Camper Roadtrip am Atlantik: Ein Mann, vier Räder und das Meer

by Emanuel
Camper Roadtrip Atlantik

Hi, ich bin Emanuel, 31 Jahre alt, Surfer und Hutmacher bei Mojak Headwear. Meine Heimat ist Süddeutschland: Die Berge sind in einer Stunde erreichbar und der nahe Bodensee ist im Sommer echt nicht schlecht. Lediglich die Wellen fehlen am sogenannten Schwäbischen Meer… Darum liebe ich einen guten Roadtrip mit meinem Campervan, hin zu den Surfspots am Atlantik.

Warum? Am Meer kann ich abschalten und ankommen. Schon als Kind buddelte ich im „großen Sandkasten“ an den Stränden Südfrankreichs. Nun entdecke ich die Atlantikküste immer wieder neu – mit meinem rollenden Heim auf vier Rädern. Heute hier, morgen dort. Viel Zeit am und im Wasser. Und oft ohne Internet: Kein E-Mails-Checken , kein Griff zum Handy. Einfach nur die Natur und ich!

In diesem Beitrag berichte ich von meinem letzten Roadtrip, der mich 3 Monate an der Küste von Frankreich, Spanien und Portugal entlang führte. Ich war zwar weg von Zuhause, doch so nah bei mir selbst wie schon lange nicht mehr! Lies hier, warum „Vanlife“ für mich mehr als ein Hashtag ist, und wie ich mir meine Auszeiten am Meer schaffe.

1. Camping is a Lifestyle: Warum jeder Roadtrip genial ist

Mensch Manu, warum willst du nicht mal nach Bali, Sri Lanka oder sonst wohin fliegen, wo es schön warm ist? Auf solche Fragen muss ich ehrlich antworten, dass ich mit tropisch-feuchtem Wetter, so reizvoll es sein mag, nicht klar komme. Ich finde es viel schöner, bei 23 Grad in meinen nassen Neoprenanzug zu schlüpfen und mir über Sonnenbrand keine Sorgen zu machen 😉 Und jeder Roadtrip im fahrenden Zuhause ist ein Abenteuer, das ich mir komplett selbst stricken kann.

1.1 Mit einem Camper schreibt man die besten Geschichten…

Jeder von uns hat doch als Jungspund mit Freunden gezeltet oder mit der Familie einen Roadtrip unternommen. Ein kleines Stück Wildnis im Alltag, das man sich schnell schaffen kann. In unseren Familienurlauben waren wir anfangs mit einem VW T1 unterwegs, bis er mit der Geburt meines Bruders zu klein wurde. Meine Eltern kauften sich einen VW LT28, und der wurde mir zum Führerschein vermacht. Mein erster eigener Van! Gerade ist er im Winterschlaf und wartet darauf, wieder voll restauriert und liebevoll hergerichtet zu werden – denn vor ein paar Jahren ist er fast abgebrannt.

Camper Roadtrip - VW T2Irgendjemand hatte unerklärlicherweise Benzin- und Wassertank verwechselt, und demnach falsch befüllt. Im Frühjahr checkte ich alles durch. Doch als ich den Gas-Kühlschrank starten wollte, passierte es: Wo Wassertank und Gasflasche standen, schoss eine Stichflamme hervor, und es brannte lichterloh! Zu allem Übel stand der Bus neben einem Raum, wo literweise hochentzündliches Zeug lagerte. Panisch schnappte ich den Feuerlöscher und konnte vor Eintreffen der Feuerwehr den Brand bezwingen. Alles gut gegangen, und unser kleiner Ort hatte eine Geschichte mehr zu erzählen. Mit meinem aktuellen Bus ist mir so etwas zum Glück noch nicht passiert 😉

1.2 Camping ist Freiheit in jeder Lebenslage

Wahrscheinlich bekam ich den Drang nach Natur von Kindesbeinen an mit. Als kleiner Bub war ich fast jeden Winter auf einer Berghütte, ohne fließend Wasser und Toilettenspülung, und Heizen oder Kochen ging nur mit ausreichend Holz. Im Sommer fuhr die Familie mit dem VW-Bus nach Frankreich. Noch heute faszinieren mich die Berge genauso wie das Meer. Nur kam das einfache Reisen zwischen Schule, Studium und dem Ernst des Lebens irgendwann etwas abhanden. Darum baue ich nun bewusst längere Roadtrips in mein Leben ein, klinke mich aus dem Alltag aus, und bin sofort wieder frei.

Camper Roadtrip - Manu von Mojak HeadwearAuch beruflich ist mir Freiheit wichtig: Frei sein zu tun was ich möchte, den Job auf Reisen mitzunehmen, mich selbst zu verwirklichen und Neues auszuprobieren. Ich will sehen wie weit ich komme, wenn ich meinen Ideen und Träume folge. Darum stecke ich neben meinem Angestelltenjob im Bereich Markenentwicklung und E-Commerce viel Zeit in meine Hutmarke Mojak. Außerdem arbeite ich als Freelancer an Design- und Markenprojekten und biete mit „Gründen & Meer“ einen Workshop für Menschen an, die ebenfalls nebenberuflich die Selbstständigkeit wagen wollen.

Bei dem Thema fällt mir immer eine Szene aus meiner Kindheit ein: Im Sommerurlaub in Frankreich hatte mein selbstständiger Vater einen Ordner voller Arbeit, Drucker und Nokia-Handy dabei. Bei 30 Grad saß er im Vorzelt, das zu einem kleinen Büro umfunktioniert wurde, und versuchte verzweifelt, ein Fax zu senden… Daran muss ich denken, wenn ich unterwegs selbst an den Rechner muss. Dann bin ich froh, dass mobiles arbeiten heutzutage ganz einfach geworden ist!

1.3 Mit dem Camper werden Surftrips erst richtig geil

Als kleines Kind fing ich in Frankreich mit Bodyboarden an, bis es mit 10 Jahren nicht mehr „cool“ war. Ich wollte unbedingt so ein tolles Surfbrett wie auf den Werbeplakaten haben. Also nervte ich meine Eltern, bis sie mir in Lacanau eins kauften – jedoch unter der Bedingung, es selbst zum Campingplatz zurückzuschleppen. Der war 12 Kilometer entfernt! Der Rückweg kam mir auf dem Fahrrad wie eine halbe Ewigkeit vor. Aber naja, für mein erstes eigenes Surfbrett biss ich die Zähne zusammen…

Zwischenzeitlich schlief meine Surfleidenschaft etwas ein. Zwar war ich gelegentlich ein paar Tage am Meer, aber fing stets wieder bei 0 an. Irgendwann verließ mich die Motivation. Doch 2016 loderte die Surfliebe wieder auf: Ich war zusammen mit Musiker Jules Ahoi in Frankreich, um Fotos für Mojak zu machen, und bekam anschließend einen richtig guten Surfkurs bei ihm. Danach war ich Feuer und Flamme, und reiste 2017 sogar nach Bali. Ins Warme, ich! Surfen lernen fand ich nach wie vor schwer, aber sah es als Herausforderung, besser zu werden.

Surf Roadtrip am AtlantikDiesen Sommer war ich bereit für den besten Roadtrip aller Zeiten: Alleine mit dem Camper für 3 Monate die Atlantikküste in Frankreich, Spanien und Portugal abfahren, um die Schönheit des Meeres ausgiebig zu genießen – mit allen wilden, stillen und rauen Seiten.


2. Vor dem Roadtrip: Ein wenig Planung muss sein

Vor dem Roadtrip hatte ich das Gefühl, einen längeren Tapetenwechsel zu brauchen, um zu meinen Wurzeln zurück zu finden. Oft dachte ich an meine Kindheit, als noch hinter jedem Baum ein Abenteuer lauerte. Und da ich gerne unabhängig bin, wollte ich lieber mit meinem Van losziehen, als ans andere Ende der Welt fliegen. Aber wie viel Zeit wäre gut? Und sollte ich die Idee umsetzen?

2.1 Reisezeit festlegen

Ganz pauschal lässt sich die Frage nach der nötigen Reisezeit nicht beantworten. Es kommt auf das Ziel der Reise an: Je weiter weg, je mehr du unterwegs lernen oder je intensiver du entspannen willst, desto mehr Zeit brauchst du. Ansonsten können 2 Wochen genauso viel Spaß machen wie mehrere Monate, nur sollten sie besser geplant werden – um die schönen Ecken schnell zu finden und nicht daran vorbei zu fahren. Ich wollte 3 Monate Zeit haben. Allein schon, um bis nach Portugal zu fahren, denn das dauert eine Weile. Für ein paar Wochen wäre die Strecke inklusive Benzin und Maut zu teuer und zu stressig gewesen. Außerdem wollte ich jeden Tag nur das machen, worauf ich Lust habe, mich treiben lassen und schauen, was passiert. Vor allem mit mir selbst!

Camper Roadtrip - EinsamkeitLetztlich waren die 3 Monate auch perfekt, um besser Surfen zu lernen. Vor dem Roadtrip stand ich immer nur sporadisch auf dem Brett, so dass mein Surflevel stagnierte – doch in der längeren Zeit unterwegs machte ich echte Fortschritte. Als Reisezeit pickte ich mir April bis Juni heraus, denn im Hochsommer wäre es mir zu heiß und voll gewesen. Ich mag es einsam und nehme dafür gern spanisches Regenwetter oder portugiesischen Nebel in Kauf. Allerdings hatte ich zu wenig warme Kleidung dabei und fühlte mich öfters mal wie Robinson Crusoe: Irgendwo verloren zwischen farnbewachsenen Wäldern und dem Meer. 

2.2 Chef überzeugen und Finanzierung angehen

Wer angestellt ist, muss für einen längeren Roadtrip erstmal raus aus dem Hamsterrad. Lange wussten nur ein paar Leute von meinem Plan und ich hängte ihn nicht an die große Glocke, bevor es konkret wurde – weil ich nicht wusste, wie begeistert mein Chef davon sein würde! Letztlich sagte ich ihm ehrlich, dass ich eine kleine Auszeit bräuchte und diesen Roadtrip gern machen will. Er reagierte sehr entspannt, wofür ich sehr dankbar war! So nahm ich 3 Monate unbezahlten Urlaub.

Roadtrip und Arbeiten im VanUnterwegs hatte ich mit meinen eigenen Projekten wie Mojak und Freelancer-Jobs ein kleines Nebeneinkommen, was mir sehr half. Natürlich war auch das mit meinem Chef abgesprochen. Schon seit einigen Jahren habe ich eigene Kunden im Bereich Design und Markenbildung. Und je freier du arbeitest, um so schwerer kannst du damit aufhören…

2.3 Camper organisieren und auf Vordermann bringen

Eigentlich habe ich zu Hause den alten VW-Bus stehen. Doch um ihn vor dem Roadtrip wieder fit zu bekommen, hätte ich mehr Zeit in der Werkstatt als am Meer verbracht. Daher wurde mein Alltagsauto der Reisebegleiter, den ich kurzerhand etwas umbaute.

Ein Campervan darf ein Gebrauchter sein

Hand aufs Herz: Eigentlich hab ich keinen wirklichen Plan von Autos und bin froh, wenn sie mich zuverlässig von den Bergen ans Meer und wieder zurück bringen. Und natürlich sind sie eine Preisfrage. Nachdem ich ewig nur alte Autos fuhr, entschied ich mich vor 2 Jahren für den gebrauchten Mercedes Viano. Dennoch war es verdammt viel Geld und ich überlegte lange. Ein Bekannter, der hauptberuflich alte Autos und Busse repariert, überzeugte mich schließlich, dass der Viano ein gutes Gefährt für meine Zwecke sei. Ich kann nur jedem raten, sich zum Kauf jemand Versierten mitzunehmen! Außerdem ist es gut, potenzielle Van-Kandidaten vorher in einer Werkstatt durchchecken zu lassen und selbst einmal zu fahren.

Camper Roadtrip: SelbstausbauVan selber ausbauen: Ja oder nein?

Ein fertig ausgebauter Campervan ist bequem, hat aber natürlich einen höheren Preis. Ich entschied mich für den Selbstausbau: Ein relativ schnelles Projekt, das ich an einem Wochenende zusammen mit einem Freund (Danke, Moritz!) und einem Kasten Bier über die Bühne brachte. Alles auf den letzten Drücker, denn kurz vor dem Roadtrip war ich noch in den winterlichen Bergen unterwegs gewesen. Der fertige Ausbau war dann recht spartanisch, aber funktional: Ein ausziehbares Bett mit einer superbequemen Matratze, eine große Klamottenkiste und mehrere Holzkisten als Stauraum. Außerdem ein kleiner Campingkocher – wobei ich eigentlich sehr kochfaul bin 😉

Camper Roadtrip - KochenVor der Abreise: Werkstatt-Check!

Falls nicht gerade der Kundendienst fällig war, sollten vor einem Roadtrip in der Werkstatt die wichtigsten Dinge überprüft werden: Bremsbeläge, Bremsflüssigkeit, Öl und so weiter. Hatte ich alles gemacht, und trotzdem kam ich mit quietschenden Bremsscheiben und einem kaputten Radlager (was eigentlich nie kaputt geht…) wieder nach Hause. Aber naja, das ist alles kleine Probleme.

Mit einem älteren Bus wie meinem VW LT28 ist unterwegs mit mehr Pannen zu rechnen. Ich hatte mit dem Oldie schon eine kaputte Benzinleitung auf dem Fernpass und einen Anlasser, der nur gelegentlich weiterfahren wollte und mich zwischendurch etliche Stunden festsetzte. Also neue Autos sind definitiv verlässlicher, aber alte Autos haben mehr Potential für gute Geschichten 😉

2.4 Roadtrip Route: Wie viel planen muss sein?

Bei diesem Roadtrip hatte ich fast nichts geplant und würde es wieder so machen. Ich fand Informationen vor Ort, tauschte mich mit anderen aus oder erkundete selber die Gegend. Sowieso hat jeder eine total subjektive Meinung, was schöne Orte oder Spots zum Surfen betrifft. Daher verpasst man viel, wenn man nicht seinen eigenen Weg geht. Außerdem wollte ich ja viel Surfen und das Meer richtet sich nie nach dir und deinem Terminkalender. Ohne großen Plan hast du die Freiheit dort zu sein, wo die Wellen sind, und kannst bei gutem Swell einfach bleiben. Selbst Freunde, die ich unterwegs traf, haben sich dieses Mal ausschließlich nach mir gerichtet 😉

Mein Motto ist weniger Planen, weniger sehen, und dafür den Ort oder die Region intensiver erkunden. Reisen ist kein Sport und auch kein Wettkampf. Und wer weniger plant und sich treiben lässt, hat die Chance, in ein Abenteuer zu geraten oder neue Freundschaften zu schließen!

Natürlich musste ich auch relativ wenig planen, weil mit Frankreich, Spanien und Portugal (siehe Galerie oben) quasi „alte Bekannte“ auf der Reiseroute standen. Klar sehe ich gern Neues, aber noch wichtiger ist, dass mir der Ort gefällt. Südfrankreich ist für mich ein Stück Kindheit und ich komme hier quasi jedes Mal wieder nach Hause. Der Geruch von Pinien, die leckeren Croissants und die Dünen bekomme ich niemals satt! Auch in Portugal bin ich gern, weil viele Ecken landschaftlich toll und sehr gut surfbar sind. Verliebt habe ich mich neu in das Land, auf dem eigentlich kein großer Fokus lag: Spanien. Trotz Regen genoss ich die Freundlichkeit der Menschen, die Ruhe und Einsamkeit und hatte obendrein die besten Wellen meines Lebens!

2.5 Essentials einpacken

Es gibt Dinge, die viele Camping-Freunde völlig unnötig mitschleppen. Für mich ist das zum Beispiel die Satellitenschüssel, die an den schönsten Plätzen erstmal ausgefahren wird, um dann das schlechte Fernsehprogramm anzusehen. Dabei reicht es doch, aus dem Fenster zu schauen oder vor die Türe zu gehen! Doch neben Surfboard und Neoprenanzug dürfen bei mir ein paar Sachen nicht fehlen:

Camper Roadtrip - Essentials


3. Auf dem Roadtrip: Drive, Surf, Eat… Sleep, Repeat

Ich mache alles auf den letzten Drücker. Diesmal wollte ich 3 Monate unterwegs sein und musste vorher entsprechend mehr organisieren. Dann war der Tag der Abfahrt plötzlich schnell da – im April ging’s los! Ziel: Das Meer. Anfangs war es durchaus ungewohnt, allein unterwegs zu sein, und ich fühlte mich gelegentlich einsam. Doch das gab sich mit der Zeit und ich genoss den Roadtrip mit mir selbst.

3.1 Road Captain: Immer der eigenen Nase entlang

Das Tolle am Alleinsein ist, dass du intensiv zum Nachdenken kommst, reflektierst und dich mit dir selbst beschäftigst! Wer bist du, was ist wichtig, was treibt dich an? Ich kann nur jedem empfehlen, den Alleingang einmal ausprobieren. Es müssen ja nicht gleich 3 Monate sein 😉

Camper Roadtrip - ParkenJedenfalls fühlte ich mich so allein mit meinem Van ab einem gewissen Punkt unglaublich frei! Weil ich jeden Tag aufs Neue ohne Kompromisse entscheiden konnte, wohin es geht. Meistens ans Meer. Und dahin laufe ich auch als Erstes, sobald die Räder still stehen!

Fahren nach Lust und Laune

Am Anfang wollte ich einfach nur in Portugal ankommen um dann quasi von dort so richtig mit dem Entdecken starten. Mein Fahrlimit liegt bei maximal 8 Stunden pro Tag, wobei das eigentlich nur bei der Hin- und Rückfahrt vorkommt. Ansonsten setze ich mich nach Lust und Laune an Steuer. Manchmal habe ich gar keinen Bock, das Auto zu bewegen, und bin froh, ein paar Tage einen Ort stehen zu bleiben. Weil es mir so gut gefällt oder die Wellen gerade bombastisch laufen.

Camper Roadtrip: Frankreich, Spanien und PortugalAllein sein lernen und zelebrieren

Natürlich fiel mir manchmal die Decke auf den Kopf: Zum Beispiel an Tagen mit Dauerregen und ohne Internet. Dann konnte ich nicht einmal richtig arbeiten und auch sonst hält man es in einem Campingbus ohne Stehhöhe nicht ewig aus. Allerdings habe ich gelernt, dass „Digital Detox“ ein Geschenk sein kann. Sonst sind wir im Alltag ja quasi 24 Stunden online, immer mit anderen vernetzt und abgelenkt von allen möglichen Medien. Irgendwann auf dem Roadtrip genoss ich die analoge Einsamkeit und machte: Einfach mal gar nichts. Nur auf den weiten Ozean schauen, mein Essen kochen und mich darin üben, mit mir und dem Leben zufrieden zu sein. 

Camper Roadtrip - EinsamkeitTrotzdem gibt es ein paar Tipps gegen den Hüttenkoller. Hörbücher sind gut, aber mich persönlich lenkt die Natur meistens zu sehr von der Story ab. Gute Musik oder ein lustiger, informativer Podcast sind schon besser. Gegen Langeweile mache ich aber zwischendurch vor allem viele Stopps, um die Fahrt angenehmer zu gestalten. Mein Tipp: Überall wo Flüsse sind, befinden sich in der Regel auch schöne Orte oder Städte, die sich für eine gemütliche Pause, einen Bummel oder Einkauf eignen!

3.2 Home is where you park it

Auf einem Roadtrip wirst du dir selbst ein guter Begleiter. Aber genauso schön ist es, mit anderen Leuten zu surfen, abends am Lagerfeuer zu sitzen und Geschichten zu erzählen. Beim Campen finde ich gerade auf Parkplätzen leicht Anschluss und lerne andere Leute kennen. Sobald du aus dem Auto steigst, stehst du sowieso im Wohnzimmer deiner Nachbarn!

Stellplätze finden: Selbst ist der Mann (und die Frau)

Gute Plätze zum Freistehen finde ich über Freunde und Bekannte, oder indem ich die Gegend selbst erkunde. Park-Apps nutze ich nie so intensiv, um nicht unnötig viel Zeit am Handy zu verbringen. Meistens fuhr oder lief ich die Gegend ab um zu schauen, wo es mir gefällt. Am liebsten schlafe ich beim Rauschen des Meeres ein, doch das einsame Hinterland kann ebenfalls sehr schön sein.

Camper Roadtrip - FreiparkenSo fand ich in Portugal auf dem Weg von Sagres nach Aljezur notgedrungen einen schönen Ort, nachdem die Polizei ein paar Freunde und mich woanders wegschickte. Spannenderweise lag der neue Stellplatz nicht am Meer, sondern irgendwo im nirgendwo! Morgens wurden wir mitten in der Wildnis von einer Schafherde und dem Schäfer geweckt. Etwa 80 Schafe standen um unsere Busse herum. Als Hutmacher, bei dem die Hüte zu 100% aus Schafwolle sind, freue ich mich immer besonders, sobald irgendwo eine Herde auftaucht 😉

Campingplätze und Unterkünfte: Praktisch für zwischendurch

Natürlich bevorzuge ich beim Stehen wilde Orte. Allerdings war ich unterwegs auch immer mal auf einen Campingplatz: Zum Beispiel, wenn es mit dem Freiparken nicht so einfach war oder ich Wäschewaschen musste. Gelegentlich gönnte ich mir sogar Luxus und mietete eine Unterkunft, um an Schlechtwetter-Tagen effektiver zu arbeiten oder einfach ausgiebig warm zu duschen. Freiheit ist eben auch zu entscheiden, wie dein Dach über dem Kopf aussieht und wo es sich befindet.

Für besseres Miteinander: Van Life ist kein Ego-Trip

Als ich vor 11 Jahren das erste Mal an der Algarve war, gab es nur eine bekannte Camper-Van-Vermietung. Schaut man sich heute dort um, verliert man bei all den Anbietern schnell den Überblick. Van-Life ist in, aber wird immer stärker reguliert. Frei-Parken ist an einigen Orten schon verboten! Woran es liegt? Auf dem letzten Roadtrip sprach mit verschiedenen Menschen: Campern wie mir und Anwohnern vor Ort, die sich über Camper aufregen. Verstehen kann ich beide Seiten! Wir Camper haben ein schlechtes Image, weil sich manch einer daneben benimmt. Dabei ist eigentlich nur etwas gesunder Menschenverstand gefragt.

Camper Roadtrip: Free Camping erlaubt?Gängige Kritik ist, dass die „Generation Vanlife“ kein Geld ins Land bringt, weil sie keine Unterkunft benötigt, am liebsten bei LIDL einkauft und immer selbst kocht – aber trotzdem die Infrastruktur nutzt. Warum also nicht ab und an Essen gehen, vom lokalen Bauern Gemüse kaufen, einen regionalen Markt besuchen oder eine schnuckelige Bude buchen, wenn es in Strömen gießt?

Genauso kann man sich beim Parken etwas Mühe geben. Es ist klar, dass sich Locals über Leute aufregen, die 3 bis 4 Parkplätze einnehmen oder quer stehen, weil der Bus zu lang ist oder das ganze Campingzubehör ausgepackt werden muss. Logisch, dass Konflikte entstehen und es immer mehr Parkverbote für Campervans gibt.

Auch das Thema Müll ist so eine Sache. Einerseits sind viele Camper sehr darauf bedacht, alles korrekt zu entsorgen. Andererseits gibt es Negativbeispiele, die z.B. ihr Chemie-Klo in die Pampa kippen oder Abfall in die freie Natur werfen. Vielerorts wimmelt es ein paar Meter von Wasser entfernt vor Plastik und teilweise sieht es aus wie auf einer Müllkippe! Dabei ist es doch nicht so schwer: Müll sammeln, mitnehmen, und bei Gelegenheit ab damit in die Tonne. 

Camper Roadtrip: Müll3.3 Surfen: Weg mit dem Druck, Spaßmodus an!

Bei diesem Roadtrip hat Surfen meinen Tagesablauf bestimmt. Immer, wenn die Bedingungen mitgespielt haben, war ich mindestens einmal pro Tag im Wasser. Dabei bin ich dem Rat eines Freundes gefolgt: „Wenn du auch an schlechten Tagen ins Wasser gehst, hast du an den guten so richtig Spaß.“ Der kann auch darin bestehen, dass plötzlich ein Delfin neben dir aus dem Meer springt!

Finde Wellen, die gut zu dir passen

Jeder hat beim Surfen andere Vorlieben, die beim Spotcheck eine Rolle spielen. Unterwegs fragte ich auch immer wieder Leute nach Spot-Tipps, aber letztlich musst du dich selbst auf die Reise machen, um deine Art von Wellen zu finden. Oder sie finden eben dich, sofern du dich auf Entdeckungen einlässt.

Ich mag beispielsweise lieber flachere Wellen, weil sie optimal zum Longboarden sind. Seit ich ein Single Fin ausprobiert habe, ist es meine neue Leidenschaft und mein altes Board bleibt in der Ecke stehen. Kleine, hüft- bis schulterhohe Wellen reichen mir nun völlig aus, um Spaß zu haben! Meine liebsten Spots sind solche, an denen man sich (fast) keine Gedanken über Felsen, Riff und sonstige scharfkantige Gegenstände im Wasser machen muss.

Camper Roadtrip - SurfenUnd wenn es mal flat ist?

Ein Tag ohne Wellen ist gut, um andere Dinge mit gutem Gewissen zu entdecken: Das kann ein gutes Buch sein oder eine Stadt. Ansonsten setze ich mich in ein Café und arbeite ein paar Stunden…

3.4 Van Office unterwegs? Geht klar!

Zwischen Surfbrett und meinen anderen 7 Sachen zaubere ich mir easy einen kleinen Arbeitsplatz. Oft mit Blick auf das Meer oder zumindest auf die Natur durch die offene Schiebetür. Leider sieht man unter freiem Himmel auf dem Display zu wenig und der MacBook-Akku wäre in 1,5 Stunden leer. Ein kleiner Campingtisch, ein bequemer Stuhl, guter Kaffee und gelegentlich Strom sind beim mobilen Arbeiten also alles, was ich brauche!

Ein Vorteil am Van Office ist definitiv die freie Zeiteinteilung und die effektivere Arbeitsweise. Der größte Nachteil ist sicherlich meine manchmal mangelnde Disziplin, vor allem bei guten Wellen 😉

Meine Arbeitszeit lag unterwegs zwischen 0 und 8 Stunden pro Tag. Meistens versuchte ich, ein Thema Schritt für Schritt abzuarbeiten und mir dafür 1 bis 2 Stunden täglich einzuplanen. Bei schlechtem Wetter – wie es in Spanien öfters der Fall war – habe ich mich auch mal für drei Tage in einem Campingplatz-Restaurant verschanzt, um aufwendigere Sachen abzuarbeiten.

Camper Roadtrip - Arbeiten unterwegsMeine Arbeit passe ich den Wellen und äußeren Bedingungen an, nicht anders herum. Das erfordert natürlich eine andere Disziplin, die ich anfangs nicht hatte – eine neue Prioritätensetzung, die man sich erst angewöhnen muss. Irgendwann funktionierte es! Selbst bei einer Deadline: Wenn die Wellen liefen, ging ich für eine kleine Session ins Wasser. Danach gab es Kaffee und die Arbeit ging viel leichter. Dafür stehe ich auch gern früher auf, obwohl ich eigentlich ein Morgenmuffel bin…

3.5 Das einfache Leben genießen

Im Van hast du gefühlt mehr Zeit als in festen vier Wänden. Alles ist kompakt an einem Ort und man ist beschränkt auf das Wesentliche. So bist du gezwungen, dein Leben einfach zu halten und kannst die kleinen Dinge wieder mehr genießen. Und das kann einfach nur das selbst zubereitete Abendessen sein – bei mir übrigens oft Spagetti mit Zwiebeln, Tomaten, Thunfisch und Parmesan. Auf einem Roadtrip schmeckt einfaches Essen irgendwie viel besser als Zuhause!

Die 3 Monate Roadtrip, unterwegs auf 4 Quadratmetern, haben mich persönlich verändert. Vorher war ich oft unzufrieden, obwohl ich alles hatte. Die Zeit im Campervan hat mir die Freude an vielen kleinen Dingen zurückgebracht, und das ist wohl die schönste Erfahrung aus der ganzen Reise!

Camper Roadtrip - Geniessen und SurfenNatürlich muss sich unterwegs eine gewisse Routine entwickeln. Zu Beginn war bei mir alles etwas chaotisch. Als notorischer Langschläfer lernte ich, meinen Tag mit der Sonne und den Wellen zu planen. Irgendwann kam ich morgens echt früh aus dem Bett und flitzte ins Wasser. Danach machte ich mir einen Kaffee oder trank woanders ein Tässchen. Dann eine Kleinigkeit  zum Frühstück und eine Weile arbeiten. Dieser Rhythmus hat gut funktioniert! Manchmal ging ich danach nochmal ins Wasser oder ich fuhr ein Stück. Und die Abendgestaltung war spontan. Hauptsache mit Blick auf das Meer einschlafen und den Ausblick genießen.


4. Nach dem Roadtrip: Die Freiheit in den Alltag mitnehmen

Nach einem Roadtrip steckst du schnell wieder im Alltag. Für mich war die Rückkehr und der Tausch meines fahrenden Wohnzimmers gegen die 4 Wände anfangs irgendwie erdrückend. Darum versuche ich, kleine Freiheiten beizubehalten. Zwischendurch campe ich zum Beispiel mit meinem Van, um dem Alltagstrott etwas zu entfliehen. Manchmal sogar in der Woche!

4.1 Übe dich in Gelassenheit

Wir haben verlernt, uns einfach mal hinsetzen und den Moment zu genießen. Im Alltag sind wir getrieben von tausend Dingen, die man noch erledigen muss, kann oder soll. Zu Beginn vom Roadtrip hat mich dieses Gedankenkarussell sogar daran gehindert, mich für 5 Minuten auf ein Buch zu konzentrieren. Heute kann ich das besser. Die große Kunst ist jetzt, dass die Gelassenheit und innere Ruhe im Alltag überlebt. Wird es mal wieder chaotisch, denke ich an den Atlantik zurück:

Wie war das, als meine Kreditkarte gesperrt wurde, tagelang Regen herrschte oder kurzfristig Aufträge eintrudelten? Vor der Reise sah ich oft nur den negativen Aspekt: Aufwand, schlechtes Wetter und Stress. Doch in unterwegs wurde ich positiver und änderte meine Einstellung. In der Ruhe lag die Kraft, und am Ende wurde trotzdem alles gut.

Camper Roadtrip - Innere Ruhe lernenAuf dem Weg zu mehr Gelassenheit ist für mich noch etwas wichtig: Weniger schlechte Nachrichten konsumieren, die uns regelrecht überfluten. Natürlich gibt es viel Schlechtes auf dieser Welt, aber nicht nur. Wie will man etwas verändern, wenn einem morgens die schlechte Laune ins Gesicht schlägt? Also konsumiere bewusst weniger (Bad) News und lass den Handy-Newsfeed öfters mal weg. Das hilft!

4.2 Einfache Dinge schätzen

„Wir sind materiell so reich und emotional umso ärmer.“ Ein schönes Zitat! Unsere Konsumgesellschaft redet uns ein, wir bräuchten zum Glücklichsten dies, das und jenes. Dabei ist ganz wenig nötig, um Besitz überhaupt schätzen zu können. Wenn du alles bekommst, was du dir immer erträumt hast, und dazu noch mehr, wird der Reichtum normal und selbstverständlich. Dann hilft so ein Roadtrip, sich wieder auf den Wert der einfachen Dinge zu besinnen.

Unterwegs freust du dich darüber, wieder frisch gewaschene Klamotten zu haben. Wenn dein Neo an einem Sonnentag trocken wird. Du eine heiße Dusche hast und ein warmes Essen. Du merkst wie schön es ist, beim dich mit Händen und Füßen mit einer älteren Dame zu unterhalten. Und drei Monate ohne Kühlschrank sind plötzlich kein Problem, weil du einfach einkaufst, wenn du Hunger hast. 

Heute weiß ich: Je mehr ich habe, umso unglücklicher bin ich, und Besitz macht unbeweglich. Darum ist das schönste Geschenk von meinem Roadtrip, dass ich Dinge schätzen gelernt habe und mich wieder jeden Tag über Kleinigkeiten freuen kann, die mir sonst nicht einmal aufgefallen wären.

Camper Roadtrip: Kleinigkeiten4.3 Freue dich auf den nächsten Roadtrip

Für ein paar Monate im Jahr im Campervan zu leben ist wunderbar! Ein ganzes Jahr am Stück möchte ich so nicht unterwegs sein, aber mehrere Monate… Warum nicht? Ich glaube, es ist die Abwechslung, die mich glücklich macht. Etwas vermissen und sich wieder auf etwas freuen. Daher möchte ich längere Roadtrips wiederholen. Gerade jetzt, solange noch keine Familie und großen Verpflichtungen da sind, ist Camping definitiv einfacher!

Dieses Jahr will ich nochmal nach Spanien fahren und irgendwie ziehen mich die nordischen Länder sehr an. Island, Norwegen und Schweden! Einen richtigen Plan habe ich wie immer noch nicht. Ich lasse alles auf mich zukommen und schaue, wohin es mich am Ende verschlägt!

4 comments

Caro 16. Juni 2019 - 13:36

Hi Emanuel,
ich habe mich in deinem Bericht zu 100 % wiedergefunden – herrlich authentisch.
Meine Kindheit war sehr ähnlich und vom VW T2 zum VW LT und einem Nießman Clouliner habe ich all unsere Häuser auf Rädern sehr geliebt. Seit diesem Jahr bin ich stolze Besitzerin von einem 14 Jahre alten VW T5 und bei meiner Suche nach guten Surfspots und Roadtrips auf deinen Bericht gestoßen. Ich hatte leider noch nicht die Möglichkeit eine Reise länger als 2 Wochen zu machen – wegen dem Job – aber auch ein langes Wochenende alleine mit dem Bus unterwegs gibt einem ein ähnliches Gefühl wie du es hier beschreibst. Ich hoffe ich finde eine Möglichkeit auch mal eine etwas längere Zeit aus dem Alltag ausbrechen zu können. Dir noch viele Abenteuer auf vier Rädern! Hoffentlich bekommst du deinen LT bald wieder fit gemacht.
Caro

Reply
Emanuel 21. Juni 2019 - 18:44

Hi Caro,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Das hat mich gerade richtig gefreut. Da hast du ja auch schon einiges erlebt, auf vier Rädern. Das hört sich toll an, damit lassen sich die Surfspots auf jeden Fall entdecken. Leider ist die Zeit ja immer zu kurz, egal ob es Tage oder Wochen sind. Und auch schon ein langes Wochenende bringt immer wieder eine ganz tolle Auszeit vom Alltag. Ich hoffe auf jeden Fall, dass sich das mit der längeren Auszeit bei dir auch bald ausgeht und du dann die Küsten Europas entdecken kannst. Eventuell kannst du das mit einem Bildungsurlaub, wie einem Sprachkurs in Spanien oder Portugal, verbinden. So werden aus zwei Wochen gleich mal drei Wochen und es lässt sich dem Chef besser verkaufen 😉 Mein VW LT28 ist inzwischen übrigens wieder fit und hat es mit ein paar kleineren Problemen nach Spanien und wieder zurück geschafft. Abenteuerliche Grüße Emanuel

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Venice43 4. Mai 2021 - 22:49

Was für ein schöner und interessanter Beitrag. Macht auf jeden Fall Lust auf Reisen. Am liebsten würde man einfach einen Wohnwagen mieten und losfahren. 🙂

Reply
Hannah 3. August 2021 - 21:07

Vielen Dank für den interessanten Artikel. Das ist wirklich ein toller Reisebericht. Immer wieder schön in Ihrem Blog zu stöbern.
Beste Grüße
Hannah

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