Luftanhalten trainieren: Warum Apnoe Kurse für Surfer eine gute Idee sind

by Nadja
Apnoe Kurs für Surfer - Breath Hold im Wasser

Apnoe bedeutet, bewusstes Luftanhalten trainieren, und hat für Freitaucher als auch Surfer große Relevanz. Denn wer Surfen lernen will, kommt nicht drum herum, viel Zeit im und vor allem unter Wasser zu verbringen. Gerade zu Beginn deiner Surfkarriere fällst du gefühlt mehr vom Brett als darauf zu stehen. Im knietiefen Wasser und bei kleinen Wellen ist das noch lustig. Jedoch ändert sich das, sobald du draußen im Line Up zum ersten Mal in die Waschmaschine gerätst: Du weißt nicht mehr, wo oben und unten ist, und wirst dir der Naturkraft erst richtig bewusst, die dir den Atem rauben wird.

Vergleichbare Erfahrungen habe ich mittlerweile beim Surfen schon einige Male sammeln müssen. Darum macht es als Wassersportler durchaus Sinn, sich mit dem Thema Luftanhalten trainieren näher zu befassen bzw. in einem Apnoe Kurs von Experten zu lernen. Genau das habe ich in Sri Lanka getan: Hier bot sich mir die Möglichkeit, an einem Apnoe Kurs speziell für Surfer teilzunehmen, um mehr „Ocean Confidence“ zu sammeln. Logisch, dass ich da nicht lange nachdenken musste, und mitmachte!

In diesem Artikel berichte ich, was so ein Atemtraining bringt: Ich erzähle vom Inhalt meines Apnoe Kurses, von Wissenswertem rund um unsere Atmung, speziellen Atemtechniken und sinnvollen Übungen für Surfern. Außerdem stelle ich Kurse in Deutschland und Österreich vor, z.B. von Apnoe4Surfers und Onebreath.me – diese Kursanbieter haben uns freundlicherweise auch mit Bildmaterial für diesen Artikel unterstützt, da ich aus Sri Lanka nur Handy-Schnappschüsse hatte 😉

1. Plötzlich wird’s knapp: Wieso als Surfer Luftanhalten trainieren?

Egal ob du mit dem Surfen erst beginnst, bereits Intermediate bist oder Profi: Du verbringst viel Zeit unter Wasser und wirst auch die ein oder andere beängstigende Erfahrung mit den Wellen machen. Öfters werden sie dich wie einen Ball im Meer herumwirbeln und nicht so schnell wieder auftauchen lassen – egal ob das beim Rauspaddeln, wegen einer unglücklichen Positionierung dank Strömung, oder einfach beim Wipe Out – dem Sturz vom Brett ­– passiert.

Meine erste „Nahtoderfahrung“ hatte ich bei einem meiner ersten Aufenthalte in Canggu auf Bali. An dem Tag hatten die Wellen bei Old Man eine ganz ordentliche Größe. Irgendwann hing ich da fest, wo kein Surfer sein will: In der Impact Zone – der Brechungszone – wo ich zwangsläufig eine Setwelle nach der anderen über mich drüber rollen lassen musste. Bei einem der Hold Downs war ich so lange unter Wasser, dass es gefühlt wirklich eng mit der Luft in meinen Lungen wurde. Schliesslich schaffe ich es auf allen Vieren und völlig entkräftet an den Strand und dachte das erste Mal: „Das war knapp.“

Mittlerweile verbringe ich deutlich mehr Zeit im Wasser, surfe besser und bin beim Wipe Out entspannter geworden. Dazu hat auch die regelmäßige Yogapraxis inklusive Pranayama, also Atemkontrolle, beigetragen. Für mich hat sich diese Art „Apnoe-Training an Land“ wirklich bezahlt gemacht. Große Wellen mag ich aber trotzdem noch nicht 😉

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Wasser und Luft (anhalten) gehören zusammen: (1) Nadja auf Bali, (2) Weg zum Spot Old Man, (3) beim Yoga

Dass mehr Praxis im Wasser und vor allem beim Luftanhalten trainieren beim Surfen und im Umgang mit kritischen Situationen helfen kann, demonstrierte mir die Schweizer Olympionikin im Synchronschwimmen, Sophie Giger. Nach den Olympischen Spielen 2016 lernte ich sie in ihrem wohlverdienten Urlaub auf Bali kennen. Obwohl Surfen für Sophie recht neu war, lies sie uns erprobte Wellenreiter im Wasser ganz schön alt aussehen. Spätestens hier wurde mir klar: Wer länger die Luft anhalten kann, ist im Vorteil! Mit dieser Erkenntnis vor Augen ging ich in Sri Lanka zum Apnoe Kurs.

2. Apnoe Kurs Theorie: Verbessere deine Atemtechnik

Unter dem Motto „Improve your Breath Hold“ startete unser dreistündiger Apnoe Kurs in Sri Lanka – wo ich damals gerade als Yogalehrerin arbeitete – unter Leitung von Lukas Grabowski. Er geht seit 2000 zum Freitauchen (so heisst das Tauchen ohne Flasche) und unterrichtet seit 8 Jahren selbst: Auf einer thailändischen Insel hat Lukas mit Apnea Koh Phangan seine eigene Freediving School. Und seine Ocean Confidence Kurse startete er, wie passend zu meinem Surf Trauma, auf Bali!

Natürlich wurden wir zu Beginn des Kurses gefragt, ob wir zu Hause schon mal ausprobiert hätten, wie lange wir eigentlich die Luft anhalten können. Na klar, das hatten wir alle! Ich selbst kam am Abend zuvor auf schlappe 45 Sekunden, beim ersten ungeübten Versuch im Kurs dann immerhin auf 1:09 Minute. Die Jungs waren etwas wettkampforientierter drauf und schafften bereits zu Beginn an die 2 Minuten – für mich erstaunliche Ergebnisse.

„Scuba Diving is about exploring the ocean, Freediving is about exploring yourself.“

Lukas Grabowski, Apnoe-Trainer

Mit der richtigen Atemtechnik ginge bei uns allen noch mehr, schließlich könne man Luftanhalten trainieren, meinte Lukas. Wie er als Kursleiter sagte: Unser Körper ist eine unglaubliche Maschine. Wir müssen uns nur darüber klar werden, was sie alles leisten kann – und uns dies zu Nutzen machen. An der Stelle sei gesagt: Der aktuelle Zeitrekord im Apnoe-Tauchen beträgt derzeit stolze 9:02 Minuten bei den Frauen und bei 11:35 Minuten bei den Herren. Werte, die wir Normalsterblichen nie schaffen werden, aber zum Einstieg des Apnoe Kurses zeigten, was mit eisernem Training theoretisch möglich ist.

Apnoe Tauchen - Luftanhalten trainieren

2.1 Tauchreflex und Atemreiz kontrollieren

Ok, wir brauchten also zu Beginn zunächst Atemtechnik. In der ersten Stunde unseres Apnoe Kurses gab es daher eine Theorieeinheit im Apnoetauchen. Wir erinnern uns: Apnoe beschreibt das Aussetzen oder willentliche Anhalten des eigenen Atems. Doch was passiert da eigentlich in unserem Körper, wenn wir abtauchen und die Luft anhalten, bzw. warum tun wir dies sogar automatisch?

Tauchreflex trainieren

Sobald unser Gesicht das Wasser berührt, setzt dank Rezeptoren im Bereich der Nase und Oberlippe automatisch der sogenannte Tauchreflex ein: Dabei wird der Parasympathikus stimuliert und die Atmung sofort zum Stillstand gebracht. Unsere Herzfrequenz sinkt und der Blutkreislauf verlagert den Fokus auf den Rumpf- und Kopfbereich (auch „Bloodshift“ genannt), um die überlebenswichtigen Organe weiter versorgen zu können. Kaltes Wasser scheint den Tauchreflex übrigens noch zu verstärken.

Als wichtiger Schutzmechanismus ist der Tauchreflex bei allen lungenatmenden Lebewesen zu beobachten und besonders bei Neugeborenen in den ersten Wochen nach der Geburt sehr ausgeprägt. Bei einer Wassergeburt macht der Säugling daher den ersten Atemzug erst, wenn er an die Wasseroberfläche gelangt. Leider geht dieser Reflex wenige Wochen nach der Geburt verloren, kann aber wieder bewusst trainiert werden, wie eben beim Apnoe-Tauchen.

Apnoe Kurs - Tauchreflex - Luftanhalten trainieren

Atemreiz unterdrücken

Unsere Atmung ist ein automatisierter Vorgang, über den wir uns im Alltag nur wenig Gedanken machen. Wie unvorstellbar wäre es, wenn wir uns selbst ans Atmen erinnern müssten oder dies plötzlich vergessen würden?! Da wir also unwillkürlich immer atmen, müssen wir beim Apnoe Tauchen den Atemreiz unterdrücken. Das fällt zu Beginn nicht leicht, kann aber gezielt trainiert werden.

Halten wir die Luft an, findet kein weiterer Gasaustausch mit der Umgebungsluft statt, jedoch zwischen unseren Lungen und unserem Blut. Während des Tauchvorgangs wird der vorhandene Sauerstoff in der Lunge vom Blut aufgenommen und dort verbraucht. Dadurch entsteht Kohlenstoffdioxid (CO2 ), dass vom Blut wiederum zurück an die Lungen gegeben wird. Bei diesem Vorgang steigt während des Apnoe-Tauchens der CO2 Partialdruck kontinuierlich an und ist der Auslöser für unseren Atemreiz.

Ab einem gewissen CO2-Wert in der Lunge gibt unser Gehirn ein eindeutiges Signal an das Atemzentrum ab: Auftauchen! Atmen! Aber nur weil der Atemreiz unter Wasser einsetzt, heißt es noch nicht, dass wir auch unbedingt atmen müssen.

Apnoe Training - Atemreiz unterdrücken - Luftanhalten trainieren
An den Happy Place denken: Hilft beim Unterdrücken vom Atemreflex (Foto: Onebreath.me)

Der Atemreiz setzt lange vor der Bewusstlosigkeit ein: Das Zwerchfell beginnt trotz geschlossener Atemwege unwillkürlich Atembewegungen, und deshalb möchten wir auftauchen. Im Apnoetraining wird daher gelernt, diese Zwerchfellkontraktionen zu ertragen und somit den Atemreiz weiter hinaus zu zögern – um quasi unser Gehirn zu überlisten. Dazu ist es hilfreich, seinen persönlichen Happy Place bzw. Wohlfühlort vorzustellen, um dadurch in der mentalen Entspannung zu bleiben.

Während dem Luftanhalten trainieren steigt der CO2 Partialdruck also weiter an, was zu immer stärkeren Kontraktionen im Zwerchfell führt. Gleichzeitig nimmt der Sauerstoff (O2 ) Partialdruck im Blut ab, bis bei einer individuell verschiedenen Toleranzgrenze letztendlich Ohnmacht einsetzt. Daher sollten Apnoe-Übungen nie alleine gemacht werden, denn gerade Anfänger sind nicht in der Lage, Anzeichen einer drohenden Ohnmacht zu erkennen!

2.2 Vorsicht: Hyperventilation!

Wird vor dem Tauchen sehr schnell und sehr viel eingeatmet, um mehr Sauerstoff aufzunehmen, kann dies zur Hyperventilation führen: Hektischer Schnappatmung, wie sie auch bei Panikattacken auftritt. Man atmet hierbei im Vergleich zu den Bedürfnissen des Körpers also zu stark, nimmt dabei aufgrund des flachen „Hechelns“ aber trotzdem nur wenig Sauerstoff auf, während zu viel Kohlendioxid ausgeatmet wird. So wird der Sauerstoffgehalt im Blut kaum gesteigert, der CO2 Partialdruck hingegen stark verringert – was zur Folge hat, dass der Atemreiz später und teils erst nach Eintreten der Bewusstlosigkeit einsetzt.

Gerade im Wasser kann Hyperventilieren bzw. die dadurch drohende Ohnmacht ohne jegliche Vorwarnung fatal sein, denn während der Bewusstlosigkeit tritt dann der Atemreiz ein – was zu einem Atemzug unter Wasser führt. Zwar wird eine Wasseraufnahme in die Atemwege durch Verkrampfung des Kehlkopfes (den sogenannten Stimmritzenkrampf) verhindert, der Taucher oder Surfer sollte aber trotzdem sofort an die Wasseroberfläche gebracht werden, um Unfälle und im schlimmsten Fall das Ertrinken zu vermeiden. Man nennt dieses Phänomen auch den Schwimmbad-Blackout.

Tauchen mit normaler Atmung vs. Tauchen mit Hyperventilation (Shallow water blackout diagram 1 / Shallow water blackout diagram 2 by Gutschi, cropped for size, CC BY-SA 4.0)

2.3 Wichtig: Richtiges Atmen

Unser vegetatives Nervensystem steuert lebenswichtige Funktionen wie die Atmung und besteht aus dem sympathischen sowie dem parasympathischen Nervensystem. Die beschriebene Hyperventilation ist gefährlich, da sie unser sympathisches Nervensystem anspricht. Jenes reagiert auf Gefahren und Stress bzw. bereitet den Körper auf Kampf oder Flucht vor – deshalb schaltet er sich beim Hyperventilieren zeitweise aus. Wir wollen beim Luftanhalten trainieren aber den Gegenspieler, nämlich das parasympathische Nervensystem aktivieren: Es beruhigt den Körper, vor allem die Atmung und den Geist. Darum:

Vor dem Tauchgang solltest du über mehrere Minuten ganz langsam und ruhig atmen. Einen besonderen Stellenwert bekommt dabei die Ausatmung: Lassen wir die Ausatmung doppelt so lang werden wie die Einatmung, trägt dies zur Aktivierung des parasymphatischen Nervensystems und somit zur Entspannung bei. Unsere Herzfrequenz verlangsamt sich und wir kommen zur Ruhe.

Dies üben wir in unserem Apnoe Kurs für ca. vier Minuten. Ein- und Ausatmung erfolgt dabei durch den Mund, mit unseren Lippen formen wir ein kleines O. Gedanklich bringen wir uns an unseren persönlichen Happy Place. Tatsächlich merke ich: Es stellt sich eine innere Ruhe ein. Und ganz wichtig, schon mal zum Hinter die Ohren schreiben für später: Ausgeatmet wird immer erst an der Wasseroberfläche, nie unter Wasser! 

Apnoe Kurs für Surfer - Yoga-Atmung - Luftanhalten lernen
Richtig atmen: Nadja beim Yogaunterricht in Sri Lanka (Foto: Drivethru Surfcamp)

Übrigens hilft diese Atemübung auch im Alltag, um bewusstes Atmen zu lernen. Denn normalerweise atmen wir sehr flach und nur in den Brustbereich hinein, obwohl wir nur mit tiefen Atemzügen bis in den Bauchraum unser gesamtes Atemvolumen ausschöpfen. Yogis können das auch mit der dreiteiligen yogischen Vollatmung (Pranayama) erreichen, d.h. zuerst tief in den Bauchraum atmen, dann in die Rippenbögen und in den Brustkorb. So macht Yoga nicht nur den Körper flexibel, sondern gewissermaßen auch unsere Lungen 😉

3. Apnoe Kurs Praxis: Entspannt die Luft anhalten

Vor der Praxis kommt die Theorie: Das hat auch in meinem Apnoe Kurs auf Sri Lanka gestimmt. Nachdem wir eine ganze Weile viel zum Tauchreflex, Atemreiz und der richtigen Atemtechnik gelernt haben, wird es dann doch langsam ernst. Es heißt Luftanhalten trainieren – erst an Land, dann im Wasser.

3.1 Apnoe Praxis: Luftanhalten trainieren an Land

Nach dem Crash-Kurs zur Apnoe Theorie ist es soweit: Wir gehen zum ersten langen Atemanhalten („Breath Hold“) an Land über. Ich liege auf einer Matratze im Schatten unter Palmen, und mit einer Nasenklammer wird die Atmung durch die Nase verhindert. Neben mir auf Kopfhöhe sitzt Apnoe Trainer Lukas und gibt mir Anweisungen, mich zu entspannen. Bitte ganz ruhig und langsam atmen, wie wir es zuvor noch geübt haben. Das Ganze tun wir für vier Minuten. Die Nasenklammer fühlt sich fremd und beklemmend für mich an. Mein Körper wird zwar immer ruhiger, doch mein Kopf ist immer noch nervös – vor dem letzten Atemzug und dem bevorstehenden Breath-Hold.

Nach einer gefühlten Ewigkeit gibt Lukas mir das Kommando, meinen letzten Atemzug zu nehmen. Also sauge ich die Luft in mich ein bis ich denke, ich platze, und höre dann auf zu atmen. Lukas sagt mir, dass ich Nacken und Schultern entspannen soll. Ich schließe die Augen und wandere zu meinem Happy Place: Ich liege auf meinen Surfbrett, die Wasseroberfläche glitzert, ich schaue in ein Meer aus Palmen am nahen Strand. Eine Schildkröte taucht vor mir auf… Wunderschöne Bilder in meinem Kopf. Und trotzdem kann ich den aufsteigenden Druck in meinem Brustkorb nur schwer ignorieren!

Ok, komm zurück zu deinem Happy Place, sag ich mir selbst. Du musst dein Hirn austricksen, dein Körper ist doch eine unglaubliche Maschine… Der Druck wird stärker. Wieder zurück zum Happy Place. Boah, ich kann nicht mehr. Oder doch? Ein bisschen noch… dann gebe ich Lukas mit meiner Hand ein Zeichen. Er fängt an, von 10 abwärts zu zählen. Ok, die 10 Sekunden schaff ich noch. Dann sagt er mir komm, noch mal 10 Sekunden, du schaffst das. Aber mein Hirn schreit „nein“ und ich hole Luft.

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Breath Hold an Land: (1) Anweisungen von Lukas, (2) Luftanhalten trainieren mit Nasenklammer, (3) Happy Place im Kopf

Nachdem in Sachen Luftanhalten echt nix mehr geht, gibt Lukas mir sofort die Anweisung, zum Recovery Breath überzugehen: Aktives Einatmen, kurze Pause, passives Ausatmen. Allmählich entspannt sich mein Brustkorb wieder, die Kontraktionen lassen nach. Bei meinem ersten Apnoe Versuch bin ich immerhin bei 1:42 Minuten Luftanhalten gelandet.

Nach einer Pause starten wir einen neuen Versuch an Land, bevor es dann ins Wasser geht. Beim zweiten Mal kann ich mich schon ein bisschen mehr entspannen und steigere mich auf 1:52 Minuten Luftanhalten. Doch die Jungs liegen bereits bei Ergebnissen von 3 Minuten. Von solchen Unterschieden zwischen den Geschlechtern sollte man sich übrigens nicht entmutigen lassen, denn sie liegen laut Studien darin begründet, dass Männer z.B. ein größeres Lungenvolumen und eine bessere Sauerstoffkapazität haben als Frauen.

3.2 Apnoe Praxis: Luftanhalten trainieren im Wasser

Nach dem Apnoe Training auf dem Trockenen geht es nun in der naheliegenden Lagune für uns ins Wasser. Alle Übungen erfolgen hier in einer 1:1 Situation, also immer mit einem Instructor pro Teilnehmer. Das ist schon mal klasse, um Vertrauen zu fassen und sich sicher zu fühlen.

Apnoe Übungen allgemein

Zuerst sollen wir uns an die Situation im Meer gewöhnen. Dazu liegen wir mit dem Rücken auf den Armen des Instructors und er „tanzt“ mit uns durchs Wasser. Wir sollen uns dabei entspannen und richtig loslassen. Immer wieder werden wir – wie die Kids im Schwimmunterricht – kurz auf den Bauch gedreht, um eine Weile die Luft anzuhalten. Spannenderweise fühlt sich Luftanhalten trainieren im Wasser für mich nach dem Apnoe Teil an Land jetzt schon relaxter und „natürlicher“ an.

Dann üben wir den Long Breath Hold (also das lange Atemanhalten) im Wasser. Zuerst knien wir in seichten Wasser und beginnen wieder mit der bereits geübten, vorbereitenden tiefen Atmung. Nach vier Minuten nehme ich meinen letzten tiefen Atemzug und tauche unter. Ganz entspannt treibe ich mit dem Kopf nach unten im Wasser, am Arm meines Instructors. „Grab my arm“ fordert er mich immer wieder auf, um zu überprüfen, ob ich noch bei Bewusstsein bin. Zwischendurch muss ich regelmäßig mein OK-Signal per Handzeichen abgeben. So ähnlich läuft es übrigens auch bei anderen Apnoe Kursen ab – egal ob sie im Meer oder im Pool stattfinden.

Apnoe Kurs für Surfer - Luftanhalten trainieren
Betreutes Luftanhalten trainieren im Apnoe Kurs (Foto: apnoe4surfers)

Zwischendurch versuche ich, mich beim Luftanhalten trainieren (mit dem Kopf nach unten im Wasser) stets an meinen Happy Place zu bringen. Der Druck in der Brust wird stärker. Ich gehe zurück auf meine Knie, der Instructor fängt wieder an, von 10 abwärts zu zählen, ich tauche auf und werde direkt an den Recovery Breath erinnert. Im Wasser schaffe ich 1:48 Minuten.

Apnoe Übungen speziell für Surfer

In der nächsten Übung simulieren wir das Luftanhalten in Setwellen. Superwichtig für Surfer, denn wer kennt es nicht: In der Impact Zone festzuhängen und immer wieder untertauchen zu müssen, bis das Set vorüber ist und man zurück in den sicheren Channel oder ins Line Up kommt. Hierzu atmen wir zweimal tief ein und tauchen dann unter, bis wir das Signal zum Auftauchen bekommen. Dies tun wir fünf Mal in Folge. Fühlt sich vertraut an und ist für mich gut machbar.

In der nächsten Übung simulieren wir die gleiche Situation, nur dass wir diesmal die Ausatmung halten. Denn nicht immer hat man vor der nächsten Welle nochmal Zeit zum Luftholen und muss mit der verbleibenden Luft in den Lungen klarkommen. Wir atmen also wieder zweimal tief ein und dann vollständig aus. Nun tauchen wir zweimal für 30 Sekunden ab und danach weitere dreimal für solange, wie jeder kann. Ich schaffe 45 Sekunden – nur mit dem Restsauerstoff in meinen Lungen. Auch das fühlt sich für mich, dank Yoga und Pranayama, sehr vertraut an.

Apnoe Kurs für Surfer: Luftanhalten trainieren beim Wipe Out
Wipe Out Simulation beim Apnoe Kurs: Und alles dreht sich… (Foto: Apnoe4Surfers)

In der letzten Apnoe-Übung wird die berühmte Waschmaschine aka Wipe Out simuliert: Wir holen tief Luft, und der Instructor beginnt dann, uns im Wasser herum zu wirbeln und dabei nach unten zudrücken. Wir haben die Anweisung, unsere Nase zuzuhalten und die Embryonal-Stellung einzunehmen, um Bauch- und Brustbereich zu schützen. Mit der zweiten Hand wird der Kopf geschützt.

Für gewöhnlich halte ich im Wasser beim Sturz vom Surfbrett meine Nase nicht zu und lasse dies darum auch bei der ersten Apnoe Übung sein. Böser Fehler! So läuft mir natürlich Wasser in die Nase und ich atme unter Wasser durch die Nase aus, was man niemals tun sollte. Stattdessen sollte man wirklich erst ausatmen, sobald man die Wasseroberfläche wieder erreicht hat und anschliessend auch direkt wieder einatmen kann. Bei den nächsten Wipe Out Simulationen versuche ich es also mit Nase zu halten, und alles ist easy. Es fühlt sich nun viel entspannter an!

4. Apnoe Kurse in deiner Nähe: Beispielhafte Anbieter

Wenn du auch an deiner Atemtechnik arbeiten und auf Reisen einen Apnoe Kurs belegen möchtest: Mein Anbieter in Sri Lanka, The Doctor’s House in Madiha, wird die Ocean Confidence Kurse künftig weiterführen. Also falls du ohnehin an der Südküste  von Sri Lanka surfen bist, hättest du hier die Chance. Außerdem bietet mein Trainer Lukas auch in seiner Freediving-Schule Apnea Koh Phangan in Thailand verschiedene Kurse an. Ansonsten findest du sicher auch in anderen Tauch- und Wassersportrevieren auf der Welt vergleichbare Angebote.

Für alle, die ihre Zeit Zuhause sinnvoll nutzen wollen: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es ebenfalls einige Apnoe Kurse bzw. Kurse im Freitauchen. Du findest sie mit etwas googeln ganz leicht. Spezieller sind Apnoe Kurse für Surfer, weil sie beim geführten Luftanhalten trainieren auf Eigenheiten unseres Lieblingssports eingehen. Dazu haben wir folgende Anbieter ausfindig gemacht:

4.1 Action-Sport Tauchzentrale (Berlin)

Bei den Experten von der Tauchzentrale Berlin erkundigten sich öfters Surfer nach einem speziellen Kurs. Nun lehrt Jessica Schäfer in der Hauptstadt für 79 Euro pro Person einen halben Tag lang im Pool alles, was Wellenreiter zum Thema Luftanhalten trainieren wissen müssen. Super: Ein Kurs findet mit nur maximal zwei Teilnehmern statt. Jessica ist erfahrener Free Diving Instructor und kann auch direkt auf ihrer Website onebreath.me kontaktiert werden. Über ihre Kurse sagt sie:

Ungewohnte Gefühle und Reaktionen unseres Körpers steigern sich schnell zu Panik. Doch sobald ich verstehe, was dabei genau passiert, verschwindet die Angst. Als Apnoe Taucherin habe ich einen positiven Zugang zum Wasser: Ich fühle mich unter der Wasseroberfläche geborgen, ich möchte dort sein. Diese Erfahrung zu teilen bildet die Basis in meinem Workshop. Das unter Wasser sein „Müssen“ im Kopf durch „Dürfen“ zu ersetzen – schon das lässt uns ruhiger und zielgerichteter reagieren. Es geht darum, mit dem Atemreiz in der Situation „unter der Welle“ entspannt umzugehen lernen, sich auszuprobieren und durch Training eigenständig weiter zu entwickeln. Das können Surfer, aber auch andere Wassersportler, in meinem Apnoe Kurs mitnehmen.

Jessica Schäfer, Freediving Instructor, Tauchzentrale / onebreath.me
Apnoe für Surfer - Tauchzentrale Berlin
Apnoe für Surfer - Tauchzentrale Berlin
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Tauchzentrale: (1) Jessica beim Apnoe Workshop, (2) Motto: immer die Ruhe bewahren (Fotos: onebreath.me)

Zu Jessicas Apnoe Workshops für Surfer kommen Menschen mit unterschiedlichen Motiven: Manche haben ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit oder wollen unangenehme Erfahrungen, die sich zu Ängsten entwickelt haben, in Angriff nehmen. Andere wollen sich gezielt auf größere Wellen mit entsprechend längeren Hold Downs vorbereiten – oder einfach die eigenen Fähigkeiten unter Wasser mit Spaß entdecken.

Jessicas Apnoe Kurse finden in der Regel ein mal pro Monat in Berlin statt oder auf Anfrage von 2 Personen über ihre Website. Neben dem spezifischen Angebot für Surfer kannst du auch weitere Freediving Kurse bei ihr buchen, z.B. im Freiwasser oder für Fortgeschrittene!

4.2 apnoe4surfers (Bern und Zürich)

Hinter dem Angebot von apnoe4surfers stecken die Schweizer Freediving Academy bzw. die Organisatoren der Flusswelle Bern. Das Team veranstaltet die ganztägigen Apnoe Workshops speziell für Wellenreiter mit 6 bis 12 Teilnehmern – regelmässig in Bern und Zürich für 220 CHF bzw. 195 Euro, inklusive von Patagonia gestellten Wetsuits. Nach dem Kurs bist du nicht nur Wipe Outs besser gewappnet, sondern auch lizensierter Freediver! Hinter dem Konzept steckt übrigens eigene Erfahrung:

Die Idee zu unserem Apnoe-Kurs entstand während der Surfferien, als eine Kollegin von mir immer totale Panik hatte, nachdem sie unter einer Welle gedrückt wurde. Es war so schlimm, dass sie deshalb gar nicht mehr Surfen wollte. Heute bieten wir den Apnoe Kurs an, damit Surfer beim Wipe Out ruhig bleiben und ihren Atem kontrollieren können. Die Teilnehmer sollen lernen, es in solchen unbequemen und unübersichtlichen Situationen ohne Luft und unter Wasser trotzdem komfortabel zu haben, indem sie sich damit besser arrangieren.

Frédéric, apnoe4surfers
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apnoe4surfers: (1) Luft anhalten trainieren, (2) Arbeit mit Surfboard , (3) Wipe Out Simulation

Im Jahr 2022 sollen voraussichtlich wieder Apnoe Kurse in Zürich und Bern stattfinden. Mehr dazu auf der Website und per Anmeldung auf der Interessentenliste.

4.3 ApneaSurf (in diversen Städten)

Timo Niessner von ApneaSurf ist Sportökonom, Taucher und systemischer Coach. Über seine speziellen Apnoe Kurse für Surfer wurde schon in einigen Magazinen berichtet. Er bietet sie als Tageskurse ab 149 Euro in vielen Städten in ganz Deutschland (z.B. Berlin, Köln, Hamburg, München, Sindelfingen) sowie in Österreich (Bern, Wien) als auch in der Schweiz (Zürich, Linz) an. Teils kannst du die Kurse auch an Urlaubszielen wie auf der kleinen Insel Gozo oder im Tauchmekka Dahab in Ägypten belegen. Für alle, die ganz woanders wohnen, hat Timo auch Online-Coaching in petto. Wie er arbeitet, kannst du im folgenden Video sehen!

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Falls hier kein passendes Angebot für dich dabei war, frag doch mal im nächsten Tauchcenter bei dir um die Ecke nach einem Apnoe Kurs (für Wassersportler) oder stöbere online! Ein Basis Freediving Kurs macht dich nicht arm, und wird dir auf jeden Fall die wichtigsten Atemtechniken und Kniffe beim Luftanhalten trainieren beibringen.

5. Fazit nach dem Apnoe Kurs: Are you confident now? 

Dreieinhalb Wochen später kam nach meinem Apnoe Kurs für mich der Realtest. Die Wellen hatten selbst für Sri Lanka ganz gut Größe und ich geriet in der Session gleich mehrfach in die Waschmaschine. Spaß machte das immer noch nicht, aber Panik hatte ich keine mehr! Wie ich eingangs schon sagte: Durch viel Zeit im Wasser wurde ich automatisch auch sicherer und selbstbewusster.

Ob ich große Wellen jetzt lieber mag? Ich glaube nicht, aber der nächste Bali-Aufenthalt wird es zeigen. Was mich aber sicherlich selbstbewusster macht, ist das Wissen, dass ich viel länger die Luft anhalten kann, als ich ursprünglich gedacht habe. Auch wenn ich in meinem Apnoe-Training nicht die drei Minutenmarke geknackt habe, so beruhigen mich meine persönlichen 1:48 Minuten doch ungemein. Denn mal ehrlich: Die Welle, die mich 1:48 Minuten unter Wasser hält, die werde ich eh nie surfen. Mit dieser Einstellung und den im Kurs gewonnen Skills bleib‘ ich nun hoffentlich ganz entspannt – und werde als surfender Yogi natürlich weiter Atmen und Luftanhalten trainieren 😉

Apnoe Kurs für Surfer - Nadja

Hast du weitere Fragen zum Apnoe Kurs oder konntest du vielleicht selbst schon Erfahrungen sammeln, die du mit uns teilen möchtest? Dann schreib uns gerne einen Kommentar.

Titelbild: apnoe4surfers.

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