Camper kaufen: So kamen wir zu unserem eigenen Van

by Heidi
Camper kaufen - Van kaufen

Einen eigenen Camper kaufen – das war schon lange ein Traum von uns. Als DDR-Kind verbinde ich die besten Erinnerungen mit Camping, und seit Jahren unternehmen mein Mann Chris und ich Road- und Surftrips im Heim auf vier Rädern. Anfangs liehen wir uns das Wohnmobil vom Schwiegervater aus: Der Fiat Frankia namens „Big Frank“ kutschierte uns zuverlässig durch Irland und Großbritannien, doch war eben nur geliehen. Obendrein kapitulierten seine „breiten Hüften“ vor schmaleren Wegen. Der Wunsch nach einem eigenen, kleineren Campervan reifte im Hinterkopf, und wurde vor 2 Jahren mit einem guten Deal endlich Realität.

Als „Campervan“ oder „Camper“ werden typischerweise Kastenwagen bzw. Transporter der bekannten Automobilmarken bezeichnet, die sich privat oder von semiprofessionellen Händlern zum Campingbus ausbauen lassen. Das unterscheidet sie vom Wohnwagen, die als „fahrende Kabine“ an PKWs angehängt werden, und von Wohnmobilen, bei denen auf ein Chassis eine Wohn- und Schlafkabine aus Pappe aufgesetzt wird. 

In diesem Beitrag möchte ich erzählen, wie wir persönlich beim Camper kaufen und beim Camper Ausbau vorgegangen sind, um bei unserem Traummobil zu landen. Achtung: Dich erwartet kein Profi-Wissen! Wir sind keine Auto-Nerds, haben beim Basteln zwar gute Ideen – doch oft zwei linke Daumen – und die ein oder andere Sache echt unterschätzt. Zum Glück bekamen wir Unterstützung und wertvolle Tipps von anderen Campern, und konnten uns manches aneignen. Unser bescheidenes Wissen teilen wir hier.

1. Camper kaufen: Macht das überhaupt Sinn?

Ganz im Ernst: Einen Camper kaufen muss nicht unbedingt für jeden Camping-Freund ratsam sein, vor allem nicht beim allerersten Impuls. Zu manchen passt der Lifestyle einfach nicht, weil sie mit dem Camping-Knigge und den Beschränkungen, die so ein großes Gefährt mit sich bringt, nicht umgehen können. Falls du dich fragst, was ich meine – lies weiter!

Camper kaufen - meerdavon

1.1 Asking for environment: Denkst du beim Campen an die Umwelt?

Sicher kennst du den Hashtag #vanlife auf Instagram, doch schau dir lieber mal die Seite @getthef_ckoutfromalgarve an. Sie zeigt die Schattenseiten vom Camping in Portugal bzw. Beispiele, wie man es nicht machen sollte, um sich vor Knöllchen der Polizei und vorm Zorn der Anwohner zu schützen. Um den Ruf von Campern nicht weiter zu ruinieren, frag dich bitte vor dem Camper kaufen, ob du dich mit den folgenden, einfachen Regeln arrangieren kannst.

  • Hab‘ dein Klo dabei! Nein, es ist nicht ok, dein Geschäft im Gebüsch zu verrichten. Keiner mag Tretminen nebst Klopapier! Schaff dir ein Porta Potti an – das bei uns mit schickem Sitzbezug Toilette und Hocker in einem ist – oder leg dir eine Trockentoilette zu. Für wen beides nichts ist: Es gibt auch „Kackbeutel“ für Menschen. 
  • Geh auf Campingplätze! Unsere (Groß-)Elterngeneration fuhr mit dem Wohnmobil noch auf Campingplätze, während heute viele „frei“ stehen wollen. Wieso eigentlich? Viele Campingplätze bzw. offizielle Stellplätze sind wunderschön, ebenfalls am Grünen oder am Meer, bieten alle Annehmlichkeiten und du gehst dort keinem auf den Sack!
  • Sei kein Park-Egomane. Ab und an mit dem Camper in der Natur stehen ist echt schön. Doch sei dir bewusst: Das ist oft nicht erlaubt, sondern bestenfalls geduldet, sofern du sensibel bist. Also z.B. nur an Orten parkst, wo genug Platz ist, nicht schon zig andere Vans stehen, du niemanden störst und Camper nicht explizit verboten sind. Verlass solche Orte nach einer Nacht wieder und breite dich außerhalb des Wagens nicht mit allem möglichen Kram aus. Wer Markise, Teppich, Campingmöbeln & Co. auspacken will, geht auf dem Campingplatz!
  • Hinterlasse weder Müll noch Abwasser. Es sollte sich eigentlich von selbst verstehen – jede kleine Verpackung, jede Obstschale, alles was du an Müll produzierst, solltest du wieder mitnehmen bzw. fachgerecht entsorgen. Auch dein Grauwasser im Abwassertank oder deine Toilette darf nicht einfach in die Pampa gekippt werden, wo alles fröhlich ins Grundwasser sickert. Beides kann an Stationen für Camper geleert werden.
  • Gib den Locals etwas zurück. Anwohner von Ferienregionen durch „sauberes Benehmen“ nicht zu verärgern ist das eine. Sie durch ein paar Taler zu erfreuen das andere! Also steh‘ nicht nur gratis in der Natur herum und koch‘ Mitgebrachtes, sondern besuch‘ auch mal Restaurants, Bauernmärkte, Campingplätze oder AirBnBs! Die Yurte, die wir uns zwischendurch auf Achse in der Bretagne gönnten (siehe Galerie unten), werden wie zum Beispiel nie vergessen.
Camping Regeln
Camping Wales
Camping Regeln
Trash Boca Rio2
AirBnB Yurte
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Umweltfreundlich campen: (1) Schöner Campingplatz in Wales, (2) Camping-Toilette aka Porta Potti, (3) So nicht: In der Natur entsorgte Matratze, (4) Zwischendurch ein AirBnB: Yurte in der Bretagne

1.2 Passt ein Camper in dein Leben?

Du bist ein sensibler Camper, der nicht auf die Umwelt und seine Mitmenschen sch…? Trotzdem solltest du dir vorm Camper kaufen zunächst über Alltags- und Reisegewohnheiten klar werden. Zum Beispiel, indem du dir (so wie wir) vor der Anschaffung folgende Fragen gestellt:

  • Wie oft bist du wirklich zum Camping unterwegs? Wer nur einmal pro Jahr für ein paar Wochen Zeit hat, der muss keinen Camper kaufen, sondern ist mit Leihmöglichkeiten vermutlich besser beraten. Zum Beispiel über Freunde und Familie, bei Paul Camper (quasi das AirBnB für Wohnmobile und Vans aller Klassen) oder am Urlaubsort über professionelle Anbieter. Für uns stand kaufen erst mit steigendem Bedarf zur Debatte: Als Flugreisen immer weniger interessant wurden, und wir neben Urlauben auch öfters spontane Kurztrips ans Meer oder ins Grüne unternehmen wollten.
  • Hast du zu Hause einen Stellplatz? Was trivial klingt, stellt Städter ohne privaten Parkplatz vor einige Herausforderungen. Denn ein Camper ist nicht nur oft größer als ein normaler PKW, und beschert dir bei der Parkplatzsuche mehr Frust, sondern sollte auch möglichst sicher in deiner Nähe stehen. Auf öffentlichen Straßen drohen deinem Campervan Vandalismus, Einbrüche oder Diebstahl. Darum haben wir vorm Camper kaufen überlegt, wo der Gute bei Nichtbenutzung stehen kann – bzw. den Parkplatz bei der Wohnungssuche eingeplant.
  • Bist du bereit, Zeit und Geld in Pflege / Basteleien zu investieren? Selbst wenn du beim Camper kaufen (wie wir) einen jungen und nahezu fertig ausgebauten Wagen bekommst: Irgendetwas ist an Ausstattung, Elektrik & Co. immer zu basteln, nachzurüsten, ersetzen oder zu reparieren. Und falls du den Camper Ausbau allein angehen willst, dann wirst du vor dem Losfahren viele, viele Wochenenden investieren. Unser Tipp: Mit dem DIY Ausbauratgeber von Wanderhorizons geht’s viel einfacher!
Camper kaufen - Stellplatz
Traum aller Camper: Ein Zuhause mit großem, nicht höhenbeschränkten Parkplatz vor der Tür

Wenn du alle oben genannten Fragen voller Inbrunst mit „Ja!“ beantwortest, steht dem Camper kaufen noch das liebe Geld im Wege. Als nächstes geht’s daher um die Budgetplanung. 

2. Vorm Camper kaufen: Suchkriterien und Budget festlegen

Wer das erste Mal einen Camper kaufen will, sieht vermutlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder unterschätzt, wie groß der Wald wirklich ist – und verläuft sich darin. Eine echte Vorstellung vom eigenen Campervan bekamen wir zumindest erst, nachdem wir ein paar Trips in geliehenen Wohnmobilen bzw. Vans verbracht hatten. Auch das Ansehen der Busse von Freunden und Bekannten hilft weiter, die man z.B. auf Parkplätzen bei beliebten Surfspots trifft. Selbst der Besuch einer Caravan-Messe hilft dir, vor dem Camper kaufen ein Bild in deinem Kopf zu formen.

Tipp: Soll dein Campervan gleichzeitig dein Alltagsauto sein, dann wird Parken und das Passieren von (engeren) Straßen mit einem kleineren Modell leichter und günstiger. Die Höhe und Länge des Wagens beeinflussen ebenfalls deine Reisekosten, da sich danach z.B. die Maut auf Autobahnen (etwa in Frankreich und Portugal) und die Ticketpreise bei Fährfahrten (z.B. nach UK und Irland) richten. 

Camper kaufen - Modell und Autogröße
Unser grüner Camper ist oft einer der kleinsten auf Fähren – dafür wendiger auf kleinen Wegen

2.1 Rahmendaten vom Camper

Egal ob du online oder offline nach deinem Wagen suchst: Beim Camper kaufen ist ein gutes Suchraster der beste Weg, um heiße Kandidaten zu finden. Wir haben das Feld zum Beispiel mit folgenden Kriterien eingegrenzt:

  • Alter und Kilometerstand. Ältere, vielgefahrene Vans sind in der Anschaffung günstig. Doch sie haben oft Schäden, sind klapprig, fressen öfters Geld in der Werkstatt und streiken unterwegs gern mal. Für Bastler und Geduldsmenschen mag das ok sein. Wir wollten ein verlässliches Mobil, und setzten bei maximal 5 Jahren Alter und 100.000 Kilometern auf dem Tacho unsere Schmerzgrenze.  
  • Stehhöhe? Vans, in denen sich nur sitzen lässt, sind klasse für warme Gefilde, wo sich das Leben draußen abspielt. Wir sind aber öfters in kalten, regnerischen Gegenden unterwegs, wo man sich im Auto verschanzen können muss. Darum war die Stehhöhe ein wettersicheres und obendrein rückenfreundliches Kriterium beim Camper kaufen. Sie ist bei vielen Automarken an der Höhen-Angabe H2 oder H3 erkennbar. Allerdings ist die Parkplatzsuche mit unserem stehhohen Camper aufwendiger, weil er in viele (Tief)garagen nicht hineinpasst und vor Höhenbeschränkungen im Grünen kapituliert.
  • Länge? Sie wird je Marke oft mit den Kürzeln L1, L2, L3 oder sogar L4 angegeben. Mehr Länge bedeutet mehr Möglichkeiten beim Camper Ausbau, aber auch mehr Gewicht, einen höheren Spritverbrauch, schwierigeres Manövrieren und Parken. Wir haben uns beim Camper kaufen für H2 / L2 entschieden: Standhoch und ca. 5,5 lang. Genug für alles Wesentliche und dennoch halbwegs klein und wendig.
  • Spritverbrauch. Diesel ist nach wie vor günstiger als Benzin. Doch mit dem Gewicht, der Motorleistung und dem Antrieb (Allrad vs. Standard-Antrieb) gibt es weitere Faktoren die beeinflussen, wie viel ein Van schluckt.  
  • Grundmerkmale. Hier will jeder Jeck was anderes. Bei uns war es eine Standheizung, denn Frieren versaut jeden Trip. Die Klimaanlage ist auch super, aber seltener in Gebrauch als die Dachklappe zum Durchlüften. Ebenfalls wichtig war genug Zugkraft vom Pferdchen: Alles unter 100PS ist für schwere Busse zu wenig Power. Hier interessiert natürlich auch der Spritverbrauch (Benzin vs. Diesel) und die Frage, ob du unbedingt einen teuren Allradantrieb benötigst. 
Camper kaufen - Stehhöhe
Stehhoch, lang genug, und vom Alter her noch grün hinter den Ohren: Unser Opel Movano

2.2 Ausbau und Extras vom Camper

Eine wichtige Frage: Willst du einen „leeren“ Camper kaufen und ihn selber ausbauen, oder lieber ein fertig ausgebautes Auto? Wer sich für den Eigenausbau entscheidet, sollte mit handwerklichem Geschick und Geduld ausgestattet sein – und die Ausbau-Kosten mit einkalkulieren, statt sich vom günstigen Kaufpreis des leeren Transporters blenden zu lassen. Mangels Skills haben wir uns für einen von einer Werkstatt fertig und hochwertig ausgebauten Wagen entschieden, mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Camper mit abenteuerlichen Ausbauten von Hobbybastlern können natürlich auch gut sein, sollten aber besonders bei kritischen Dingen wie Sicherheit und Elektrik auf versteckte Tücken geprüft werden.

Tipp: Mittlerweile hast du bei Anbietern wie Camperworks, Bodensee Camper, Bullifaktur oder Freiheitsfluchten die Möglichkeit, dir je nach Anbieter einen leeren Kastenwagen ausbauen zu lassen bzw. unter Anleitung selbst auszubauen. Dabei kommen meist clevere Module zum Einsatz, die individuell anpassbar sind. Teils bringst du deinen leeren Wagen mit, teils kann man dir schon bei der Suche danach helfen. Logisch kostet diese Ausbau-Variante ebenfalls Zeit und Geld, doch du bist dafür in versierten Händen.

Ansonsten haben wir beim Camper kaufen von Anfang an überlegt, was beim Reisen wichtig ist: Wo würden wir z.B. unsere Surfboards und Neoprenanzüge verstauen, und wo den ganzen Rest? (Antwort: Dachbox, großer „Keller“ unter dem hochgebockten Bett, Hängeschränke). Feste Küche? Ja. Festes Bad? Nein. Viele dieser Überlegungen sind aber wirklich erst bei den ersten Besichtigungen potenzieller Kaufkandidaten gereift. 

Camper kaufen - Küche
Küchenblock im Camper: Wie groß soll er sein, und wo wird er positioniert?

2.3 Budget und Automarken

Sobald du weißt, welche Rahmenbedingungen dein Campervan erfüllen soll, bist du der Budgetplanung schon ein Stück näher – denn jeder Wunsch kostet natürlich Geld. Und je mehr Zeit du im Haus auf vier Rädern verbringen willst, umso komfortabler soll es vermutlich sein. Grob gesagt kannst du beim Camper kaufen ab 10.000 Euro schon etwas Fahr- und Bewohnbares bekommen, und je mehr du drauflegst, um so schicker und leistungsfähiger wird dein Gefährt. Wir haben Erspartes und weihnachts- wie geburtstägliche Geldgeschenke zusammengekratzt, und erst nach Jahren (als alles beisammen war) investiert, weil wir keine Kreditfinanzierung wollten.

Einen beträchtlichen Einfluss auf den Kaufpreis hat übrigens die Automarke. Sprich: Wer VW und den Traum vom Bulli oder T4 leben will, der zahlt im Vergleich zu ähnlich ausgestatteten, alten und gefahrenen Campern von anderen Marken meistens doppelt so viel!

Wir waren jedenfalls erstaunt, wie viel Privatverkäufer und Händler für abgerockte VW-Busse noch haben wollten. Hier war uns die Einstiegshürde einfach zu hoch, und daher kamen andere Transporter-Modelle mit den Mindestmaßen L2 x H2 auf unseren Wunschzettel: Zum Beispiel der Ford Transit, Opel Movano, Fiat Ducato, Renault Master oder Iveco Daily. Allen sagte man ein gutes Preisleistungsverhältnis nach, wobei es hier je nach Marke natürlich auch Kritiker und Anhänger gibt. Dass wir letztlich beim Opel landeten war vielleicht auch dem Fakt geschuldet, dass ich nun mal aus einer Opel-Familie stamme 😉

Camper kaufen - Automarken und Modelle
Beim Autohändler: Erst einmal die gängigen Modelle testen…

Am teuersten sind übrigens von Profi-Camping-Busse von Firmen wie Adria, Bürstner, Pössl oder Westfalia – hierbei handelt es sich um luxuriös ausgebaute Transporter speziell zum Camping, die unter eigenen Marken und serienmäßiger Ausstattung (neu) verkauft werden. Sie sind uber-schick und komfortabel, immer mit super Küche, Vollbad und Betten ausgestattet, aber mit mindestens 40.000 Euro aufwärts in einer völlig anderen Preisklasse!

3. Camper kaufen: Angebote, Besichtigung und Überführung

Dein Suchraster steht? Dann kann’s mit dem Camper kaufen ja losgehen: (Online) stöbern, heiße Kandidaten anschauen, und vielleicht schon bald zuschlagen… Bei uns sind für diesen Prozess allerdings ein paar Wochen ins Land gegangen, da wir ein paar Frösche sahen, bevor der mobilgewordene Prinz vor uns stand – und mit uns nach Hause ritt.

3.1 Angebote auf Online-Portalen sichten

Wer einen Camper kaufen will, kann sich auf Online-Portalen wunderbar umschauen. Auf Ebay Kleinanzeigen gibt es besonders viele Angebote, allerdings ist die Suche nicht sonderlich ausgefuchst. Bei mobile.de fällt das Stöbern leichter, weil du neben mehreren Marken und Modellen viele Filter setzen kannst: Neben Preis, Kilometerstand und Baujahr z.B. auch die Kraftstoffart, den gewünschten Innenausbau und Extras, wie etwa Standheizung, Klimaanlage, Bettenart, WC, und Solarzelle. Du kannst sogar auswählen, ob der Verkäufer eine Privatperson oder ein Händler sein soll – nur bei Letzteren gibt es auf den Kauf eine Gewährleistung. 

Tipp: Als guten Zeitpunkt zum Camper kaufen empfehlen Profis übrigens den Herbst, weil einige Leute ihren Gebrauchten nach dem letzten Sommerurlaub bzw. vorm „Überwintern“ noch schnell loswerden wollen. 

Trotz der passenden Suchzeit haben wir Wunschautos online trotzdem nicht gerade wie Sand am Meer gefunden. Einerseits waren neben vielen (und uns viel zu teuren) VW-Bussen einige absonderliche Eigenbauten dabei, vom Angelmobil über Rennrad-Transporter bis hin zum holzvertäfelten Van mit einem Ofen – der irgendwie echt gefährlich aussah. Andererseits rannten einem die Verkäufer von interessanten Campern auf Anfrage keinesfalls die Bude ein. Gefühlt sitzen sie am längeren Hebel, weil immer mehr Leute einen Camper kaufen wollen. Vor allem, weil der Trend vom selbstbestimmten Urlaub mit Corona nochmal einen Schub bekam.

Camper Van kaufen
Hallo, Nachbar: Urlauben mit Sicherheitsabstand war nie gefragter…

Letztlich landeten auf unserer Shortlist ein paar Fiat Ducatos, einige Ford Transits und (dank Einfluss vom Vater, der in einer Opel-Werkstatt arbeitet) noch mehr Opel Movanos.  Alles was Nicht-VW und statt Weiß oder Schwarz etwas farbenfroher war, hatte ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und kam zur Besichtigung in die engere Auswahl. 

3.2 Campervans vor Ort besichtigen: Genau hinsehen!

Wir hatten schon von Bekannten gehört, dass man beim Camper kaufen meistens erst ein paar Frösche küssen muss, bevor der Prinz vor einem steht. In unserem Fall hat es tatsächlich bereits beim vierten Wagen geklappt, den wir uns vor Ort anschauten. Doch vorher war wirklich eine dicke fette Unke dabei, die uns durch schlechte Erfahrungen einiges gelehrt hat. Besonders ärgerlich war, dass wir dafür wieder mal quer durch Deutschland gereist und sogar eine Übernachtung vor Ort in Kauf genommen hatten, so sicher waren wir uns schon gewesen, dass der Deal stattfinden würde. Aber lass mich von vorne anfangen…

Tipp: Lass dir vor konkreten Besichtigungsterminen schon mal eine Kopie vom Fahrzeugschein senden. Darin erkennst du zum Beispiel, wie viele Vorbesitzer der Wagen hatte, Leistungsdaten und Dinge wie das zulässige Gewicht – was inklusive Zuladung natürlich zu deinem Führerschein passen muss. Anhand der Fahrzeugdaten und Schadstoffklasse kannst du außerdem bereits die anstehenden Versicherungskosten ermitteln.

Camper kaufen - genau hinsehen
Genau hinsehen beim Camper kaufen lohnt sich – damit später alles stimmt

Die Odyssee zu unserem perfekten Camper

Zum damaligen Zeitpunkt, im Herbst 2018, sahen wir uns als erstes einen privat ausgebauten Van in NRW an, der sich als „Marke Eigenbau ohne Komfort“ entpuppte – es sah ein bisschen aus, als hätte der Besitzer seine alten Küchenmöbel wiederverwurstet. Machte nix, wir hatten ja kurz darauf eine Tour an den Bodensee geplant, neben Hamburg und Berlin scheinbar ein Ballungsraum der Campingfreunde. Leider war beim sehr freundlichen Auto-Händler, der neben PKW top ausgebaute Campingbusse im Angebot hatte, auch nichts für uns dabei: Die einen waren zu „oldschool“ und teuer, die anderen zu klein. 

Eines hatten die vergeblichen Besichtigungstermine gebracht: Uns wurde klar, was wir nicht wollen. Nix in Höhe H1, also unter Stehhöhe, und nix in Länge L1, wo der Wagen gefühlt nur aus Bett besteht und man sich als Tollpatsch ständig irgendwo anstößt. Wir wollten einen Camper in L2 H2 kaufen, standhoch, mittellang, und mit semi-professioneller, aber nicht altbackener Ausstattung. Würden wir das für unser Budget finden?

Camper kaufen - Besichtigung
Stehhöhe: Für uns eines der Must Haves vom Camper

Die nächste Besichtigung verschlug uns erneut an den Bodensee. Im Inserat als auch beim Telefonat mit dem Händler hatte alles super geklungen. Online hatte er zwar schon zwei miese Bewertungen kassiert, was mir etwas Bauchweh bereitete. Doch glaubte man seinen Worten am Telefon, gehörte das Auto quasi uns und war nun reserviert. Also fix Zug buchen, und in der Bereitschaft, bald (für uns) viel Geld auszugeben, runter in den Süden fahren. 

Vor Ort kam das böse Erwachen: Ein extrem unfreundlicher Händler, der uns bei Rückfragen zur Ausstattung fast an die Gurgel ging. Er hatte den für uns reservierten Van offenbar absichtlich zugeparkt, und lehnte eine Probefahrt mit den Worten „dann kauft ihn eben ein anderer“ strikt ab. Klare Sache, da war was faul – und wir brachen den Termin ab.

Bei der dritten Tour, wieder nach Süddeutschland, hat es dann mit dem Camper kaufen endlich geklappt. Diesmal stand die Besichtigung von drei Autos auf dem Plan, und der zweite ist es dann geworden – unser grasgrüner Opel Movano, Baujahr 2015, frisch ausgebaut von einer Werkstatt, privat verkauft. Mit ihm sind wir immer noch echt happy!

Camper kaufen - meerdavon
Endlich hat’s mit dem Camper kaufen geklappt: Anstoßen mit Ausblick

Tipps beim Camper kaufen: Begutachtung vor Ort

Wir sind wie gesagt keine Profis. Darum haben wir uns beim Camper kaufen belesen und von Experten beraten lassen, z.B. erfahrenen Campern und Automobilexperten im Familien- und Freundeskreis. Für die Begutachtung von Campern vor Ort haben wir folgende Tipps:

  • Anzahlung. Eine kleine Anzahlung ist möglich, um einen Wagen für dich bis zur Besichtigung zu reservieren. Unbedingt schriftlich festhalten, z.B. in einem Mustervertrag wie diesem! 
  • Camper mit sachkundiger Begleitung begutachten. Schau dir den Camper hinsichtlich Vorschäden genau an, und zwar außen (z.B. sichtbare Dellen und Risse, Zustand der Reifen, Rost-Check inkl. Unterboden) als auch innen (z.B. feuchte Stellen, Zustand vom Ausbau sowie von der Elektronik, Strom- und Wasserversorgung). Eine gute Checkliste der wichtigsten Dinge findest du z.B. bei 4Reifen1Klo und bei Camperstyle.
  • Fahrzeugunterlagen prüfen. Dazu gehören Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung), TÜV-Bescheinigung inkl. evtl. nötiger Gasprüfung, Werkstattrechnungen und das Scheckheft mit eingetragenen Wartungen. Wer beim Camper kaufen einen „scheckheftgepflegten“ Wagen angepriesen bekommt, darf regelmäßig durchgeführte und im Serviceheft vermerkte Wartungen bei der Vertragswerkstatt erwarten. Bei Profi-Campingbussen gehört dazu die Dichtheitsprüfung, auf die Hersteller einige Jahre Garantie geben.

Wichtig: Lass dir von allen Reparaturen und Nachrüstungen, die laut Verkäufer durchgeführt wurden, die Werkstattrechnungen zeigen. Sind Teile wie die Kupplung erstaunlich früh ausgetauscht worden, spricht das für hohen Verschleiß, wie er z.B. bei Dienstfahrzeugen der Fall ist.

  • Probefahren. Ein Händler, der nichts zu verbergen hat, wird dir diese Bitte (neben einer ausführlichen Inspektion vom Innen- und Außenleben) nicht abschlagen.
  • TÜV? Ja bitte! Es ist immer leichter, beim Camper kaufen einen Wagen mit TÜV zu nehmen bzw. darauf zu bestehen, dass ein abgemeldetes Auto mit frischem TÜV übergeben wird. Auf jeden Fall hilft ein Blick in die letzten TÜV-Unterlagen, um mehr über die damals festgestellten Mängel und somit Schwachstellen zu erfahren.
  • Werkstattcheck. Lass‘ den Campervan in einer nahen Werkstatt auf (versteckte) Mängel checken. Das ist gerade dann wichtig, wenn der TÜV bald abläuft und falls du von Privatpersonen kaufst – bei ihnen gibt’s (anders als bei Händlern) keine Gewährleistung. Beim Privatkauf kannst du hinterher nur arglistige Täuschung beanstanden.
Camper kaufen - Werkstatt Check
Werkstatt-Check: Macht bei Besichtigungen und auch später regelmäßig Sinn

All diese oben genannten Faktoren spielen beim Besichtigen eine Rolle. Vor allem, wenn dir der Wagen gefällt und du dem Verkäufer bei der finalen Preisverhandlung tief in die Augen schaust…

3.3 Fahrzeug überführen, anmelden und versichern

Nach dem Camper kaufen gilt es, das Fahrzeug zu dir nach Hause zu überführen und bei der Zulassungsstelle an deinem Wohnort umzumelden. Dafür kannst du entweder ein spezielles, für maximal 5 Tage gültiges Überführungskennzeichen beantragen, sofern der Wagen vorher abgemeldet war. Ist der Camper zu Kaufzeitpunkt hingegen angemeldet, kannst du laut ADAC das Kennzeichen bis zur Ummeldung mitnehmen. Dann geht der alte Versicherungsvertrag des Verkäufers automatisch auf dich über – wobei du binnen eines Monats kündigen und eine von dir gewählte, neuen Versicherung abschließen kannst. 

Tipp: Die Versicherung als Wohnmobil ist besonders günstig. Dafür muss dein Camper autark sein und eine Kochmöglichkeit und eine Toilette haben, wobei beides nicht fest verbaut sein muss. Achtung: Fest verbaute Gasflaschen für Küche & Co. brauchen eine zusätzliche Gasprüfung!

Camper kaufen - Versicherung
Endlich losfahren – aber bitte nur gut versichert!

Wir haben nach dem Camper kaufen auch eine Innenraumversicherung bei der RMV Reisemobilversicherung abgeschlossen, die gegen Schäden durch Diebstahl schützt bzw. diese übernimmt. Einen Schadensfall hatten wir zum Glück noch nicht, aber von Bekannten Gutes über die Klärung einer solchen Situation mit dem Versicherer gehört. So fährt es sich gleich viel unbeschwerter 😉

4. Nach dem Camper kaufen: Den Wagen abfahrbereit machen

Obwohl wir uns beim Camper kaufen für den fertig ausgebauten Opel Movano entschieden hatten, war vor der Abfahrt noch einiges an der Nachrüstung zu tun. Das wird sicherlich jedem stolzen Van-Neubesitzer so gehen. Die größten Projekte bei uns:

  • Bettmatratze kaufen und zurechtschneiden. Die Liegefläche im Van hat meistens alles, aber keine Standardmaße. Mit einer festen, rückenfreundlichen Matratze aus Viscoschaum und einem elektrischen Brotmesser zum Zurechtsäbeln bekamen wir dennoch ein akzeptables Bett hin.
  • Solarzelle montieren. Das war etwas tricky. Weil das Dach unseres Campers gekrümmt ist, war Aufkleben unmöglich, und die Dachluke war ein kleines Hindernis. Obendrein musste der Energiebedarf korrekt ermittelt werden. Carsten von Wanderhorizons hat uns bei der Frage, welche Zelle es sein soll, prima unterstützt. Die Montage hat für schmales Geld dann eine Werkstatt übernommen.
  • Elektrik checken. Ist die Zweitbatterie korrekt und sicher angeschlossen, hast du das passende Trennrelais verbaut, und funzt der Stromkreislauf mit der Solarzelle? Spätestens hier sollte man einen Profi draufschauen lassen – auch bei Problemen mit der Standheizung hat uns das sehr geholfen.
  • Lichtsichere Vorhänge organisieren. Unser Camper kam zwar mit verspiegelten Scheiben und Gardinen, doch nachts und mit angeknipstem Licht sah man von außen… alles. Zum Glück stand Mutti mit der Nähmaschine parat. So konnten wir aus neuem, lichtundurchlässigem Stoff (dreilagig mit schwarzer, eingenähter Verdunklungsschicht) absolut blick- und lichtdichte Vorhänge nähen. Die alten dienten nur als Schablone…
Camper kaufen - Ausstattung
Gardinen_Bibo Gardinen4
Bibo Bett1
Camper kaufen - Ausstattung
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Camper einrichten: (1) Blickdichte Gardinen, (2) Matratze zurechtschneiden, (3) Schränke abmontieren und Kabellegen für die Solarzelle

Nach solchen groben To Dos folgte der Feinschliff mit Textilien, gemütlichem Wohlfühl-Kram und der Beschaffung bzw. Verstauung vom absolut notwendigen Camping-Zubehör. Ein umfassendes Thema, zu dem ich hier einen Extra-Artikel verfasst habe.

Ich hoffe, unser ganz persönlicher Einblick zum Camper kaufen hat dir gefallen. Falls noch Fragen offen sind, schreib uns gern einen Kommentar – der verrate uns auf diese Weise, wie du zu deinem Traummobil gekommen bist.

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