt die Bewegungen z.B. beim Paddeln weniger ein. Das ist vor allem bei dickeren Winter-Wetsuits toll! Bei derart flexiblem Material sollten aber die Hals-, Arm- und Beinabschlüsse schön stramm sitzen, da sonst beim Wipe Out Wasser eintreten kann. O’Neill weiß das offenbar: Ich bin mit meinem 5/4 Neo der Traditionsmarke jedenfalls sehr zufrieden. Außerdem kann ich die Haube abnehmen und mit einem normalen Wetsuit-Kragen ersetzen!

Neoprenanzug - flexibles Neopren

Ratzfatz angezogen: Mein O’Neill Wetsuit

Schnelltrocknendes Neopren

Wer sich morgens bei Arschkälte schon mal in einen feuchten Wetsuit zwängen musste, der weiß schnelltrocknendes Neopren erst richtig zu schätzen. Mir ist bisher kein anderer Neoprenanzug untergekommen, der so schnell trocknet wie mein 4/3 Flashbomb von Rip Curl! An der „Quick Dry“ Technologie ist wirklich etwas dran, weil das Wasser beim Aufhängen besonders schnell aus dem Neopren abfließt. Binnen einer Stunde ist das Teil nicht mehr unangenehm klamm, sondern so gut wie trocken! So musst du nicht immer eine nasse Pelle mit dir herumschleppen (praktisch bei Van-Trips) und kommst an sehr kalten Orten bei der nächsten Session viel leichter in den Neoprenanzug.

Warmes Innenfutter

Viele Marken statten ihre dickeren Wetsuits mit kuschligem Innenfutter aus. Besonders gut macht das die Firma XCEL mit der patentierten „Thermo Dry Celliant“ Technologie: Ein Futter, das von smarten, mineralienhaltigen Fasern durchzogen ist. Sie werden von Körperwärme aktiviert und reflektieren sie wie eine Infrarot-Lampe. Damit soll angeblich sogar der Body besser mit Sauerstoff versorgt werden, was die Beweglichkeit fördert und Müdigkeitserscheinungen verzögert. Ein ähnliches Konzept verfolgt Quiksilver – auch deren Innenfutter sind teils mit Mineralien angereichert und sollen dank diamantförmiger Prägungen warme Luft besser einschließen. Wirklich High-Tech ist das „Halo X Neoprene“ von C-Skins in der Rewired-Serie: Superwarm, dabei ziemlich flexibel, und so hochwertig, dass es nicht so schnell ermüdet.

Umweltfreundlicher Neopren-Ersatz

So wie es Holz Surfboards als Alternative zum giftigen PU gibt, so lässt sich auch Neopren – ein mineralöl-basierter, chemischer und nicht biologisch abbaubarer Kunststoff – durch grünere Alternativen ersetzen. Das von manchen Marken beworbene Neopren aus „Limestone“ ist aber reines Greenwashing: Dieser Kalkstein ist genauso wie Öl eine nicht-erneuerbare Ressource und verschleudert bei der Herstellung viel Energie. Immerhin verursacht er keine Öl-Teppiche im Ozean. Doch beim Tragen hat Limestone-Neopren keine nennenswerten Vorteile.

Wirklich besser ist das Material Yulex, aus dem die Wetsuits von Patagonia zum Großteil hergestellt sind. Der Naturkautschuk aus Guatemala ist umweltverträglicher – genauso wie das recycelte Polyester für das Innenfutter – und sogar langlebiger als manches Neopren! Obendrein bietet Patagonia unbegrenzt Garantie auf Mängel und hat einen einzigartigen Reparaturservice, um kaputte Stellen an den Wetsuits zu fixen. Denn Reparieren ist immer nachhaltiger, als Dinge neu zu kaufen!

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2.3 Nähte vom Neoprenanzug: Bitte wasserdicht und nicht zu spüren

Bei den Nähten vom Neoprenanzug lohnt sich definitiv ein genauerer Blick. Mehr Nähte sind nicht unbedingt gut, weil sie auf der Haut reiben und die Flexibilität des Wetsuits einschränken können. Außerdem bestimmt die Beschaffenheit und Versiegelung der Nähte, wie viel Wasser in den Neoprenanzug eintritt, wie warm er hält und wie langlebig er ist.

Nahtarten: Der Stich macht’s 

  • Overlock: Zwei Neoprenteile werden an den Enden übereinander gerollt und miteinander vernäht. Dadurch entsteht eine spürbare Kante, die auf der Haut reiben kann. Außerdem tritt bei dieser einfachen Naht viel Wasser ein, weshalb sie eher für Springsuits geeignet ist.
  • Flatlock: Hier vernäht man die Neoprenteile so, dass sie neben- statt aufeinander liegen und keine Kante entsteht. Flatlock-Nähte sind sehr robust, erfordern aber viele Nählöcher im Material. Ein gewisser Eintritt von Wasser und Luft ist für ein ausgeglichenes Körperklima okay, aber zu viel davon muss durch eine gute zusätzliche Versiegelung vermieden werden.
  • Blind-Stiched: Die Neoprenteile werden an den Enden miteinander verklebt und anschließend so vernäht, dass der Stich nur durch die Innenseite des Materials geht, aber die Außenseite unversehrt lässt. Daher steht auf  vielen Wetsuits „GBS“ (Glued and Blind-Stitched). An der Naht tritt kein Wasser mehr ein, was sie perfekt für Winter Wetsuits macht. Sie wird (teils als „Double Blind Stiched“) in Premium Wetsuits eingesetzt.
Neoprenanzug Nähte Versiegelung

Versiegelung der Nähte: Sealed (links) vs. Taped (rechts), mit zusätzlichen Tapes an Stresspunkten

Versiegelung: Kleber, Tapes oder Gummi

  • Glued: Durch Verkleben der Neoprenteile entsteht eine wasserdichte Naht. Oft wird sie mit zusätzlichen Tapes oder Seals verstärkt. Manche Brands versuchen mit einer Kombination aus Kleber und Gummiversiegelung sogar, Nähte komplett überflüssig zu machen („Stitchless Seams“).
  • Taped: Hat ein Neoprenanzug zusätzliche Stoffbahnen (Tapes) über den Nähten, sind diese weniger spürbar und langlebiger. Nach einer Weile können sich die Tapes aber etwas abpellen. Beliebt sind ebenfalls „Stoffpunkte“ an Stellen, die besonders unter Spannung stehen (z.B. zwischen Ärmel und Brustkorb).
  • Sealed: Eine äußere und / oder innere Gummiversiegelung über den Nähten hält wirklich den letztem Tropfen Wasser ab. Allerdings macht sie den Neoprenanzug steifer und wird im Salzwasser irgendwann spröde bzw. brüchig. Dagegen hilft nur konsequentes Ausspülen des Wetsuits mit Süßwasser.

2.4 Reissverschluss vom Neoprenanzug: vorn, hinten oder ganz ohne?

Einen klassischen Front Zip, also einen Reissverschluss im Front-Bereich, kennen wir nur von Springsuits und Neopren-Badeanzügen. Denn hier kann viel Wasser durchfließen, was bei wärmeren Temperaturen ja durchaus angenehm ist. Ist der Front Zip allerdings zu lang und grob, kann er unangenehm drücken, wenn du auf dem Brett liegst.

Den klassischen Ganzkörper-Neoprenanzug (Fullsuit) gibt es oft mit Back Zip, also Reißverschluss am Rücken. Daran baumelt eine „Leine“ zum leichteren Zumachen. Wir sind keine Back Zip Fans, weil durch den wabbeligen Halsabschluss und den Zipper selbst viel Wasser in den Neo fließt. Vielleicht nicht wenn der Neoprenanzug noch nagelneu ist, aber garantiert nach einigen Sessions. Für Winter-Wetsuits ist ein Back Zip daher keine Option.

Neoprenanzug - Reißverschluss

Leinen los: Die Back Zip Boys sind da!

Meine persönliche Lieblingsvariante ist der Chest Zip. In meinen Rip Curl Neoprenanzug steige ich direkt durch das Halsloch ein und ziehe dann von hinten den Kragen über den kopf, der mit einem kleinen Reißverschluss oberhalb der Brust verschlossen wird. Das ist bequem, stört nicht, und es tritt an dieser Stelle nie Wasser in den Wetsuit ein.

Puristen stehen auf den Zipless Neoprenanzug. Der Einstieg funktioniert wie beim Chest Zip, nur eben ganz ohne Reissverschluss! Das macht das Anziehen etwas schwieriger, aber eintretendes Wasser hat keine Chance. Bei Chris’ Zipless Neoprenanzug haben wir allerdings das Gefühl, dass er schneller ausgeleiert ist als meiner mit Chest Zip. Vielleicht, weil er seine breiten Schultern immer zu grob durch das engere Halsloch gezwängt hat?! Na egal. Jedenfalls hat das An- und Ausziehen bei einem Chest- und No Zip Neoprenanzug auch hohen Unterhaltungswert 🙂

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3. Neoprenanzug kaufen: Was du beim Kauf beachten solltest

Du weißt, welchen Neoprenanzug du haben willst? Prima, das ist schon die halbe Miete. Jetzt heißt es Anprobieren! Dafür habe ich ein paar Kniffe parat, damit das gute Stück auch wirklich sitzt.

3.1 Lass dich im Fachgeschäft beraten

Gerade wenn du deinen ersten Neoprenanzug kaufst, ist die Beratung in einem fachkundigen Surf Shop wichtig. Dort weiß man einfach am besten, wie ein Wetsuit sitzen muss und kann dir Tipps bei zur Auswahl und Pflege geben. Außerdem hast du im Surf Shop den Vorteil, dich in Ruhe durch mehrere Marken probieren zu können. Als Ex-Hamburger mit halb-rheinischen Wurzeln sind wir z.B. immer gern im Wellenreitshop in Hamburg oder bei Frittboards in Köln, doch auch in anderen Städten haben sich entsprechende Läden angesiedelt. Hier geht es zu unserem Surf Shop Guide.

3.2 Probiere verschiedene Marken und Modelle an

Dieser Punkt ist eigentlich logisch. Es bringt nichts, unbedingt einen Neoprenanzug von einer bestimmten Marke zu wollen, wenn deren Modelle einfach nicht zu deiner Köperform passen! Beim Kauf des ersten Wetsuits stellte ich fest, dass XCEL und C-Skins leider nicht so gut zu mir passen, aber alles von Rip Curl einfach bombastisch saß. Das kann bei anderen Body-Typen aber ganz anders sein. Probier dich also durch. Hast du den optimalen Neoprenanzug gefunden, wirst du dieser Marke mit hoher Wahrscheinlichkeit treu bleiben – und der nächste Kauf geht viel schneller.

Neoprenanzug Größen

Normale, lange und kurze Größen: Schön sortierter Surf Shop

Gängige Größentabellen sind übrigens nur eine erste Orientierung, und deine Größe kann je nach Marke verschieden ausfallen. Manche Labels bieten sogar spezielle Größen für sehr kleine oder sehr große Menschen an, erkennbar an den Zusätzen „S“ (Short) oder „T“ (Tall). Eine Größe M wäre also die Standardgröße, während M/S „Medium-Short“ und M/T „Medium Tall“ ist. Bist du durchschnittlich groß, aber besonders kurvig? Dann probiere Modelle aus besonders stretchigem Material an.

Ein Blick auf die Brand kann dir beim Neoprenanzug kaufen weiterhelfen. Gute Marken bzw. Modelle, die für Qualität stehen, sind zum Beispiel (in alphabetischer Order):

  • C-Skins Neoprenanzüge. Firma aus Nordeuropa mit super Qualität vor allem bei dicken Winter Wetsuits bei moderaten Preisen.
  • O’Neill Neoprenanzüge. Wir lieben vor allem die flexible Hyperfreak / Psychotech-Reihe! Unbedingt supereng kaufen.
  • Patagonia Neoprenanzüge. Die Modelle aus umweltfreundlichem Yulex sind etwas steifer, aber dafür umwelfreundlich.
  • Srface Neoprenanzüge. Der Geheimtipp aus dem United Kingdom mit unschlagbarem Preis-Leistungs-Verhältnis und Kurz-/ Langgrößen.
  • Rip Curl Neoprenanzüge. Die schnelltrocknende Flashbomb-Reihe mit molligem Innenfutter ist nicht ganz billig, aber legendär.
  • Quiksilver Neoprenanzüge. Das neue „Highline“ Neopren will Rip Curl in Sachen Trocknen und Wärme echte Konkurrenz machen.
  • XCEL Neoprenanzüge. Die Premium-Modelle sind nicht von schlechten Eltern – fallen aber gerade bei Frauen recht groß aus.

Wenn du einmal deine Wetsuit Marke gefunden hast, die gut zu dir und deinem Körper passt, dann bleib‘ dabei – meistens wird jedes Jahr nur ein wenig an den Modellen gefeilt. Das macht einen Neukauf dann leichter! Übrigens: Wenn du Billabong und Roxy in der obigen Liste vermisst, dann hat das einen Grund – beide Marken sind für mich eher modisch statt funktional.

3.3 Freu dich, wenn du ein bisschen Platzangst hast 

Der Neoprenanzug lässt sich im Laden relativ leicht anprobieren? Dann weg damit – er ist zu groß! Ein neuer Wetsuit muss beim Anziehen mit Anstrengung verbunden sein. Ich schubbere mir dabei sogar etwas Haut von den Fingerknöcheln ab… Etwas Platzangst ist okay, und auch sich wie eine Presswurst oder vom Kragen ein wenig gewürgt zu fühlen. Denn dein Neoprenanzug wird im Wasser weiter! Ist er schon beim Kauf zu groß, fließt im Meer viel zu viel Wasser rein und er kann seine Wärmewirkung nicht erfüllen. Natürlich darf er dich aber auch nicht einengen!

Neoprenanzug kaufen: Surf Shop

Ja, ich hatte Platzangst und etwas Atemnot. Der Neo sitzt bis heute noch perfekt!

Du hast dich im Laden also in den Neoprenanzug gequetscht. Mit den folgenden Tests kannst du nun feststellen, ob er auch richtig passt:

(a) Faltentest. Dein neuer Neoprenanzug darf keine Falten werfen. Ist er zu groß, wirst du diese leicht im Schulterbereich, am Bauch und in den Kniekehlen bemerken. Auch im Lendenbereich sollte der Wetsuit nicht zu weit vom Körper abstehen, sondern möglichst anliegen. Ein wenig Luft unter den Achseln ist aber als „Paddel-Spielraum“ okay. Sind ansonsten keine Falten da, dann ist der Neoprenanzug schon mal nicht zu groß. Stelle nun sicher, dass er auch nicht zu klein ist.

(b) Paddeltest. Stell dich gerade hin und rudere mit den Armen. Sind die Schultern gerade, du bekommst gut Luft und kannst die Arme schön bewegen? Dann sitzt der Neoprenanzug richtig. Werden deine Schultern hingegen gestaucht, dir die Luft regelrecht abgeschnürt und die Arme eingeschränkt, ist der Wetsuit leider zu eng!

(c) Take-Off Test. Genier dich nicht und leg mit dem neuen Neoprenanzug mal einen trockenen Take Off im Laden hin. Geht das, ohne das irgendwo etwas einschneidet oder du dich wie eine Raupe krümmst? Bingo, das Modell ist gut!

Neoprenanzug kaufen - Praxistest

Mein Standard 4/3 Rip Curl ist im Dauereinsatz. Und hält!

3.4 Kauf lieber hochwertig als doppelt

Das mit dir und dem Surfen ist keine Liebelei, sondern etwas Ernsthaftes? Dann lohnt sich der Kauf von einem hochwertigen Neoprenanzug. Denn schon Mutti hat immer gesagt: Wer billig kauft, kauft meistens doppelt. Premium Wetsuits tragen sich nicht nur angenehmer, sondern halten bei guter Pflege auch länger als Billigheimer. Bei einem Neoprenanzug im 100 Euro Bereich wundert es uns nicht, wenn nach wenigen Surf Sessions bereits die Nähte aufdröseln oder das Material Schwächen zeigt. Mein Rip Curl Neoprenanzug hat nach über zwei Jahren im häufigen Einsatz immer noch keine nennenswerte Macke! Außerdem gibt’s meistens eine Garantie von 12 bis 24 Monaten dazu.

Ob du übrigens einen Wetsuit oder gleich mehrere brauchst, hängt ganz von deinen Surftrips und deinem persönlichen Empfinden ab. Meine Devise ist: Lieber zu warm als zu kalt. Meistens bin ich mit meinem 4/3 Rip Curl Flashbomb unterwegs. Wenn es zu warm ist, lasse ich etwas Wasser hinein laufen. Ist es viel zu heiß, reicht ein Shorty. Mit diesen beiden Modellen decke ich schon mal eine sehr große Temperatur-Range ab.

3.5 Achte auf versteckte Qualitäten

Bei einem Neoprenanzug machen kleine Features manchmal besonders happy. Zum Beispiel wenn er eine Haube hat, die du abnehmen und durch einen normalen Kragen ersetzen kannst. Weil mein 5/4 O’Neill Wetsuit genau das kann, eignet es sich sowohl im kanadischen Eiswasser als auch an kühlen Tagen in Portugal. Genauso dankbar bin ich für das kleine Schlüsselfach an der Wade, um nicht immer den Keysafe am Auto verwenden zu müssen. Und bei Neoprenschuhen kommen mir für den besseren Grip nur Split-Toe Modelle (mit einem eigenen Fach für den großen Zeh) an den Fuß.

Neoprenanzug kaufen - Key Pocket

Praktisch: Kleine Schlüsseltasche an der Wade


4. Nach dem Surf: Neoprenanzug pflegen und aufbewahren

Behandle deinen Neoprenanzug wie einen guten Freund, und du wirst lange Freude daran haben. Dazu gehört eigentlich gar nicht viel:

Ausspülen ist Pflicht! Spüle den Wetsuit nach jedem Einsatz mit Süßwasser aus, damit das Neopren und die Gummi-Versiegelungen vom Meersalz nicht so schnell spröde werden. Müffelt der Neoprenanzug? Dann gönne ihm ein Bad im lauwarmem Wasser mit mildem Shampoo. Es gibt spezielles Wetsuit-Shampoo namens Piss Off, das denselben Effekt hat.

Sei beim An- und Ausziehen vorsichtig. Reiße nicht unkontrolliert am Neopren, um Risse zu vermeiden. Besser ist langsames und stückweises Ziehen, indem du immer wieder geduldig Material nachschiebst. Hat dein Neoprenanzug eine empfindliche Glatthaut, dann schütze sie vor den Fingernägeln! Und trage keinen Schmuck drunter, da so etwas am Neo hängenbleiben und für Beschädigungen sorgen kann.

Neoprenanzug anziehen

Der Wetsuit Limbo: Vorsichtiges An- und Ausziehen

Zum Trocknen aufhängen. Drehe den Neoprenanzug mit der Innenseite nach Außen und hänge ihn zum Trocknen an der Hüfte über die Querstange eines stabilen Kleiderbügels. Bitte nicht wie ein Hemd an den Schultern aufhängen, denn dank Schwerkraft wird sich der Neo sonst verformen! Für unterwegs tut es eine auch eine Wand.

Lass den Neo nicht lange in der Sonne. Sondern höchstens, bis er trocken ist. Sonnen ist für Menschen vielleicht okay, aber macht Neopren unnötig spröde und anfälliger für Risse!

Bewahre deinen Neo dunkel und trocken auf. Hänge ihn dazu in einen dunklen und belüfteten Raum, und zwar an der Hüfte über die Querstange eines Kleiderbügels. Bitte nicht in eine Kiste quetschen, da der Neo so Falten bekommt – die quasi Sollbruchstellen für Risse sind! Vor allem die Glatthaut sollte auf keinen Fall geknickt werden.

Wir hoffen, dass du deinen perfekten Neoprenanzug findest und lange Freude an dem Teil hast. Schreib uns gern, wenn du noch Fragen dazu hast – oder hinterlasse deine eigene Tipps in den Kommentaren.

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6 comments

Julia 27. März 2018 - 10:49

Vielen, vielen Dank, für diesen ausführlichen Bericht.
Für uns geht es in einem Monat nach Portugal und wir möchten endlich mal das Surfen lernen. *freu*
Was sagst Du denn zu den Neoprenanzügen von JOBE? Sind die gut, oder eher nicht?

Liebe Grüße,
Julia

Reply
Heidi 27. März 2018 - 22:31

Hi Julia,
Danke für dein Feedback 🙂
Die JOBE Wetsuits kenne ich leider nicht. Allerdings habe ich mir gerade mal online ein paar Modelle angesehen, und die scheinen schon sehr speziell zu sein: So ist z.B. das Premium-Modell eine Mischung aus 5mm und 3mm Neopren, und damit sicher nicht so richtig warm, wie man es von einem 5/4 oder 5/4/3 erwarten würde. Außerdem hat es eigenartige Ankle Straps – die braucht man bei einem vernünftig sitzenden Neo nicht, und wie soll darüber die Leash vom Surfboard gut sitzen? Dieses Feature spricht dafür, dass es keine typischen Neos für Wellenreiter sind, sondern z.B. eher für Stand Up Paddler oder andere Wassersportarten ohne Leash. Komisch finde ich auch die Neos, die man von beiden Seiten tragen kann: Das scheint eher ein modischer Aspekt zu sein, bei dem es sicher kein Futter gibt und man in Sachen Funktion Abstriche machen muss. Also lieber genauer hinsehen, und noch andere Surf Brands testen!
Liebe Grüße
Heidi

Reply
Maria 10. August 2018 - 13:17

Liebe Heidi,
Ich habe mich im Fachgeschäft beraten lassen und darauf hin einen xcel infiniti x2 in Größe 4 gekauft. Jetzt habe ich ihn zu Hause noch mal anprobiert. Ich bin unsicher. Woran erkenne ich, ob er nicht doch zu klein ist?
Ich weiß ja, dass sie knalleng sitzen müssen. Das Material ist auch super stretchy, aber wann ist eng zu eng?
Liebe Grüße,
Maria

Reply
Heidi 11. August 2018 - 18:16

Hallo Maria,

Im Beitrag stehen konkrete Tests drin, wie du herausfinden kannst, ob dein Neo zu klein ist (siehe unten den Abschnitt zum Thema „Platzangst“ ;-)) Eng ist super, ein leichtes „Würgegefühl“ am Hals bei ChestZips auch. Aber z.B. sollte der Wetsuit dich an den Schultern nicht „stauchen“ bzw. deine Paddelbewegungen erschweren. Auch bei einem Trocken-Take-Off merkst du schnell, ob du trotz Neopren gut hoch kommst oder es so eng ist, dass das Aufstehen eher schwerer fällt.

Auch ein Indiz, dass der Wetsuit zu eng ist, wäre dass z.B. an den Verbindungspunkten von Arm und Brust (Stress Points) von vorn herein zu viel unangenehmer Zug ist, dass du die Beine nicht bis in den Schritt hochziehen kannst („Windelgefühl“) oder dass es an Stellen wie in den Kniekehlen kneift. Dann wäre das Material schon an seinen Grenzen bzw. zu wenig für dich, und eine Größe mehr eventuell besser.

Ansonsten noch zwei Tipps: 1. Vor allem sehr stretchy Anzüge müssen sehr sehr eng sein, weil sie im Wasser noch stärker nachgeben. 2. Manche Marken liegen einem einfach nicht. Bei mir saß z.B. noch nie ein XCEL oder Billabong Anzug, während andere drauf schwören. Probiere doch auch mal eine andere Marke aus.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

Viele Grüße
Heidi

Reply
Simone 29. Juni 2022 - 16:03

Hallo Heidi,

ich habe gerade meine Ripcurl Neoprenanzug-Bestellung bekommen. Leider musste ich mich vor allem an den Armen und Beinen sehr reinquetschen 🙁
Ist das normal oder ein Indiz dafür, dass der Neo zu eng ist?

Vielen lieben Dank & LG
Simone

Reply
Heidi 6. Juli 2022 - 19:21

Hallo Simone,
Eng sollte der Wetsuit auf jeden Fall sitzen, damit kein Wasser einströmen kann – auch bzw. gerade an den Gliedmaßen. Es ist bei mir auch normal, dass nach dem Tragen zarte Abdrücke von den Nähten zu sehen sind, obwohl ich sie im Wasser nicht merke. Allerdings sollte der Neo nicht alles abquetschen, so dass es unangenehm wird. Mach‘ am besten mal einen Bewegungstest – recke und strecke dich, und führe mal ein paar Probe Take Offs und Paddeln im Trockenen aus.
Geht das gut, kannst du Arme / Beine strecken, und nur die Enge ist ungewohnt?
Dann passt der Neo 😉
LG Heidi

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