Digitale Nomaden: Die besten Orte zum Surfen und Arbeiten

by Christian
Digitale Nomaden - On the Road

Hallo, ich bin Christian von meerdavon und lebe meinen Traum! Seit Mitte 2016 reise ich mit Heidi zum Arbeiten und Surfen an die schönsten Orten der Welt. Im Volksmund würde man uns wahrscheinlich als digitale Nomaden mit Surfbrett bezeichnen. Als Ex-Hamburger ist so ein Leben schon derbe nice, hat aber auch Schattenseiten: Du bist von Surfurlaubern umgeben, doch musst genauso ranklotzen wie zu Hause im Büro. Surfen gibt’s in der Woche nur, wenn du früh aufstehst oder den Feierabend pünktlich hinbekommst. Und viele Orte fallen mangels Wifi von vorn herein aus.

Doch nicht nur das Internet ist wichtig. Ein Zimmer im Hotel oder Surfcamp reicht nicht aus, sobald du länger an einem Ort bleiben und arbeiten willst. Sie sind für digitale Nomaden zu teuer und bieten meistens nicht die zum Arbeiten nötige Umgebung. Wir sind nun seit einem Jahr non-stop auf Reisen. Zeit für ein Resümeé und ein paar Empfehlungen: Welche Orte sind für digitale Nomaden, die am Meer surfen und arbeiten wollen, eigentlich attraktiv – und welche nicht?

1. Digitale Nomaden mit Surfboard – passt das zusammen?

Nach vielen Besuchen auf der DNX-Konferenz und regelmäßigem Austausch mit anderen Langzeitreisenden hatte sich das Bild für uns gefestigt: Ja, wir sind digitale Nomaden und wollen diesen Lifestyle als Surfer verfolgen. So arbeiteten wir bereits seit Jahren daran, reisetaugliche Business-Ideen aufzubauen, und zogen vor einem Jahr los. Auf unserer Weltreise standen einige spannende Ziele…

1.1 Was sind eigentlich digitale Nomaden?

Digitale Nomaden arbeiten nicht im Büro, sondern ortsunabhängig von überall auf der Welt. Möglich machen es Online-Geschäftsmodelle bzw. Jobs zum Reisen und Surfen, die man sich selbst schafft. Damit sind digitale Nomaden zwangsläufig anders unterwegs als temporär Reisende auf Urlaub oder Sabbatical – denn es stellen sich andere Anforderungen an Dinge wie Visa und die Standorte, an denen sie sein sein wollen.

Der durchschnittliche digitale Nomade ist heute allerdings kein Backpacker mehr. Schnelles Reisen mit Handgepäck und 3-Tages-Stopps bis zum Weiterflug gehören der Vergangenheit an. Viele reisen mit mehr als der Minimal-Ausstattung und teilweise sogar als Familie, um an Orten zu leben, wo andere Urlaub machen. Längst geht es nicht mehr nur um Stempel im Reisepass, sondern vielmehr um die Balance zwischen Abenteuer und Routine. Wir wollen Neues erleben, doch unterwegs auch Ankommen können. Anstelle Attraktionen abzuhaken möchten wir „Locals auf Zeit“ sein.

Wir sind keine Getriebenen, wie die Boulevard-Presse uns manchmal abstempeln will. Sondern moderne Selbstständige, die Chancen nutzen und das Leben beim Schopfe packen. Wir sind Weltbürger mit Freunden, Nachbarn und Stammrestaurants an verschiedenen Orten.

Als digitale Nomaden mit Surfboards lieben wir Slow Travelling mit genug Zeit, um uns an neuen Orten einzuleben, Surf Spots kennenzulernen und trotzdem produktiv zu sein. Nur so ist das Modell langfristig „gesund“ und fühlt sich nicht zu hektisch an. In unserem Fall liegt ein Aufenthalt irgendwo zwischen 4 und 8 Wochen pro Standort, gerne länger. Alles darunter ist Stress!

Digitale Nomaden - Arbeiten und Surfen

Einer unserer Arbeitsplätze unter Palmen

1.2 Was für surfende Digitale Nomaden an einem Ort wichtig ist

Sogar prominente digitale Nomaden wie Conni Biesalski haben Surfen für sich entdeckt. Doch online arbeiten mit guten Wellen vor der Tür – wo geht das am besten? Für eine Liste an geeigneten Orten müssen zunächst relevante Kriterien her. Surfen ist für uns Lifestyle und der beste Sport der Welt. Darum zieht es uns immer ans Meer und ich kann nicht über klassische Hot Spots für digitale Nomaden wie Chiang Mai (Thailand) oder Medellín (Kolumbien) berichten. Sie haben sicherlich ihre Reize, kommen für uns Surfer aber nicht in Frage. Nur selten gehen wir einen „Landlocked-Kompromiss“ ein, weil z.B. eine Stadt verlockend ist und auf dem Weg liegt. Montreal in Kanada ist so ein Beispiel, wo man sogar surfen kann. Als surfende digitale Nomaden suchen wir Orte nach diesen Kriterien aus.

(1) Gute Wellen

Für klassische digitale Nomaden sind die Nähe zum Wasser und gute Wellen vermutlich kein Muss, für Surfer aber essenziell. Nicht überall sind Wellen das ganze Jahr surfbar. An anderen Orten schon, dafür sitzen dort 100 oder mehr Menschen im Lineup. Deshalb ist „The Search“ für uns mehr als nur ein Schlagwort. Wir suchen nach Orten mit konsistenten Wellen, die nicht zu überfüllt sind.

(2) Wohnmöglichkeiten

Natürlich sind 2 Wochen Urlaub in einem Surfcamp wie in Costa Rica, wo die luftigen Zimmer nicht mal Wände haben, eine feine Sache. Für einen Urlaub, doch den machen wir nur selten. Stattdessen leben wir unseren Alltag an unterschiedlichen Orten, ohne nach ein paar Wochen Abenteuer in die Heimat zurückzukommen. Deshalb brauchen wir Wohnmöglichkeiten, die als „Zuhause auf Zeit“ funktionieren. In AirBnbs kommen wir dem Gefühl sehr nahe! Denn im Gegensatz zu Camps oder Hotelzimmern bieten sie eine Küche und Wohnraum. All das muss natürlich bezahlbar sein.

(3) Einkaufs- und Kulturangebot

Ich liebe Mie Goreng (gebratene Nudeln)! Trotzdem will ich mich nicht 4 Wochen ausschliesslich davon ernähren. Deshalb sind Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, Haushaltssachen und vielleicht Klamotten schön. Ebenfalls wichtig ist die Surfinfrastruktur: Bekomme ich vor Ort Ersatz, falls eine Finne abbricht oder die Leash reisst? Oder muss ich alles mitbringen (= Gewicht = schlecht)? Und gibt es eine Ding-Repair? Außerdem freuen wir uns über ein buntes Kulturangebot, um viel erleben zu können. Das ist zwar kein Muss, aber definitiv ein Plus.

So sieht mein Mie-Goreng Gesicht aus!

So sieht mein Mie-Goreng Gesicht aus! (Foto: Teardrop Surf)

(4) Arbeitsplatz & Internet

Digitale Nomaden schaffen wie andere Menschen auch, bloß woanders. Also muss genug Platz zum arbeiten als auch stabiles Internet vorhanden sein, um online die „Brötchen“ zu verdienen und zu telefonieren. Ohne Internet (über einen längeren Zeitraum) wären unsere Jobs quasi unmöglich. Internet muss jedoch nicht heissen, dass es eine Glasfaser-Leitung sein muss. Ich habe gelernt, dass stabiles und zuverlässiges Internet in 3G-Geschwindigkeit ausreicht. Zusatzkriterium sind Datenlimits, die sowohl bei Wohnungen (WiFi), also auch SIM-Karten relevant sind.

(5) Bequeme und günstige Anreise

Wir reisen als digitale Nomaden mit Surfbrettern und gewissen Zeitdruck, da unnötige Reisetage uns Arbeitszeit kosten. Deshalb sind Reisen von A nach B, die 3 Tage dauern, nicht unbedingt unser Ziel. Trotzdem ist uns genau so ein vermeintlich „günstiger“ Höllentrip von Indonesien nach Kanada mit Zwischenstopps in Malaysia und China passiert. Abgesehen von der Reisedauer fließen die Strecken vom und zum Flughafen in unsere Reisepläne ein, genauso wie die Infrastruktur vor Ort. Komme ich mit Fahrer, Taxi oder Öffis schnell zum Airport? Nimmt die kleine Airline überhaupt Surfbretter mit und was kostet uns das an Boardbag-Fees?

(6) Moderate Lebenshaltungskosten

Digitale Nomaden sind weder reich noch arm. Sie verdienen „ganz normales“ Geld und müssen damit genauso haushalten wie andere Menschen auch. Wir sparen uns zwar laufende Kosten wie Auto-Versicherung und Fitness-Studio-Mitgliedschaft, doch AirBnBs und Mietwagen können deutlich über dem üblichen Niveau liegen. Trotzdem möchten wir auch gerne mal zur Massage, zum Frisör oder Essen gehen. Ist ein Ort besonders teuer, darf der nächste wieder günstiger sein. Ebenfalls teuer kann es werden, wenn im Ausland etwas passiert. Deswegen reisen wir natürlich mit einer guten Auslandskrankenversicherung und einer Haftpflichtversicherung für digitale Nomaden.

(7) Mobilität

Mobilität ist wichtig, denn das Leben findet für digitale Nomaden draussen statt. Wir müssen einkaufen, zu Surfspots fahren und die Gegend erkunden. Aber wie? Früher hatte man ein Auto, ein Fahrrad oder die Bahn. Was aber, wenn deine schöne AirBnB-Wohnung mitten im Dschungel liegt oder nicht alles in Laufreichweite ist? Wir planen bei der Ortswahl immer Kosten und Möglichkeiten für Mobilität ein, z.B. Roller, Auto, Fahrrad, öffentliche Verkehrsmittel, Taxis, Tuk Tuks oder Uber.


2. Unsere Top 5 Orte für digitale Nomaden, die surfen wollen

Wir haben schon viele Ecken dieser Erde bereist, aber längst nicht alle. Die folgende Auswahl ist daher eine subjektive Meinung basierend auf unseren bisherigen Erfahrungen. Wenn du weitere Tipps hast, dann schreib diese gern in die Kommentare. So wird die Liste erweitert, ergänzt und verbessert 🙂

2.1 Byron Bay, Australien: Top für surfende digitale Nomaden

Ja, Byron Bay ist ein bekanntes Surfer Mekka und voll mit jungen, feierfreudigen Touristen. Doch in den nahen Hinterlands liegen malerische Vororte, in die sich Locals und Entspannungssuchende zurückziehen können, ohne den Kontakt zum Meer zu verlieren. Wir hatten ein AirBnB in Mullumbimby, das mit dem Mietwagen 20 Minuten von Byron Bay entfernt war. Da sind die innerstädtischen Wege in Deutschland manchmal deutlich länger. Wie der Australier sagen würde: „Byron Bay is ticking all the boxes“ und für mich Nummer 1 in diesem Ranking. Viel Sonne, warme Temperaturen und entspannte Menschen gepaart mit atemberaubender Natur! Noch dazu sind die Verbindungen von und nach Asien hervorragend und recht günstig.

(1) AirBnB-Wohnung in Mullumbimby, (2) Surfer in Brunswick Heads, (3) Co-Worker im Café Combi, (4) Tallows Beach

Warum Byron Bay zum Surfen und Arbeiten toll ist

Byron Bay lockt digitale Nomaden mit westlichen Standards: Schnelles Internet, super Infrastruktur und Geschäfte für alle Annehmlichkeiten an jeder Ecke. Natürlich ist Australien teuer, doch in Hamburg oder München ist das Leben auch nicht gerade günstig. Obwohl die Lineups voll sind, gab es genug Wellen zum Surfen. Wir waren im Februar – zum australischen Sommerende – in Byron und hatten nie chaotisch-überfüllte Lineups wie z.B. auf Bali. Das durchschnittliche Surflevel ist hoch und die meisten Menschen wissen, was sie mit dem Surfbrett anfangen.

Erstaunlich günstig war der Mietwagen: Inklusive aller Gebühren und Versicherungen bezahlten wir für bei Billiger Mietwagen für einen nagelneuen Toyota Corolla weniger als 18€ am Tag. Selbst ohne extra Buchung ist jedes Auto versichert; damit zahlt man je nach Modell und Anbieter bei Totalschaden oder Diebstahl 1.500 bis 3.000€. Eine Reduktion dieser Selbstbeteiligung kostet natürlich mehr. Für uns ein absolut kalkulierbares Risiko, das den Preis ordentlich gedrückt hat. In Kanada oder in den USA ist das völlig anders und ein Mietwagen verdammt teuer (später mehr dazu) – in Australien hingegen machbar.

Womit du in Byron Bay rechnen musst

Das Kostennivau für Essen und Trinken war insgesamt ok, teilweise sogar günstiger als in Deutschland. Der Wechselkurs hat uns ausserdem in die Hände gespielt. Es gibt in Supermärkten alles zu vertretbaren Preisen, besonders frisches Obst ist sehr günstig. Die von Touristen gern verbreiteten Gerüchte, dass alles unbezahlbar sei, beziehen sich in erster Linie auf Restaurants. Denn Arbeitskräfte und Alkohol sind sehr teuer in Australien! Sei einfach kreativ: Koche selbst, gehe zum Frühstück und Mittag aus (viel billiger als abends) und kaufe das After-Surf-Bier im relativ günstigen 20- oder 30er-Pack im Liquor Store.


2.2  West Java, Indonesien: Für digitale Nomaden im Dschungelfieber

Ganz anders als Australien ist West-Java in Indonesien. Achtung: Ich meine explizit Java, und nicht Bali! Denn Indonesien mit Bali gleichzusetzen ist ungefähr so, als würde man New York City als repräsentativ für die USA erachten. West-Java bietet viele kleine Surf-Orte, die gefunden werden müssen. Auf Namen verzichte ich an dieser Stelle bewusst, denn die muss jeder selbst herausfinden.

(1) Dorf-Idylle in West Java, (2) Point-Wellen, (3) Shopping mit der Crew, (4) Weg durch den Dschungel

Warum West Java zum Surfen und Arbeiten toll ist

Hinsichtlich westlicher Annehmlichkeiten ist West Java zwar nicht mit Bali und Australien zu vergleichen, doch die super Wellen und leeren Lineups kompensieren so einiges. Die findest du in zahlreichen kleinen Dörfern an der Küste. Ein Ort, nämlich Yogjakarta, sei trotzdem erwähnt. In dem Hotspot mit Tempeln, Hipster-Restaurants und klingelnden Riksha-Fahrern lebst du bei ähnlichem Standard wie auf Bali – zahlst aber nur einen Bruchteil des Geldes. Wir werden beim nächsten Besuch ein paar Tage mehr für „Yogja“ einplanen.

Von Yogjakarta aus gesehen liegen gen Westen entlang der Südküste viele kleine Orte mit netten Menschen, dem besten Indo-Food und schönen Homestays. Auch auf verrückte Dinge wie Karaoke-Restaurants zum Mittagessen wirst du stoßen. Einige der Küstendörfer sind für indonesische Verhältnisse schon gut erschlossen, d.h. mit asphaltierten Strassen, Mini-Märkten und Unterkünften. Selbst die Netzabdeckung ist bei der Fahrt durch den Dschungel erstaunlich gut. Das Internet wechselt zwischen 3G und LTE Geschwindigkeit!

Womit du in West Java rechnen musst

Java wäre vielleicht sogar auf meinem ersten Platz für digitale Nomaden gelandet, wenn die folgenden Dinge nicht wären. Erstens: Die Wege sind weit. Eine Busfahrt von 6 bis 10 Stunden ist normal, um vom Flughafen zum Surf-Dorf zu kommen. Bist du dann aber dort, erwarten dich fast leere Lineups und perfekte Point- und Riff-Wellen. Vor Ort bewegst du dich mit einem Roller für ca. 3,50 € pro Tag. AirBnBs oder Homestays mit Küche gibt es ebenso wie Mini-Märkte mit allem, was das Frische-Früchte-Herz begehrt. Soll es mal deftiger sein, dann findest du alle Zutaten für Mie Goreng und Nasi Goreng. Oder du holst dir alles schon fertig zubereitet von den lokalen Garküchen.

Zweitens: Es gibt zwar stabiles Internet zum arbeiten, in den meisten Gegenden aber nur mit 3G-Geschwindigkeit. Das verlangsamt einige Arbeitsschritte, doch man bekommt den Alltag trotzdem gestemmt. Nahezu keine Wohnung besitzt WiFi oder Kabel-Internet. Du bist also auf SIM-Karten und WLAN-Router angewiesen – wir nutzen den hier. In 30 Tagen haben wir 14 SIM-Karten mit je 5 GB 3G-Datenvolumen verbraucht, und das ohne Extravaganzen wie Dropbox, Streaming oder automatische Updates. Eine neue SIM-Karte kostet etwa 6-7€ und wird ohne Registrierung verkauft. Aufladen von Datenvolumen kostet etwas mehr.


2.3 Tofino, Kanada: Für digitale Nomaden mit Surf- und Wander Faible

Tofino auf Vancouver Island ist die perfekte Mischung aus Natur, relativ leeren Wellen und einer sehr freundlichen Surf-Community ohne Localism. Von Vancouver oder Victoria ist man mit der Fähre und einem Auto in 4 bis 6 Stunden dort und findet ein kleines Kaltwasser-Paradies für digitale Nomaden!

(1) Tofino von oben, (2) Kaltwasser-Surffreuden, (3) Einsamer Beach

Warum Tofino toll zum Surfen und Arbeiten ist

Die Surfspots in Tofino sind einigermaßen konsistent und es gibt genug Auswahl für alle Bedingungen. In vier Wochen im Mai hatten wir fast immer surfbare Bedingungen und sogar ein paar Weltklasse-Tage dabei. Nicht umsonst finden hier auch internationale Contests statt! Was „Tuff-City“ aber einzigartig macht, ist die allgegenwärtige wilde Natur. Ich staunte nicht schlecht, als ich auf dem Weg zum Surfen das erste Mal einen Bären über die Strasse laufen und im Lineup eine Wal-Fontäne in die Luft steigen sah!

Noch dazu kann man hier prima arbeiten. Auf gerade mal 2000 Einwohner kommen 400 Business Lizenzen und machen Tuff-City zur echten Unternehmerstadt! Viele junge Menschen und kreative Geister haben hier ihren Happy Place gefunden, den sie sich mit Jobs oder einem eigenen Business am Meer selbst erschufen. Das kleine Tofino ist gefüllt mit allen erdenklichen Arten von Unternehmen und inspirierenden Menschen. Brauerei, Kaffee-Rösterei, Surf Künstler? Check! Gut gefüllte Surfshops, Cafés, All-Female Surfschule und Wassertaxi? Double Check! Tofino hat sogar zwei Airlines mit Wasserflugzeugen, die dir Vancouver Island von oben zeigen – unbedingt buchen, wenn du dort bist. In einer so kleinen Community knüpfst du schnell viele Kontakte und lernst Menschen kennen, die neugierig, erfinderisch und sehr hilfsbereit sind. Und dich mit neuen Idee „anfüttern“ werden!

(1) Traum von einem Highway (2) meine Cabin mit pelzigem Co-Worker, (3) Lohn nach getaner Arbeit

Was du über Tofino wissen musst

Tofino ist sehr teuer. Das fängt bereits beim Mietwagen an. Zwar findest du über BilligerMietwagen auf den ersten Blick bezahlbare Autos für 18-25€ am Tag, doch sie sind komplett unversichert und du zahlst schnell über 25.000€ im Verlustfall. Eine Versicherung kostet pro Tag ungefähr nochmal genauso viel wie das Auto selbst. Damit kannst du pro Monat etwa 1.000€ nur für den Mietwagen einplanen – oder gleich ein Auto kaufen. Letzteres lohnt sich aber erst bei einem längeren Aufenthalt und kann versteckte Reparaturkosten bedeuten.

Ist das Auto da, steht die nächste Herausforderung an: Eine bezahlbare und verfügbare Wohnung zu finden, was nicht mal Locals auf Anhieb gelingt. Es macht Sinn, die Unterkunftsfrage für Tofino mindestens 6 Monate im Voraus zu klären und mit etwa 2.000€ Monatsbudget zu rechnen, falls es nicht der Campingplatz sein soll. Kleine WG-Zimmer findet man nur mit Kontakten und Wohnungsnot ist allgegenwärtig. Fast jedes Privathaus vermietet die Gartenlaube für viel Geld oder lässt Surfer den Stellplatz für Auto oder Van bezahlen.

Hast du ein Zimmer ergattert, darfst du dich über superschnelles und unlimitiertes Internet freuen. Tofino bietet mit dem Rhino Coffee House zwar ein Café zum arbeiten. Die meiste Zeit wirst du hier jedoch vergebens auf einen Platz warten. Achte deswegen bei der Wohnungssuche unbedingt auf einen Tisch mit bequemem Arbeitsstuhl. Und vielleicht will ja bald jemand in Tuff-City einen Coworking-Space eröffnen…?


2.4 Lissabon, Portugal: Sicherer Hafen für digitale Nomaden

Die Gegend um Lissabon bietet alles, was surfende digitale Nomaden brauchen. Günstige Lebenshaltungskosten, moderne Infrastruktur und viele ganzjährig surfbare Wellen in unmittelbarer Nähe – zum Beispiel in Ericeira (ca. 1 Stunde entfernt) oder Peniche und Baleal (ca. 1,5-2 Stunden entfernt). In der portugiesischen Hauptstadt gibt es sogar gute Coworking-Spaces speziell für Surfer, wie z.B. das Surf Office!

(1) Blick auf Alfama in Lissabon, (2) Ausblick in Baleal, (3) Surffreuden in Baleal

Warum Lissabon toll zum Surfen und Arbeiten ist

Portugal ist für surfende digitale Nomaden eigentlich ein perfekter Einstiegsort. Weder die Zeitzone, noch begrenztes Internet oder überteuerte Preise machen Probleme. Von Deutschland kann man schon für ca. 70€ nach Lissabon fliegen. Einfacher geht´ s kaum! In Lissabon angekommen bewegst du dich entweder mit der U-Bahn direkt vom Flughafen in die Stadt oder mietest dir supergünstig ein Auto. Das deutsche Internet funktioniert dank der EU-weiten Vereinheitlichung und Abschaffung der Roaming-Gebühren auch in Portugal!

Was du über Lissabon wissen musst

Lissabon ist zwar direkt am Meer, allerdings eignen sich die Stadtstrände nur selten zum surfen. Die guten Spots findest du entlang der Küste, wenn du dich z.B. gen Norden nach Ericeira oder Peniche / Baleal bewegst. Diese Orte können zwar in ein bis zwei Stunden problemlos mit dem Bus erreicht werden. Für einen schnellen Surf nach der Arbeit in deinem Lissaboner Office ist das aber vermutlich doch etwas zu weit. Natürlich kannst du auch direkt in den kleinen Küstenorten wohnen, dort ist das kulturelle Angebot aber begrenzt. Um ein paar Spots abzufahren, benötigst du auf jeden Fall ein Auto!

Dazu kommt, dass das Wasser kalt ist und du ganzjährig einen Neo brauchst. Als Kanada-Fans kann uns das natürlich nicht abschrecken, und deshalb bleiben wir Portugal treu. Einen ausführlichen Bericht über Surfen in Lissabon und Umgebung hatten wir hier schonmal geschrieben.


2.5 Bali, Indonesien: Asiens Hub für digitale Surfnomaden

Bali muss man für digitale Nomaden eigentlich nicht mehr erklären. Die beliebteste Insel Indonesiens zieht jährlich Millionen Touristen und Expats an, die die bunte Mischung aus stabiler, fast westlicher Infrastruktur, gutem Essen und günstigen Lebenshaltungskosten schätzen.

(1) Canggu Street Life, (2) Surf in Medewi, (3) Smoothie Bowl im Koi, (4) Co-Working im Dojo

Warum Bali toll zum Surfen und Arbeiten ist

Es gibt schnelles Internet, Co-Working Spaces (Ich war meist im Dojo), warmes Wasser mit traumhaften Wellen und leckeres Essen. Obendrein ist das alles recht günstig, sodass man mit 1000-1500€ pro Monat schon sehr gut auskommt. Wer sparen will, sollte sich eine Wohnung mit Kochmöglichkeit suchen und nicht drei Mal am Tag auswärts in teuren Hipster-Restaurants speisen. Alternativ ist der Gang zum lokalen Warung unbedingt zu empfehlen. Erwähnte ich schon, dass ich jeden Tag Mie Goreng essen könnte?

Was du über Bali wissen solltest

Bali bietet kaum noch authentisches Indonesien, wenn du dich ausschließlich in Hipster-Orten wie Canggu aufhältst. Vor allem ist es aber voll, sehr voll. Das süße Leben zieht junge Menschen aus aller Welt an, die für ausgiebige Yoga Sessions, nächtelange Parties, gutes Essen oder eben zum Surfen nach Bali kommen. Für 2 Wochen Urlaub mag das okay sein. Bist du allerdings länger auf Bali, dann lässt der anfängliche Zauber irgendwann nach und du siehst nur noch 100 Leute im Lineup sitzen, die deine Surf-Begeisterung schnell dämpfen. Zwar gibt es noch ein paar leerere Spots wie Medewi, allerdings fehlt dort die attraktive Infrastruktur von Canggu und Seminyak. Dann kannst du gleich eine Stunde weiterfahren und z.B. mit der Fähre nach Ost-Java übersetzen.

Mit den vielen Menschen kommt auch der Dreck. Auf Bali wird viel Abwasser ins Meer geleitet, was krank machen kann. Neben Sonnencreme solltest du dich daher mit Kohletabletten ausstatten, die du vor und nach dem Surfen nimmst. Trotzdem bleibt Bali für mich eine sichere Wahl für digitale Nomaden. Fast nirgends ist die Mischung aus luxuriösem Lifestyle, fantastischem Essen, günstigen Lebenshaltungskosten und guten Wellen so gut.


3. Tolle Orte zum Surfen, aber nicht zum online Arbeiten

Auf unserer Surf-Weltreise haben wir auch liebenswerte Orte kennengelernt, die wir zum Surfen, aber nicht zum Arbeiten empfehlen. Folgende Orte haben es darum nicht in unser Ranking geschafft.

3.1 San Diego, Kalifornien: Wunderschön, heftig teuer

San Diego ist eine traumhafte Stadt mit tollem Flair und in direkter Nähe zu vielen Surfspots an der kalifornischen Küste. Über das kalte Wasser und die Haie kann ich hinweg schauen, aber San Diego war mit Abstand der teuerste Ort von allen. Unter 2.500€  pro Monat gibt es kein anständiges Apartment. Und wenn, dann liegt es viele Kilometer weit weg vom Strand! Wohnen am Meer können sich in Cali nur die Rich Kids leisten. Dazu kommt ein teuer zu versicherndes Auto, was den Reisepreis weiter nach oben treibt. Für einen Roadtrip komme ich wieder, zum Leben und Arbeiten aber wohl nicht mehr. Und wegen Trump auch nicht!

3.2 Neuseeland: Extrem teures Internet

Auf Neuseeland hatte ich mich sehr gefreut. Endlose Weiten, Herr der Ringe-Kulissen und kräftige Wellen am Ende der Welt. So ähnlich war es dann auch. In meine Top 5 hat es Neuseeland mit Orten wie Mount Maunghanui und Raglan deshalb nicht geschafft, weil das Internet sehr begrenzt war. Flatrates gibt es auf der Insel nicht mal für einen Festanschluss in der Wohnung, weshalb wir bei normaler Nutzung nochmal ca. 100€ extra pro Monat zahlen mussten. Für Festnetz-DSL, wohlgemerkt! Willst du ausserhalb der Wohnung online sein, dann wird es mit SIM Karten nochmal deutlich teurer.

3.3 Lombok, Indonesien: Für Café-Nomaden

Die Lineups auf Lombok sind teilweise schon so voll wie auf Bali (vor allem die Gerupuk Inside), aber es ist insgesamt noch viel angenehmer. Leider gibt es nur bedingt stabiles Internet, und zwar nur in Kuta-Lombok. Ein paar Meter ausserhalb reisst das 3G-Netz schnell komplett ab. Weiter im Norden der Insel, in Mataram, hat der lokale Anbieter Telekomsel zwar einige LTE-Antennen installiert, von denen allerdings in Kuta-Lombok noch nichts ankommt. Wir mussten zum online arbeiten jeden Tag in ein Café gehen und dort zusätzliches Geld für Essen und Getränke ausgeben. Wer es dennoch ausprobieren möchte, dem empfehle ich das Ashtari (toller Ausblick) und das Milk Espresso (mit Klima-Raum).

Digitale Nomaden - Ashtari

Das Ashtari auf Lombok aka mein Büro

3.4 Siargao Island, Philippinen: Bei Sturm geht nix mehr

Siargao ist ein Traum und eine Insel der Extreme. Wir haben dort innerhalb eines ganzen Reisejahres die besten Wellen gesurft und gleichzeitig die schlechten Arbeitsbedingungen erlebt. Sobald es regnet oder etwas mehr Wind weht, ist das Internet für 2 Tage gar nicht zu gebrauchen. Mit etwas Glück reicht es, um den Facebook Stream kurz zu aktualisieren oder eine WhatsApp-Nachricht zu verschicken. Auch die Anreise ist sehr abenteuerlich. Regelmäßig drehen die kleinen Maschinen aus Cebu oder Manila wieder um, weil das Wetter nicht mitspielt. Siargao ist ein Traum für fortgeschrittene Surfer, aber leider nicht so richtig kalkulierbar – und damit nichts für Menschen, die produktiv sein wollen.

Bist du bereits digitaler Nomade und hast selbst Erfahrungen gemacht? Welche Orte sind deine Favoriten zum surfen und online arbeiten? Gerne rein damit in die Kommentare!

Titel-Foto: Teardrop Surf

You may also like

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.