Duck Dive Guide: So gelingt dir das Durchtauchmanöver

by Janine Reith
Duck Dive lernen

Der Duck Dive ist eine Kunst für sich. Begabung und Können sind von Vorteil, wenn nicht sogar essentiell, aber ebenso ein eiserner Wille. Du bist weder begabt, noch hast du besonderes Können? Dann geht es dir wie mir! Zum Glück ist da aber noch der Wille. Bei mir persönlich war er beim Duck Dive lernen entscheidend. Bei einem korrekt ausgeführten Duck Dive manövrierst du dein Surfboard unter einer Welle hindurch, ohne dabei auf das Riff zu knallen oder zurück zum Strand gespült zu werden. Du schaffst das Durchtauchen in Entenmanier, ohne von den ersten Metern so kraftlos und ausgelaugt zu sein, dass du schließlich völlig erschöpft im Line up ankommst.

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Wer nicht richtig duckdiven kann, der muss sich an Tagen mit größeren Wellen manchmal die Blöße geben, es gar nicht erst ins Line Up zu schaffen und heulend vor Wut wieder am Strand zu enden. Das war ich, Janine, am Anfang meiner Surfkarriere!

Bestimmt gibt es einige Surferinnen und Surfer, denen es ähnlich geht. Duck Dive lernen kann so frustrierend sein! Vielleicht freust du dich gerade, mit deinem Duck Dive Dilemma nicht alleine zu sein. Doch leider hört es an dieser Stelle mit meinem Zuspruch auf. Denn nun gehen wir zur Lösung des Problems über. Das heißt zunächst, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Also hol schon einmal tief Luft!

1. Duck Dive lernen: Das Wichtigste zuerst!

Leider kann ich dir nicht sagen, dass du den Duck Dive superschnell lernen kannst und dieses Durchtauchmanöver immer gelingen wird. Dafür ist der Bewegungsablauf viel zu komplex, und du brauchst Zeit, um ihn zu verinnerlichen. Außerdem gelingt der Duck Dive nicht mit jedem Surfboard! Daher solltest du folgende Dinge beachten, wenn du wirklich Duck Diven lernen willst.

1.1 Duck Dive lernen braucht Zeit

Duck Diven lernen dauert lange, verdammt lange! Gefühlt vergingen bei mir 5 Jahre, um die Technik wirklich zu beherrschen. Zusätzlich musst du noch ein Gespür für das richtige Timing entwickeln, und das kommt allein durch Erfahrung. Sie kann, wie ich finde, in keinem Lehrbuch vermittelt werden. Denn du weißt ja selbst, wie es mit der Erfahrung ist: Sie stellt sich nur durch immer und immer wieder Surfen ein, an so vielen verschiedenen Surfspots wie möglich. Denn jede Welle ist anders.

Duckdive Whitewash

Beim Duck Dive ist Timing das A und O, um nach dem Whitewash geschmeidig wieder aufzutauchen

Doch du kannst wieder aufatmen: Wie in jeder Sportart kann man den langwierigen Lernprozess auch beim Duck Dive mit Engagement, Training und gesundem Selbstbewusstsein etwas beschleunigen! Obwohl du duckdiven mit keinem Lehrbuch dieser Welt lernst, will ich dir trotzdem eine kleine Guideline mit den wichtigsten Dingen mit auf den Weg ins Wasser geben.

1.2 Duck Dive lernen geht nur mit dem passenden Surfboard und Kraft

Vorab: Ob ein Duck Dive gelingt, hängt natürlich neben deiner Power und Lernbereitschaft noch von anderen Dingen ab. Faktor Nummer 1 ist die Größe deines Surfboards. Denn es ist extrem schwierig, ein 7 Fuß langes Brett unter Wasser zu drücken – soviel ist klar! Also achte darauf, ob dein Surfboard zum Duckdiven überhaupt geeignet und im Verhältnis zu deiner Kraft nicht zu groß, zu dick oder zu schwer ist.

Janine und ihr Shortboard: (1) im Line Up auf den Malediven (by Anita Fuchs Fotografie), (2) in der Barrel, (3) beim Top Turn auf den Mentawais

Hier kommen wir zu Faktor Nummer 2, der persönlichen Konstitution. Ich bin zum Beispiel 1.60m klein, wiege 50 kg und surfe ein 5.6 Shortboard mit 22 Litern. Bis etwa 6.4 Fuß bekomme ich ein Surfboard noch so einigermaßen gut getaucht, danach wird es kritisch. Bei anderen Menschen kann die persönliche Duck Dive Schmerzgrenze etwas weiter unten oder oben liegen.

Turtle Roll: Die Alternative zum Duck Dive

Falls sich dein Surfboard beim besten Willen nicht duckdiven lässt, dann hilft stattdessen die sogenannte „Turtle Roll“ beim Weg ins Line up. Sie sieht es bisschen aus wie eine Eskimo-Rolle mit Surfboard und ist das erste Durchtauchmanöver, das du in einer guten Surfschule lernen solltest. Und zwar noch bevor man dich überhaupt auf die Outside zum Erwischen der ersten grünen (ungebrochenen) Wellen schickt!

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Und so funktioniert die Turtle Roll: Paddle auf das Line Up zu. Sobald eine Welle heran rollt und – wichtig – gebrochen ist, drehe dich so zur Seite, dass der Rücken unter Wasser und das Surfboard über dir ist. Beide Hände umgreifen fest die Rails, damit das Brett nicht entwischen und jemand anderen treffen kann. Hat die Welle ihren Druck abgeladen und ist über dich hinweg gerollt, so kannst du dich mit einer eleganten Drehung zurück aufs Brett drehen und weiterpaddeln.

Chicken Dive: Nur im absoluten Notfall!

Leider sieht man im Wasser auch den sogenannten „Chicken Dive“ – der seinen Namen wohl einem ängstlich und kopflos herumflatternden Hühnchen verdankt. Dabei wirft der Surfer meistens aus Angst oder mangels Kenntnis besserer Durchtauchmanöver das Board bei einer herannahenden Welle unkontrolliert hinter sich und taucht in die Tiefe ab. Natürlich sehr zum Ärgernis anderer Surfer, die vom fliegenden Brett getroffen werden können und um das „Chicken“ herumpaddeln oder duckdiven.

Der Chicken Dive ist nur im akuten Notfall sinnvoll, wenn eine riesige oder sehr kraftvolle (meist barrelnde) Welle sich direkt vor dir zu entladen droht. Und eine Turtle Roll oder ein Duck Dive kaum zu realisieren sind, weil du damit nicht tief genug unter der Waschmaschine abtauchen kannst. Achte in diesem Notfall aber trotzdem drauf, dass kein anderer Surfer unmittelbar hinter dir ist.


2. Duck Dive lernen: Die häufigsten Fehler

Vielleicht hast du schon das ein oder andere Mal den Duck Dive probiert, doch irgendwie geht er immer schief. Woran kann das liegen? Es gibt ein paar klassische Fehler, mit denen du dir duckdiven unnötig schwer machst.

2.1 Duck Dive Fehler Nummer 1: Du lässt die Augen zu

Beim Duck Dive ist es wie beim Autofahren: Mit geschlossenen Augen sieht man nicht, wohin es geht. Lass also beim Duckdiven möglichst die Augen auf! So erkennst du, wo die Waschmaschine oder die Weißwasser-Bubbles hinrollen und kannst ausweichen. Gelingt dir das nicht, dann weißt du mit offenen Augen zumindest, was als nächstes passiert. Und kannst ohne Panik abschätzen, wie lange es dauern wird, bis du wieder an die Oberfläche kommst.

Duckdive Augen aufEr hat die Augen auf, aber könnte besser atmen (The World is Mine by Aristocrats-hat, CC BY 2.0)

Ich mache meine Augen beim Duck Dive fast immer auf. Natürlich ist das manchmal etwas unangenehm, zum Beispiel bei aufgewirbeltem Sand oder dreckigem Wasser. Doch selbst dann sieht man mehr als mit geschlossenen Augen. Für diejenigen unter euch mit Sehschwäche: Ich kenne einige Surfer, die selbst mit Kontaktlinsen beim duckdiven die Augen öffnen. Eigene Erfahrungen habe ich damit allerdings noch nicht gemacht. Aber vielleicht einfach mal ausprobieren!

Duckdiven wird für jeden irgendwann zu einem der schönsten Dinge am Surfen. Sobald du eine Welle von unten gesehen hast, wirst du den Anblick immer wieder suchen! Ich freue mich mittlerweile auf jeden Duck Dive fast genauso sehr wie auf das Surfen an sich! Klingt bescheuert, ist aber so. Weil mich die Wellenenergie, der man unter Wasser sehr nahe kommt, so fasziniert.

2.2 Duck Dive Fehler Nummer 2: Du atmest nicht richtig

Denk an einen Bodybuilder. Beim größten Kraftverbrauch, also beim Hochdrücken des Gewichts, atmet er aus. Nach diesem Prinzip betreibst du eigentlich jeden Sport: Bei Anstrengung ausatmen und nach Anstrengung wieder einatmen. Beim Duck Dive funktioniert es genau so. Vor dem Abtauchen einatmen, unter Wasser ausatmen und wieder einatmen, sobald du hinter der Welle aufgetaucht bist. Klingt simpel, doch man kann trotzdem eine Menge falsch machen.

Ein klassischer Fehler ist das Hamstern von Luft. In den wenigen Millisekunden bis zum Aufprall der Welle und kurz vor dem Duck Dive versuchen manche Surfer, massig viel Luft durch den Mund einzuatmen und diese – noch schlimmer – in den Backen zu speichern. Dabei geht zu viel Zeit verloren, während man gleichzeitig mit aller Kraft versucht, sein Brett unter Wasser zu drücken. Atme lieber durch die Nase ein! So bleibst du entspannt und baust keinen unnötigen Druck im Kopf auf.

Duck Dive lernen: Luft holenLuft hamstern & Sparatmung sind Duck Dive No Gos (Foto „this feeling“ by Chris Kuga, used under CC BY 2.0 with filter)

Genauso falsch ist das Luftanhalten unter Wasser. Bei der sogenannten Sparatmung wird eingeatmet, die Luft unter Wasser angehalten, um dann beim Auftauchen auszuatmen. Unter Wasser ist das nicht hilfreich bzw. verschafft dir nicht mehr Zeit, da unsere Lunge wie ein Auftriebskörper funktioniert. Mit enorm gefüllter Lunge kommst du also nicht tief genug bzw. überhaupt schwerer unter Wasser.

Hol kurz vorm Duckdive einfach Luft, und atme unter Wasser nicht zu lange aus. Einfach langsam ausatmen und beim Auftauchen wieder einatmen. So entsteht zwischen Einatmen und Ausatmen nur eine kleine Pause. Das ist unser natürlicher Atemrhythmus, den wir auch Unterwasser einhalten sollten.

2.3 Duck Dive Fehler Nummer 3: Dein Timing stimmt nicht

Jetzt kommt der Teil beim Duck Dive, der leider größtenteils auf Erfahrung beruht: Zu wissen, wann man sein Brett unter Wasser drückt, wie lange und wie tief, ist wohl das Schwierigste an der ganzen Materie. Dennoch gibt es ein paar Dinge, auf die man achten kann.

Der Duck Dive ist leichter zu vollziehen, wenn du mit voller Geschwindigkeit auf die heranrollende Welle zu paddelst und das Brett und dich herunterdrückst, kurz bevor das Weißwasser dich erreicht. Falls die Welle es zulässt und noch nicht gebrochen ist, versuche in das Face – also die ungebrochene Wellenwand – zu duckdiven. Denn ist die Welle erst einmal gebrochen, hat sich bereits die meiste Energie entladen – denn das passiert, sobald ihre Lippe auf das Wasser kracht. In dem Moment ist es am schwierigsten, unter der Welle hindurch zu tauchen. Du weißt es also entweder zu vermeiden, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, oder legst einen äußerst tiefen Duck Dive hin!

Duck Dive: Wellen Face

Timing ist alles: Hier wäre schnelles Paddeln und duckdiven durch das Face der Welle angesagt

Mit zunehmender Erfahrung kannst du Wellen besser einschätzen, also wann der Impact kommt und du zum Duck Dive ansetzen solltest. Du merkst, dass die Welle schon bricht, bevor du sie erreichst? Dann verringere deine Paddelgeschwindigkeit, um durch die gebrochene Welle zu tauchen. Oder erreichst du die ungebrochene Welle? Dann duckdive möglichst durch ihr Face.


3. Duck Dive Technik: So geht’s wirklich

Natürlich hängt die Schwierigkeit des Duck Dive – neben den vermeidbaren Fehlern – auch immer von der Größe und Kraft der Wellen ab. In kleineren Wellen ist es einfacher, die Kontrolle zu behalten. Doch auch sie können einen ordentlich waschen! Wichtig ist auf jeden Fall, dass du die richtige Duck Dive Technik beherrschst! Eine sehr gute Kurzzusammenfassung liefert dieses Video.

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3.1 Duck Dive Lernen in 6 Schritten

Die folgenden Schritte sollen dir bei der eigentlichen Ausführung des Duck Dive helfen, wenn du kurz vorm Abtauchen bist. Greife mit beiden Händen auf Brusthöhe an die Rails deines Surfboards. Atme tief durch die Nase ein und in den Bauch, nicht in die Backen! Öffne möglichst die Augen.

Schritt 1: All dein Gewicht sollte sich in deinen Oberkörper verlagern. Also nach vorne gelehnt und in Richtung Schultern. Drücke dann die Nose deine Brettes als erstes nach unten.

Schritt 2: Drücke nun mit deinem Knie auf die Mitte deines Surfboards. Nutze zum Drücken das Knie, das dir lieber ist –  meistens das Knie des hinteren Fußes, an dem die Leash befestigt ist. Der andere Fuß geht von der Hüfte aus nach oben und sollte gestreckt sein. Das verhilft dir zu extra Schwung.

Schritt 3: Gleichzeitig streckst du beide Arme, die das Rail umgreifen, mit Brett nach unten aus. Sie sollten beim Abtauchen vollständig gestreckt sein.

Duck Dive lernen: Ab durch die Mitte

Duck Dive kurz vorm Absenken des gesamten Körpers

Schritt 4: Das Bein, mit dessen Knie du gegen das Brett gedrückt hast, ist jetzt unter Wasser auch gestreckt. Das heisst, du gehst beim Abtauchen vom angewinkelten Bein in ein gestrecktes Bein über. Erzeuge durch ruckartiges Drücken, mit der Kraft aus dem Bein kommend, den nötigen Push, um dein Brett noch tiefer unter Wasser zu bekommen. Deine Zehen sind dabei auf dem Tailpad. Du kannst dir sogar die Erhöhung des Tailpads zunutze machen und deine Zehen dagegen stützen, sodass du nicht nach hinten abrutschst. Zu diesem Zeitpunkt sollte dein Brett nun parallel zur Wasseroberfläche unter Wasser sein.

Schritt 5: Nutze den Schwung, den du bei diesen Bewegungen generierst, um dich gleichzeitig mit unter Wasser zu ziehen. Dein Brett und dein Körper sind nun vollständig unter Wasser.

Schritt 6: Nimm unter Wasser deine normale Position auf dem Brett ein und versuche je nach Sicht, unter dem Weisswasser hindurch zu steuern und hinter der Welle aufzutauchen. Die Position, in der du wieder nach oben kommst, sollte deine Paddelposition sein – sodass du gleich weiterpaddeln kannst, ohne nachkorrigieren zu müssen.

3.2 Duck Dive Lernen durch viel Übung

Das Gute an der ganzen Duck Dive Problematik ist: Üben kannst du immer! In egal welchen Conditions, und sogar wenn es flat ist! In meinen Anfängen habe ich an zu großen Tagen immer den Duck Dive geübt. Oft einfach nur, um der Frustration des Nicht-Surfens zu trotzen. Ich bin also ins Weisswasser gegangen und habe so viele Duck Dives wie nur möglich hintereinander gemacht, die Technik geübt und versucht, mein Timing zu verbessern. Sehr anstrengend, aber ein super Training!

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Üben im Pool finde ich eher ineffizient, da du dort den Gegenstrom und den Druck des Wassers nicht hast. Im Chlorwasser die Augen zu öffnen brennt und ist nicht gut für die Bindehaut, ein Problem das du im Salzwasser kaum hast. Du solltest nur dann im Pool an der Duck Dive Technik feilen, wenn wirklich kein Meer vorhanden ist. Das obige Duck Dive Tutorial Video ist zwar im Pool entstanden – aber so ausführlich und gut, dass ich es dir trotzdem nicht vorenthalten will 🙂

Ich hoffe, ich konnte dir beim Lösen des Duck Dive Dilemma etwas helfen! Falls du weitere Fragen zu dem Thema hast, schreibe mir einen Kommentar oder eine Mail –  ich stehe gern Rede und Antwort 🙂

Janine Reith in PortugalJanine Reith ist passionierte Surferin und Surf-Journalistin, die für ihren Beruf zu den schönsten Surf Spots der Welt reisen kann. Sie hält ihre Erlebnisse auf Instagram, Facebook und Twitter fest. Außerdem betreibt die blonde Innsbruckerin einen tollen Youtube-Channel mit Surftechnik-Tutorials, generellen Tipps & Tricks zum Wellenreiten sowie Berichten aus ihrem Leben und über ihre Surfreisen. 

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