Jack O’Neill: Warum er ein Pionier der Surfszene war

by Heidi
Jack O'Neill Retro Surf

Im Sommer nahm die Welt Abschied von Jack O’Neill, einem Waterman, Unternehmer und Pionier der Surfszene. Wahrscheinlich kennst du ihn als Schöpfer der Surfmarke O’Neill. Doch wusstest du, dass wir ohne seinen Erfindergeist heute nicht so bequem surfen könnten, wir wir es mittlerweile gewohnt sind?

Jack O’Neill: Ein kalifornischer Surfer und Erfinder

Eigentlich wurde Jack 1923 in Denver (Colorado) geboren und wuchs eine zeitlang in Portland (Oregon) auf. Doch seine Familie folgte bald dem Ruf des Meeres und zog nach Kalifornien, wo der kleine Jack schon als Junge zum Waterman heranwuchs. Was dann folgte, klingt wie der amerikanische Traum. Jack O’Neill probierte die verschiedensten Jobs aus: Er war unter anderem Stallbursche, Kadett bei der US Navy, Holzfäller und Fischer. Und obendrein ein begnadeter Erfinder, der später ein Weltunternehmen der Surfindustrie gründen sollte.

Seine Freizeit verbrachte der junge Jack O’Neill an den kalifornischen Stränden in der Gegend um San Francisco. Denn er wusste als einer der ersten, dass Surfen einfach der beste Sport der Welt ist. Doch wer schon mal in Kalifornien surfen war der weiß, dass das Wasser dort alles andere als muckelig warm ist. Jack war das Frösteln irgendwann leid und begann, an einer neuen Art von Surfkleidung zu tüfteln. Daraus entstand nichts geringeres als der erste Neoprenanzug der Welt! Viele weitere Erfindungen sollten folgen. Mehr dazu und über Jacks Leben erfährst du in dem folgenden Video.

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Warum Jack O’Neill fürs Surfen so wichtig war

Jack O’Neill war in vielerlei Hinsicht mehr als nur ein passionierter Surfer und Unternehmer. Denn ohne ihn wäre Surfen für uns heute nicht so möglich, wie wir es kennen und lieben. Wir verdanken dem Kalifornier mit der markanten Augenklappe einige Dinge, die das Wellenreiten sehr viel angenehmer machen.

Der Neoprenanzug für Kaltwassersurfer

Ohne diese Erfindung von Jack O’Neill wäre Surfen bis heute wahrscheinlich zum Großteil auf Warmwasser-Gebiete beschränkt geblieben. Denn selbst die ehrgeizigsten Wellenreiter müssen sich bei niedrigen Wassertemperaturen schnell geschlagen geben, weil der Körper auskühlt und an Energie verliert. Durch die Neoprenanzüge von O’Neill konnte man plötzlich viel länger und besser in kaltem Wasser surfen. Dadurch wurden Kaltwasser-Reviere wie Kalifornien, Oregon und Kanada ganzjährig surfbar und der Sport insgesamt viel populärer. Im kanadischen Tofino war ich jedenfalls sehr dankbar für meinen 5/4er Wetsuit mit Kapuze. Auf Lobenshymnen über seine Erfindung reagierte Jack O’Neill übrigens immer ganz bescheiden und meinte:

I’m just a surfer who wanted to build something

that would allow me to surf longer.

Früher trotzen Surfer wie Jack dem kalten Wasser noch in normaler Kleidung und langer Unterwäsche, die mittels einer Ölschicht imprägniert und von innen mit PVC ausgestopft wurden. Aus diesen frühen Surfanzügen entstand seine erste Firma, doch auf der Suche nach dem perfekten Surf Outfit tüftelte er am Küchentisch mit anderen Materialien weiter.

Jack O'Neill NeoprenanzugWie er letztlich auf Neopren kam, wird bis heute diskutiert. Manche sagen, Freunde hätten ihm erstmals von dem neuen Material erzählt. Andere meinen, dass Jack den Geistesblitz hatte, als er in einem Flugzeug die Fußmatten umdrehte und deren äußere Gummischicht sah. Jedenfalls kam ihm Hugh Bradner, ein befreundeter Physiker von der University of Berkley, mit seinem erfundenen Neoprenschaum zur Hilfe und gemeinsam entwickelten die beiden damit den ersten Neoprenanzug.

Anfangs war das Neopren sehr durchlässig und bedeckte nur den Torso. Es kursieren Bilder von O’Neill mit Freunden, wie sie nach dem Surfen mit einer wasserballon-ähnlichen Fülle aus dem Meer steigen. Später entstanden daraus alle Variationen vom Full Body Wetsuit, wie wir ihn kennen und tragen. Heute ist der Neoprenanzug aus der Standardausrüstung von Surfern und anderen Wassersportlern nicht mehr wegzudenken. Obwohl er mittlerweile von unzähligen Surfbrands angeboten wird, gehört O’Neill immer noch zu den Premium-Marken.

Surf Shops und die moderne Surfindustrie

Irgendwie musste Jack O’Neill seine Neoprenanzüge, damals eine echte Innovation, unter die Leute bringen. Das veranlasste ihn dazu, 1952 den ersten Surf Shop aller Zeiten zu gründen. Bis dahin gab es nur vereinzelte Garagen-Shaper, aber vom einem Fachhandel fürs Wellenreiten hatte man noch nicht gehört. Jack nannte seinen Laden „Surf Shop“ – ein später von ihm sogar geschützter Begriff – und verkaufte neben Balsaholz-Surfboards und Paraffinwachs seine ersten Neoprenanzüge. Anfangs wurde er noch belächelt, doch bald riss man ihm die Teile förmlich aus den Händen. Ein paar Jahre später zog er mit der Firma nach Santa Cruz, wo heute noch der O’Neill Hauptsitz ist. Dort wurde die Produktion erweitert und Jacks sechs Kinder halfen fleißig beim Business mit:

Mike helped dad design suits, Kathy got the whole operation computerized, Pat worked in promotion and organized Team O’Neill, Bridget moved into a new sportswear division, Shawne tested and multi-tasked, and Tim ran all crews for ongoing product-testing expeditions and promotions, as O’Neill began to sponsor major competitions around the world. (O’Neill History)

Das Familienunternehmen wuchs und 1980 war aus dem Garagen-Surfshop ein internationales Unternehmen geworden, dass mit seiner Sportmode weltweit den Ton angab. Jack O’Neill übergab die Führung 1985 an seinen Sohn Pat, um sich anderen Aufgaben und dem Surfen zu widmen. Ein schlauer Kerl! Das beweist auch die Tatsache, dass sein Geschäftsmodell einen regelrechten Boom auslöste. Immer mehr Surf Shops ploppten aus dem Boden und gaben Salzwasserhungrigen ein Zuhause, wo sie auf Gleichgesinnte trafen, in Surf Mags schmökern und natürlich den nötigen Stuff kaufen konnten.

Surf ShopSo eine Surfinfrastruktur ist heute an den meisten bekannten Surforten vorhanden und führt dazu, dass das nötige Equipment und Wellen leichter zugänglich werden. Selbst die damaligen Marketing-Methoden setzten sich durch: Früher stattete das „Team O’Neill“ Top-Surfer aus und gewann sie als authentische Werbeträger. Noch heute macht es jede große Surf Brand so.

Die Leash als Lebensversicherung im Wasser

Neben dem Neoprenanzug geht eine weitere Erfindung auf das Konto von O’Neill: Die gute alte Leash! Erst wenn sie einmal gerissen ist und man ohne Surfboard zurück an den Strand schwimmen muss, weiß man den kleinen Lebensretter richtig zu schätzen. Denn mit einem Surfboard unter dem Körper paddelt es sich leichter und ist es definitiv sicherer im Meer, weshalb man das gute Stück auch nie verlieren will.

Jack O'Neill Sydney Paddle Out LeashAllerdings hat nicht Jack O’Neill, sondern sein Sohn Pat die Nylonleine erfunden – was sicherlich dem Einfluss den surfbegeisterten Vaters zurückzuführen ist. Ironischerweise munkelt man, dass Jack aufgrund eines frühen Prototypen der Leash ein Auge verlor: Bei einem Surfunfall im Jahr 1971 soll sein Brett durch die Leash zurückgeschnellt sein und ihn verletzt haben. Seitdem trug Jack O’Neill eine Augenklappe, die ihm zusammen mit dem Bart das Antlitz eines verwegenen Piraten verlieh. Fortan wurde der „One-Eyed-Jack“ als Unternehmenslogo verwendet und stärkte die Marke O’Neill.  Heute liebt jeder Surfer die Erfindung hinter dieser Story – die Leash. Sie sofern sie gut in Schuss und nicht zu kurz ist, muss man mit der korrekten Falltechnik (hinter das Surfboard) übrigens keine so schlimmen Unfälle fürchten!

Bewusstsein für den Umwelt- und Meeresschutz

Jack O’Neill liebte den Ozean und galt als einer der ersten Watermen in Kalifornien, die ihr Leben den Weltmeeren verschrieben. Seine Freizeit widmete er allem, was man im Meer tun kann: Surfen, Bodysurfen, Tauchen, Segeln und Fischen. Und sein berufliches Vermächtnis ist eines der ältesten Surfunternehmen der Welt, das sich noch immer in Familienbesitz befindet. Jack O’Neill war überzeugt:

When you get all screwed up, and you jump in the ocean,

everything’s all right again.

Aus diesem Grund widmete er sich nach seinem Ausstieg aus der Geschäftsführung von O’Neill zahlreichen Projekten zum Umwelt- und Meeresschutz. So unterstütze er die Rettung des weißen Hais vor dem Aussterben, half lange Jahre bei der Bergung von gesunkene Schiffen und rief 1996 die O’Neill Sea Odyssey ins Leben. Auf einem Katamaran als schwimmendem Klassenzimmer lernen Kinder und Jugendliche alles Nötige über Meeresbiologie und die Rolle des Ozeans. Diese Initiative hat schon über 90.000 Schüler weitergebildet und wird noch heute fortgeführt.

Jack O'Neill in Kalifornien

Jack O’Neill an einem seiner Home Breaks (Foto: O’Neill USA)

Außerdem sind die heutigen World Surfing Reserves auf Jacks Idee zurückzuführen, seine kalifornische Heimatstadt anzuerkennen und zu schützen. Neben Santa Cruz gibt es heute noch 6 weitere solcher Reserves, zum Beispiel Ericeira in Portugal, die Gold Coast in Australien oder Huanchaco in Peru. Dieser Status trägt dazu bei, die Umweltverschmutzung und Küstenbebauung einzugrenzen.

Abschied von Captain Jack: Ehre wem Ehre gebührt

Am 2. Juni 2017 nahm Jack O’Neill im Alter von 94 Jahren Abschied von der Welt. Auf einer Klippe mit Blick aufs Meer in seinem Haus im kalifornischen Santa Cruz und im Kreise seiner Familie. Die Surfszene trauerte und mehrere Wochen dominierten die Nachrufe auf einen der größten Surfpioniere das Zeitgeschehen. O’Neill veröffentlichte das oben gezeigte Memorial Video, Facebook quoll über vor Portraits von Captain Jack, Zeitungen resümierten sein ereignisreiches Leben (hier ein wirklich guter Bericht) und Künstler hielten ihn in Bildern fest.

Die größten Memorial Paddle Outs aller Zeiten

Zu Ehren von Jack O’Neill wurden auch zahlreiche Memorial Paddle Outs veranstaltet, die man schon für andere Ikonen der Surferszene wie Eddie Aikau oder Andy Irons regelmäßig abhält. Dabei paddeln Surfer meistens zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang aufs Meer, bilden dort auf ihren Surfboards sitzend einen Kreis und halten sich an den Händen. In der Mitte des Kreises werden Reden auf den Geehrten gehalten, die von den Anwesenden mit Cheers und Chants begleitet werden. Am Ende der Zeremonie heben die Surfer die Hände, spritzen Wasser in die Luft und werfen Blumen oder Kränze in die Mitte des Kreises. Es folgen Minuten der andächtigen Stille, bevor die Surfboards gen Himmel aufgerichtet werden und man langsam zum Strand zurückkehrt.

Memorial Paddle Outs für Jack O’Neill: (1) Aufruf in Kalifornien, (2) Main Circle in Santa Cruz, (3) Jordy Smith in Südafrika, (4) Paddelnde Crowds in England, (5) Circle in Holland, (6) Surferkette in Sydney, (7) Water Splashing, (8) Rose in Frankreich zum Zeremonieende

Was bei Jack O’Neill anders war: Sein Memorial Paddle Out war das größte der Welt und es gab so viele Teilnehmer wie nie zuvor. Neben Jacks Lieblings-Surfspot Pleasure Point in Kalifornien wurde in Frankreich (Anglet), Holland (Scheveningen), Knokke-Heist (Belgien), Newquay (England), Manly (Australien), Tofino (Kanada) und Jeffreys Bay (Südafrika) zu Paddle Outs ausgerufen. Schau dir allein mal die Luftaufnahmen aus Kalifornien an: Es sind Tausende von Menschen im Wasser, die zusätzlich noch von fast 100 Schiffen umkreist werden!  Wahnsinn, wie viele auf diese Weise Abschied von Captain Jack nehmen wollten. Im folgenden Video bekommst du einen intimen Einblick, wie das Paddle Out in Newquay ablief.

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Farewell: Captain Jack in Heaven

Nur die wenigsten wissen, dass Jack O’Neill nicht nur im Ozean, sondern ebenfalls in der Luft zu Hause fühlte. Er besaß sogar einen eigenen Heißluft-Ballon, mit dem er gern über den Dingen schwebte. An schönen Tagen ließ er sich mit dem Ballon von Freunden im Schnellboot über das Meer ziehen, um seine beiden Leidenschaften – das Wasser und die Luft – zu vereinen. Manchmal landete er dabei im Meer, was ihn zur Erfindung des „Super Suit“ anregte. Dieser spezielle Neoprenanzug füllte sich im Fall eines Sturzes schnell mit Luft und verlieh dem Betroffenen im Wasser Auftrieb.

Jack O'Neill - Farewell

Gute Reise, Captain Jack. (Foto: O’Neill USA)

Nun befindet sich Captain Jack auf der letzten Reise zwischen Ozean und Himmel. Wir sagen danke für seine Leidenschaft, seinen Erfindungsgeist und dafür, dass er unseren Lieblingssport zu dem gemacht hat, was er heute ist!

Fotos: O’Neill / O’Neill USA.

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