Nachhaltig reisen in 5 einfachen Schritten: So wird dein Van Life deutlich grüner

by Daniel Thiele
nachhaltig reisen im Van

Ich bin Daniel, Gründer von Slow Supply, dem ersten Onlineshop für achtsame Abenteurer, die gern nachhaltig reisen. Denn auch ich liebe Surfen, Unterwegssein und Van Life, doch fühle mich zunehmend leider immer schlechter dabei. Es ist ein Zwiespalt, der einen als deutschen, landlocked Surftraveller immer wieder aufs Neue konfrontiert: Alle relevanten Breaks am Atlantik liegen Pi mal Daumen mindestens 10 Fahrstunden oder 2 Flugstunden (bzw. 274 kg / 363,4 kg Co2) entfernt. Und keines von beidem ist im Hinblick auf die ökologischen Herausforderungen, vor denen wir stehen, eigentlich rechtfertigbar, um auf einem Stück Plastik im Meer zu planschen.

Was aber tun? Mir gefällt die Idee, dass es sinnvoller ist, wenn mehr Menschen ihr Reiseverhalten überdenken und nachhaltiger gestalten, als dass es ganz wenige gibt, die es perfekt meistern und mit erhobenem Zeigefinger auf dem Balkon hocken. Seien wir ehrlich: Nicht Surfen oder gar nicht mehr Reisen ist am Ende auch keine Lösung der individuellen (Un)Zufriedenheit.

“Take nothing but memories, leave nothing but footprints.” Uraltes Mantra aller Outdoor-Aktivisten, doch treffend wie nie. Überall und immer. Im Grunde ist damit alles gesagt, beschreibt es doch im Kern, wie nachhaltig reisen funktioniert: In der Natur nichts zu nehmen (= keinen negativen Impact zu verursachen) außer die eigenen Fußstapfen zu hinterlassen. Auf Neudeutsch quasi “Mach dein Selfie, aber lass keinen Scheiß rumliegen.”

Outdoor Mantra: Take nothing but memories…

Da das alles noch relativ schwammig ist, versuche ich es im Folgenden mal aufzudröseln. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit und mit der Bitte um deine Ideen und Ansätze! Lass uns also zusammen erörtern, wie nachhaltig reisen und Van Life im Konsens mit unserer Umwelt vielleicht (besser) klappen kann.

1. Verlasse jeden Ort sauberer, als du ihn vorfindest

Egal ob Campingplatz oder wilde Wiese: Dass du deinen Kram nicht in die Wildnis wirfst, (kippst, kackst) sollte klar sein. Aber nachhaltig reisen heißt eben auch, die Augen vor anderer Menschen Unrat nicht zu verschließen. Sei du die Veränderung! Wenn du Müll vorfindest, schnapp‘ dir eine deiner Mülltüten, pack ihn ein und entsorge alles fachgerecht. Was dem Surfer das Beach Clean Up, sollte dem Camper das Wald-, Wiesen- bzw. Parkplatz Clean Up sein. Denn die Natur, die Tiere als auch jeder Mensch nach dir werden danken! Am Ende folgen wir alle gewissen Mustern und wenn ein Ort einmal vollgemüllt ist, wird sich dies von alleine nicht revidieren.

Um das Angenehme mit dem Unangenehmen zu verbinden, mache ich an neuen Campspots als erstes eine kleine Erkundungstour. Dabei nehme ich einen Müllbeutel mit und gehe erst wieder zurück, wenn er voll ist. Das Ganze kann man auch super in sein morgendliches Workout einbauen, und z.B. während einer Jogging Runde umsetzen. Auf diese schlaue Idee namens „Plogging“ kamen die Schweden. So tust du was für dich und die Umwelt – praktisch, oder? Mit Kindern lässt sich das sogar zur Schnitzeljagd oder zum Mülsammelwettbewerb ummünzen. Probier’s mal aus.

Park Clean Ups sind mindestens so wichtig wie Beach Clean Ups

2. Reise langsam und umweltbewusst(er)

Klar, die paar Urlaubstage im Jahr sind nicht viel und jeder hat irgendwie Bock auf seinen individuellen Reise-Lifestyle. Trotzdem ist es angebracht darüber nachzudenken, ob deine verfügbare Reisezeit mit dem ökologischen Fußabdruck im Einklang steht, den du zwangsläufig hinterlassen wirst. Schnell für ein Wochenende nach Frankreich düsen um zwei Tage zu planschen? Das hat halt nix mit nachhaltig reisen zu tun und ist, unabhängig von den Spritpreisen, ökologisch mindestens fragwürdig. Von Wochenend-Trips nach Malle, auf die Kanaren oder sonst wohin muss ich gar nicht anfangen. Machen wir uns nichts vor:

Dein ökologischer Fußabdruck bei einer 10-stündigen Fahrt mit deinem Surfbus an den Atlantik ist nur unwesentlich weniger nachhaltig als eine vergleichbare Flugreise.

Was bleibt also? Entweder du hast bzw. schaffst dir mehr Reisezeit am Stück. So ist vielleicht ein langer Surfurlaub besser, als viele Kurztrips im Jahr, oder du kannst länger fernbleiben, indem du etwa wie die Vannomaden den Job mitnimmst oder unterwegs online arbeitest. Oder du suchst dir…

Langsame Wege sind manchmal die schönsten!

Mikroabenteuer in der Nähe finden

Schau doch mal über deinen Surf-Bubble-Tellerrand hinaus und geh auf Entdeckungsreise abseits ausgetretener Surf-Pfade. Mikroabenteuer heißt das Stichwort: Kleine Oasen bzw. lohnenswerte Abenteuer im direkten Umfeld erleben. Man glaubt es kaum, aber es gibt auch jenseits vom Atlantik die Möglichkeit, (alternativen) Wassersport zu betreiben, zu Biken, Skaten und Wandern, neue flache wie hügelige Landschaften zu sehen, und krasse Sundowner zu bestaunen. Pack dir ein paar deiner besten Dude*ettes ein und fahrt ein Wochenende mit dem Rad durchs eigene Land.

Der Stoke-Faktor sollte nicht immer zwangsläufig vom Meer abhängen. Ob Allgäu, Alpenvorland oder deutsches Mittelgebirge: Wir haben so viele, richtig schöne Naturerlebnisse vor der Haustür, die wir gerne mal vergessen. Außerdem gibt es viele Mikroabenteuer speziell für Wassersportler in Deutschland, an die du vielleicht noch gar nicht gedacht hast. Wenn es schon ans Meer gehen muss, dann kann auch ein Wochenende in Holland oder an der Nordseeküste richtig Bock machen. Inklusive Chance auf Wellen! 

Clever und grün: Am Urlaubsort mit dem Rad unterwegs sein

Nachhaltig Reisen: Umweltschonender ankommen

Im Van reisen bzw. Van Life verschleudert Sprit und produziert CO2 sowie Mikroplastik. Diesen ökologischen Fußabdruck hinterlässt das Fortbewegungsmittel auf jeden Fall – was du mindestens tun kannst ist, ihn vom Individuum auf mehrere Personen zu verteilen. Was aber tun, wenn du allein reist, für dich aber kein Weg am Meer vorbeiführt? Dann gibt es auch zahlreiche alternative Reisemöglichkeiten im Kollektiv:

  • Bahn fahren (z.B. Köln-Bordeaux)
  • Fernbusse wie z.B. Flixbus nutzen
  • Mitfahrgelegenheiten nutzen oder anbieten

Hilft alles nicht? Dann schreib dir mit dem eigenen Gefährt nachhaltig reisen auf die Fahne, und werde vielleicht etwas minimalistischer. Je weniger Krempel du mitschleppst, desto weniger Sprit verbrauchst du! Klingt schlau, ist auch so. Belastet nämlich nicht nur die Umwelt, sondern auch deinen Geldbeutel deutlich weniger. Überlege dir vorher, ob du wirklich alle deine Surfboards und Klamotten für den Trip unbedingt brauchst. Den gesparten Platz könntest du für ein Fahrrad nutzen, mit dem du am Urlaubsort kurze Strecken zurücklegst, und das Auto stehen lassen kannst.

Lieblings-Reise Buddy, Lieblingsbrett, Lieblingstasse – viel braucht's für mich nicht

Co2-Kompensation als Lösung?

Zugegeben, Co2-Kompensation ist (aus meiner Sicht) so eine Sache und steht nicht unberechtigter Weise häufig in der Kritik. Stellt sie doch irgendwo eine Art Ablasshandel dar, mit dem wir (reichen Westeuropäer) uns von der Verantwortung freikaufen, weiterhin die Umwelt zu belasten. Kostet jetzt halt ‘n bisschen mehr, aber wen juckt‘s? Dabei sollte es doch grundsätzlich darum gehen, durch unser Verhalten erst gar keinen Schaden zu verursachen, als diesen im Nachhinein (durch erneuten Ressourcenaufwand) wieder zu “reparieren”.

Nichtsdestotrotz ist Co2-Kompensation definitiv besser, als nur Schaden zu verursachen und sich gar nicht darum zu scheren. Daher: Wenn du schon fliegst, fährst, oder sonst wie die Umwelt mit Co2 belastest, fühle dich doch bitte genötigt, dies zu kompensieren. Etwa über ClimateFair oder AtmosFair – du zahlst hier einen Ausgleich für das von dir verursachte Co2, dass dann z.B. Umweltschutz- und Erneuerbaren Energien-Projekten zu Gute kommt.

3. Home is not everywhere you park it

Nachhaltig reisen bedeutet auch, nachhaltig zu parken. Obwohl es auf Instagram manchmal so aussieht: Die Natur ist kein Campingplatz! Ausgewiesene Stellplätze und Campingplätze haben absolut ihre Daseinsberechtigung und es ist nicht in Ordnung, auf jeder Wiese oder an jeder Küste seinen dieselbetriebenen Haufen Blech zu parken. Klingt spießig, ist aber so. Du störst und verunreinigst damit nicht nur Flora und Fauna, sondern bist einfach ein schlechtes Beispiel für alle anderen, die es dir aus diesem Grunde gleichtun. Parke (und schlafe) daher nur auf ausgewiesenen Parkplätzen.

Geht gar nicht klar: Wildcampen im Naturschutzgebiet

Legale, naturnahe Campingplätze wählen

Da wir mittlerweile aufgrund oben genannter Punkte selten guten Gewissens wild campen, gleichzeitig “typische Campingplätze” aber oft recht spießig finden, habe ich nach Alternativen recherchiert. Dabei bin ich auf das Buch bzw. die Initiative Landvergnügen gestoßen. Dieser alternative Stellplatzführer bietet deutschlandweit schöne, naturnahe Möglichkeiten mit dem Van bei Bauern und vergleichbaren Betrieben zu schlafen. Du bist mitten in der Natur und unterstützt gleichzeitig regionale Betriebe, welche oft coole Produkte oder Führungen anbieten.

Neben Landvergnügen existieren mittlerweile zahlreiche Alternativen bzw. Portale für legale und trotzdem naturnahe Stellplätze, die dir zeigen, wo du guten Gewissens pennen darfst, und im besten Fall noch ein lokales Business unterstützt. Zum Beispiel:

*Disclaimer: Campercontact und Park4Night sind Community-basierte Apps, sprich jeder darf dort seinen vermeintlichen Stellplatz einstellen. Häufig handelt es sich dabei um Stellplätze in der Natur, auf denen campen unter Strafe verboten ist. Ihr findet hier aber auch “legale” Plätze von Bauernhöfen und Restaurants. In jedem Fall sollte man unbedingt vorher checken, ob an den jeweiligen Plätzen Parken / Campen erlaubt ist!

Super: Legal und idyllisch Campen beim Bauern

Verantwortungsbewusst (Wild)Campen

Dass du nirgendwo campst, wo es ausdrücklich verboten ist oder dein gesunder Verstand dir sagt, lieber nicht zu stehen, ist jetzt bestimmt klar. Doch kann es manchmal vertretbar sein, wild zu campen? Nun, das kommt zum einen auf das Reiseziel und die dort geltenden Regeln bzw. Duldung von Campern an, und zum anderen auf die dortigen Möglichkeiten. Alleine zu stehen, wo man niemandem auffällt ist definitiv besser, als öffentlich sichtbar mit mehreren Vans die Natur als kostenlosen Campingplatz zu missbrauchen.

Hast du ausnahmsweise mal einen Stellplatz für die Nacht in der freien Natur gefunden, wo Übernachten im Auto vertretbar ist, dann verhalte dich stets so, dass du nichts und niemanden belästigst oder gar jemandem schadest. Das gilt sowohl für Lärm den du verursachst, Lichtverschmutzung als auch dein generelles Camping-Verhalten. Was auf öffentlichen Stellplätzen gilt, sollte auch überall sonst beachtet werden:

  • Keine Campingmöbel / Wäscheleinen oder dergleichen vor dem Bus ausbreiten.
  • Kein offenes Feuer entfachen oder Grillen (außer an dafür vorgesehenen Einrichtungen).
  • Keine Entsorgung von Abwasser oder Müll, sofern dafür extra vorgesehene und ordentliche Gegebenheiten bereitgestellt werden (kleine öffentliche Mülleimer an Wegen und Straßen sind z.B. kein geeigneter Ort für deine Müllbeutel!)
  • Nutze die Natur nicht als öffentliche Toilette! Weder dein vermeintlicher “Bio”-Müll noch deine Hinterlassenschaften haben etwas in der Natur verloren.
  • Blockiere nie mehr als einen Parkplatz und bilde keine “Wagenburgen” mit anderen Campern.
  • Bleibe so leise und “unsichtbar” wie irgendwie möglich.
  • Sei ein Vorbild und mache kleine Clean Ups, wenn du anderer Leute Müll vorfindest.
  • Stehe an deinem Ort möglichst maximal eine Nacht und fahre dann weiter.
Kein offenes Feuer, wenn nicht ausdrücklich erlaubt: Eine der wichtigsten Camping-Regeln

4. Sei ein guter Gast & respektiere die Locals

Wenn du mal keinen geeigneten Ort für deinen Camper findest oder eine Pause vom Zelt bzw. dem beengten Zuhause auf Rädern benötigst, gönn’ dir doch eine landestypische und nachhaltige Unterkunft. Auch das ist nachhaltig reisen – Locals unterstützen. Jeder vor Ort hat mehr davon, wenn du kleine, unabhängige Unternehmen der Region unterstützt, statt zu großen Ketten zu gehen. Das gilt sowohl für Campingplätze, als auch Unterkünfte sowie deine Einkäufe. Als Surfer kannst du ebenfalls bevorzugen, dein neues Surfbrett beim Local Shaper zu kaufen statt vom Fließband aus China – ich habe beim letzten Trip nach Andalusien auf diese Weise ein tolles Single Fin erstanden. Ich war happy und der spanische Shaper auch!

Lokale Gepflogenheiten beachten

Als Urlauber gehört es zum guten Ton, sich über lokale Bräuche und Gepflogenheiten zu informieren und diese zu respektieren. In manchen Ländern sind z.B. gewisse Feier- und Ruhetage so heilig, dass selbst Freizeitaktivitäten wie Surfen, Wandern oder dergleichen nicht gerne gesehen werden. Beispielsweise will man in manchen Gebieten Schottlands sonntags nicht mal gewaschene Wäsche im Garten hängen sehen, und erst recht keine Camper auf Adrenalinkurs 😉 

Gleiches gilt für freizügige Bekleidung: Im asiatischen Raum als auch in vielen muslimischen Ländern bedeutet eine respektvolle Begegnung mit der Religion, dass du dich in öffentlichen Bereichen entsprechend bedeckt hältst. Informiere dich also vorher, was von dir erwartet wird und respektiere dies.

Die Locals freuen sich, wenn du Interesse an ihrer Kultur zeigst, daher sprich mit den Leuten vor Ort und du wirst merken, dass deine Reise durch neue lokale Kontakte eine ganz andere sein wird, als wenn du ausschließlich in deiner Touri-Bubble rumhängst.

Verantwortungsbewusst mit Ressourcen umgehen

Wir sind es in Deutschland gewohnt, dass wir den Lichtschalter drücken und das Licht angeht. Ebenso wie wir am Wasserhahn drehen und das Wasser fließt. Aber nach wie vor bleibt fast 500 Millionen Menschen auf der Welt der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt, und es gibt auch in Europa zahlreiche Länder, die mittlerweile unter Wasserknappheit leiden. Da scheint es paradox, dass man gerade im Urlaub häufig dazu neigt, sich jeden Luxus erlauben zu wollen und gerne in den “nach mir die Sintflut”-Modus schaltet. Dies ist so ziemlich das Gegenteil von nachhaltig reisen und belastet nicht nur lokale Communities, sondern langfristig uns alle. Nicht nur auf Reisen sollten wir sparsam mit kostbaren Ressourcen umgehen:

  • Minimiere deinen Stromverbrauch, und wähle z.B. auch Unterkünfte so aus, dass regenerative Energie genutzt wird.
  • Wäsche nur so oft waschen wie wirklich nötig. Jeden Tag neue Handtücher muss nicht sein, oder?
  • Reduziere deinen Fleischkonsum.
  • Verursache so wenig (Plastik)müll wie möglich, indem du unterwegs Mehrwegbehälter einsetzt.
  • Kaufe Lebensmittel regional, saisonal, frisch und unverpackt oder zumindest umweltfreundlich verpackt). Am besten auf dem lokalen Wochenmarkt oder beim Bauern statt im Supermarkt.
  • Wähle Destinationen, die nicht bereits dafür bekannt sind, unter Over-Tourism zu leiden.
Einsame Pfade: Camper in Rumänien

Respektiere die Flora und Fauna

Das Bild auf dem Elefanten / Kamel / Pony / Alpaka macht sich sicher gut bei Instagram, trotzdem rate ich dir dringlichst von sämtlichen Touristenattraktionen ab, deren Geschäftsmodell in irgendeiner Weise auf der Ausbeutung von Tieren basiert. Stattdessen kann man sich doch genauso (oder vielleicht noch mehr!) freuen, wenn einem unerwartet ein pelziger, gefiederter oder geschuppter Zeitgenosse in der freien Natur begegnet.

Dasselbe gilt für naturnahe “Attraktionen” die dank der sozialen Medien mittlerweile überrannt werden und massiv unter dem Ansturm von Menschen leiden, die ohne Rücksicht auf die Natur oder knappe Ressourcen ihrem Selbstdarstellungsdrang folgen. In Europa sind neben bekannten Städten auch ehemals als einsam geltende Regionen z.B. in Island betroffen und Nationalparks in Frankreich so überbevölkert, dass Zutrittsbeschränkungen implementiert werden müssen. Nicht zuletzt gilt das bei Campern beliebte Portugal als Europas am schnellsten wachsende Destination, wobei Lissabon jetzt schon als das zweites Venedig (sprich: vom Tourismus zerstört) gilt. Der Post-COVID-Tourismus macht es nicht besser – nachhaltig reisen heißt auch, so nach weniger ausgetretenen Pfaden umzusehen.

5. Ich packe meine Koffer – umweltfreundlich und minimalistisch

Wie schon gesagt, sorgt unnötiger Ballast für einen größeren Fußabdruck auf der Reise. Aber auch vor Ort sorgt er für mehr Müll, mehr genutzte Ressourcen, oder einfach mehr Kram in der Landschaft – was wir ja unbedingt vermeiden wollen. Wer nachhaltig reisen will, sollte also wirklich nur das mitzunehmen, was man unterwegs sowie am Reiseziel benötigt. Das fängt an bei einer minimalistischen Garderobe, die darauf ausgelegt ist, maximal flexibel kombinierbar zu sein. Außer unnötiger Kleidung gibt es aber noch weitere Aspekte, die im Hinblick auf umweltfreundliches Gepäck nennenswert sind. Vor allem das Thema Plastik- und Müllvermeidung spielen eine große Rolle.

Nachhaltig Reisen = Plastikfrei Reisen

Gerade die Campingwelt liebt Plastik. Es ist leicht, vermeintlich unkaputtbar und so schön bunt. Darüber hinaus greifen wir vor allem auf Reisen häufig unbewusst zu zahlreichen Einwegprodukten, weil es halt praktisch ist oder einfach angeboten wird. Dabei vergessen wir, dass dies einen irreversiblen negativen Impact verursacht, unter dem ganze Regionen und noch Generationen nach uns leiden werden.

Plastik und das daraus resultierende Mikroplastik sind eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Es gibt wenig Orte auf dieser Welt, wo noch kein Mikroplastik gefunden wurde. Es ist nämlich so winzig und leicht, dass es durch die weltweiten Winde und Meeresströmungen auf dem gesamten Globus verteilt wird. Kein Wunder also, dass auch wir mittlerweile über die Nahrung und Atemwege Mikroplastik zu uns nehmen. Nach aktuellen Berechnungen etwa in der Menge einer Kreditkarte pro Woche. Und wenn das alles so weitergeht, wiegt Plastikmüll im Meer bis 2050 mehr, als alle Fische die darin schwimmen.

Besser als Plastik: Emaille-Geschirr und Feuerschalen-Romantik

Cleveres, plastikfreies Camping-Zubehör wählen

Es gibt ein paar einfache Schritte, um die Idee vom nachhaltig reisen durch Müllvermeidung in die Tat umzusetzen. Folgendes kannst du tun:

Müll vermeiden vor und während der Reise

  • Verzichte auf sämtliche “To Go” Produkte in Plastikfolien und Boxen, und nimm dir die Zeit, Speisen und Getränke vor Ort zu genießen. Ja, vom richtigen Teller und mit richtigem Besteck! Du bist, was du isst, und bewusst essen ist auch ein stückweit Self Care und Quality Time.
  • Pack einen wiederverwendbaren Kaffeebecher, Lunchboxen und Mehrwegbesteck für deine Getränke und Snacks unterwegs ein. Übrigens füllen auch immer mehr Cafés Coffee-to-Go in mitgebrachte Thermobecher – teils gibt’s dafür sogar Rabatt!
  • Sag konsequent „Nein“ zu Plastiktüten, Plastikstrohhalmen, Plastikfolie und sonstigem Einweg-Müll. Du kannst alles mit wiederverwendbaren Alternativen ersetzen, etwa Jutebeutel, Metall-Strohhalm (wenn es unbedingt sein muss) und Bienenwachstücher.
Plastikfreie Camper-Küche: Trinkflasche, Bienenwachstücher, Brotdose, To-Go-Cup und Obstnetz

Müll vermeiden am Lagerfeuer und in der Küche

  • Benutze wiederverwendbares, langlebiges Camping-Geschirr. Das kann aus Emaille oder Porzellan sein – du brauchst im Camper nur eine gute Stapel-Ordnung 😉
  • Statt Alufolie für den Grill probiere es mal mit feuchten (Bananen)blättern oder wiederverwendbarem Grill- bzw. Backpapier.
  • Vor allem in der Natur ist es dringend ratsam, auf Plastikschwämme und herkömmliches Spülmittel mit Chemikalien zu verzichten. Du kannst stattdessen umweltfreundliche Produkte aus natürlichen Rohstoffen wählen, die die Umwelt nicht mit Mikroplastik oder Chemikalien belasten.
  • Verzichte auf Einwegputztücher / Feuchttücher oder Küchenrolle. Ein normaler Putzlappen und ein Geschirrtuch sind wiederverwendbar, und trocknen z.B. mit Magnethaken am / im Van sehr schnell.

Im Badezimmer

Herkömmliche Seifen und Kosmetikprodukte sind nicht nur meistens in Plastik verpackt, sondern enthalten häufig auch schädliche Chemikalien und Mikroplastik. Dabei gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen:

Plastikfreies Camper-Badezimmer: Zahnbürste, Mundwasser, Zahnputz-Tabs, Q-Tips, Waschlappen und Seife

Mein Fazit: Wirklich nachhaltig reisen ist eine große Herausforderung. Aber definitiv eine lohnenswerte, sofern uns daran gelegen ist, dass auch nachfolgende Generationen die Wunder dieser Erde entdecken können. Je mehr Menschen kleine Schritte unternehmen und ihr Reiseverhalten nachhaltiger gestalten, umso größer der kollektive verringerte Fußabdruck und positive Impact. Ich hoffe, ich konnte dir ein paar Anregungen mitgeben und würde mich über deine Tipps und Ideen freuen, wie du Reisen umweltfreundlicher und nachhaltiger gestaltest.

Alle Bilder im Artikel – bis auf das vom Van in Rumänien – stammen von Daniel. Schau unbedingt bei ihm im Slow Supply Shop vorbei, wenn du noch passendes Zubehör zum nachhaltig reisen suchst.

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1 comment

Ljubica 17. Oktober 2022 - 15:44

Hallo!
Danke für diese so ausführliche Beschreibung, die mir sicher weiter helfen wird. Sie habe es alles so detailliert beschrieben, dass mir klar wurde, ich muss mir noch genaueres Bild von allen machen, bevor ich zum Einkauf und rur richtigen Entscheidung fähig bin. Da ich längere Zeit im Van verbringen will und weitere Strecken zu fahren mag, ist mir so vieles klar geworden.
Liebe Grüße aus Kärnten und viele neue Erlebnisse, wünscht Euch beiden Ljubica

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