Boardbag Guide: Alles was du über Reisen mit Surfboards wissen musst

by Heidi
Boardbag Guide - Reisen mit Surfboard

Die Boardbag ist das, was jeden Surfer beim Reisen besonders beschäftigt. Zunächst muss ein Flug her, auf dem Sportgepäck möglichst keine Extrakosten verursacht. Dann wird die Boardbag mit liebevoller Sorgfalt gepackt: Mit allerlei Material aus dem Baumarkt werden die guten Surfboards so präpariert, dass sie selbst das grobe Handling vom Bodenpersonal und den ruckeligen Transport im Flugzeug ohne Schäden überstehen. Und erst, wenn alles inklusive sonstigem Surfzubehör sicher im Boardbag verstaut sind, stopfen wir Klamotten & Co. in Tetris-Manier hinterher– oder füllen damit den schmächtigen Rucksack, den uns die Freigepäcksgrenze gerade noch so gestattet.

Ja, mit dem eigenen Surfboard zu reisen ist in der Tat mit einigem Aufwand verbunden. Chris und ich sind als digitale Surfnomaden trotzdem seit Jahren so unterwegs: Auf unserer einjährigen Weltreise teilten wir uns eine Double Boardbag, mittlerweile hat jeder seine eigene Boardbag mit je zwei Brettern. Das bedarf natürlich guter Vorbereitung und einem halbwegs geschickten Handling – aber nach einigen Anfänger-Fehlern und durchgerockten Taschen haben wir dazugelernt.

In diesem Artikel fassen wir unsere Erfahrungen zum Thema Reisen mit Boardbag zusammen: Wir erklären, was die Vor- und Nachteile sind, welche generellen Arten von Boardbags es gibt und wie du sie für den Flug ordentlich packst. Außerdem haben wir noch ein paar Hacks parat, wie das Reisen mit Boardbag deutlich angenehmer (und günstiger) wird!

1. Surfreisen mit Boardbag: Allgemeine Vor- und Nachteile

Die Boardbag ist eine der sperrigsten Taschen, mit denen du unterwegs sein kannst: Logisch, es müssen ein Surfbrett oder sogar mehrere hineinpassen, und durch ausreichend dickes Material vor äußeren Einflüssen geschützt werden. Dabei ist die Boardbag für Surfer keine Pflicht, sondern optional: Du kannst, musst aber nicht damit reisen. Weil du dir z.B. vor Ort auch alternativ Surf Equipment leihen kannst, anstelle eigenes mitzuschleppen. Daher lohnt es sich, vor dem Surftrip die Vor- und Nachteile vom Reisen mit der Brettertasche abzuwägen.

Boardbag Ausgabe am Airport

Sorgfältiges Bodenpersonal? Ein Traum!

1.1 Pro: Argumente für Surfreisen mit eigener Boardbag 

Das eigene Brett surft sich besser. Wer einmal das Surfboard seiner Träume hat, will es nicht mehr missen. Denn der Shape, die Länge und das Volumen sind einfach perfekt für dich! Du bist an dein Brett gewöhnt und wirst dich damit im Urlaub viel schneller einsurfen, als wenn du auf Leihmaterial in teils fragwürdiger Qualität zurückgreifen musst. Außerdem ist die Chance gering, im Verleih genau dein „Wohlfühlbrett“ zu finden – außer du surfst die dort sehr oft vertretenen Klassiker wie ein Softtops oder Hardtops von NSP, BIC oder Torq.

Du sparst dir Leihkosten vor Ort. Je nach Destination ist es günstiger oder teurer, ein Surfboard auszuleihen. In Portugal kannst du pro Tag etwa 15 Euro für ein normales Surfboard einplanen, was sich bei 14 Tagen Surfurlaub auf über 200 Euro summiert. In teureren Gefilden wie Kalifornien bist du sogar erst mit ca. 22 Euro dabei. Ein Neoprenanzug kostet zusätzliche Leihgebühren (in Portugal ca. 5 Euro pro Tag). Falls du einen eigenen hast, würde er ebenfalls mit ins Boardbag passen.

Du brauchst an manchen Orten eigene Bretter. Während sich an den Surf Hotspots dieser Welt ein Verleih an den nächsten reiht, sieht es an verlasseneren Gegenden anders aus. Die werden zwar immer weniger, aber es gibt sie noch: Wo es kalt, abgelegen und beschwerlich hinzukommen ist, kannst du meist nirgendwo ein Surfboard leihen. Dann musst du eigenes Material – inklusive Ersatzfinnen, zweiter Leash und Wachs – mitbringen, um dich in die Wellen zu stürzen.

Eine Boardbag ist praktisch für das Auto. Denn sie ist nicht nur unverzichtbar zum Transport deiner Bretter im Flugzeug, sondern auch bei Surftrips mit dem Van sehr nützlich. Du kannst die Boardbag z.B. in der Dachbox verstauen, wo sie die Bretter vor Erschütterungen während der Fahrt schützt, oder mit Straps auf jedes Autodach schnallen. Das spart im Inneren deines Gefährts wertvollen Platz.

Boardbag Pros: (1) Leihbretter gibt’s nicht im Dschungel, (2) Stauraum für das Auto, (3) das eigene Brett am Start

1.2 Contra: Argumente gegen Surfreisen mit eigener Boardbag

Du zahlst Boardbag Fees. Manche Airlines erlauben dir, dein Sportgepäck im Rahmen der Freigepäckgrenze (meist mit Limits für Maße und Gewicht) kostenlos aufzugeben, sehr viele gestehen dir diese Annehmlichkeit aber nicht zu. Dann werden zusätzliche Gebühren für die Aufgabe des Boardbags fällig: Wir haben pro Strecke schon 200 Euro dafür bezahlt und online bei Gepäckbestimmungen auch von deutlich höheren Preisen gelesen.

Du hast weniger Platz. Falls du deine Boardbag kostenlos aufgegeben kannst, „frisst“ sie mit ihrem Gewicht den Großteil deines Freigepäcks auf. Du musst also gut überlegen, was du außer Brettern noch mitnehmen willst, und dich auf das Nötigste beschränken. Selbst bei einer kostenpflichtig und zusätzlich zum Freigepäck aufgegebenen Boardbag gibt es natürliche Grenzen – und zwar durch deine Muskelkraft und Nerven. Eine Boardbag ist schwer und sperrig, und mehr als einen zusätzlichen Rucksack bzw. einen Mini-Rollkoffer kann kein Mensch (er)tragen.

Airlines können Bretter beschädigen. Pressure Bumps, also Druckstellen von anderen Gepäckstücken, Risse im Glassing oder sogar Löcher – all das kann man beim Transport von Brettern nie ganz ausschließen. Für den Fall solcher Schäden befreien sich die meisten Airlines schon beim Einchecken von jeglicher Haftung, indem sie dich einen Zettel unterzeichnen lassen. Tust du das nicht, bleibt dein Brett am Boden! Immerhin kann man das Risiko solcher Dings und die Reparaturkosten durch ordentliches Packen aber reduzieren (siehe unten).

Mit Boardbag reist du (etwas) unflexibler. Mit einer sperrigen Boardbag ist es nicht ganz leicht, beim Reisen spontan zu sein. Zum Beispiel nimmt dich damit nicht jedes öffentliche Verkehrsmittel mit – das ist uns selbst an einem Flughafen in der Bahn zwischen den Terminals passiert. Auf Lay Overn in Städten, die selten von Surfern frequentiert werden, wird das Hin- und Herkommen mit Boardbag nochmal etwas schwerer und teurer.

Boardbag - Haftung der Airlines

Gefürchteter Zettel: So befreien sich Airlines beim Check-In vor der Schadenshaftung

Trotz allem verreisen wir immer mit Boardbag, weil wir inzwischen wissen, wie wir die möglichen Nachteile minimieren können: Dazu gehört das Buchen passender Flüge, die Reiseplanung und natürlich ordentliches Einpacken. Doch bevor wir dazu kommen, stellen wir zunächst die grundlegenden Modelle vor – denn Boardbag ist nicht gleich Boardbag!


2. Boardbag und Boardsocke: Nicht dasselbe, beides praktisch 

Wovon sich eine Boardbag grundsätzlich unterscheidet ist die Boardsocke: Hierbei handelt es sich um eine Art Strumpf aus Polyester oder Mischgewebe, der über dein Surfboard gezogen und am Tail zugezurrt wird. Während eine Boardsocke gut ist, um dein Brett am Urlaubsort auf dem Dach vom Auto bzw. Tuk Tuk oder im Boardrack vom Roller geschützter von A nach B zu fahren, ist sie als Reisetasche natürlich ungeeignet. Für eine Flugreise kommst du um den Kauf einer richtigen Boardbag nicht herum – kannst aber dein in die Boardsocke gehülltes Surfbrett hineinpacken.

Boardbag vs. Boardsocke

Unterwegs mit Brett in der Boardsocke auf Bali


3. Boardbag kaufen: Merkmale und unterschiedliche Modelle

Beim Kauf einer Boardbag hat man als Surfer mittlerweile eine recht breite Auswahl, egal ob in Onlineshops oder im lokalen Surfshop deines Vertrauens. Letzteren solltest du vor allem dann besuchen, wenn du das allererste Mal eine Boardbag kaufst und dich mit den Marken und Unterschieden in der Ausstattung noch nicht auskennst. Oder du liest einfach weiter und lässt dir von uns die diversen Grundmodelle und Merkmale vorstellen!

3.1 Material der Boardbag: Meistens gleich

In Sachen Material unterscheiden sich Boardbags kaum. Außen handelt es sich um stabiles, besonders dicht gewebtes Nylon, das wasserabweisend und schnittfest ist. Innen wird planenartiger und wasserdichter Kunststoff eingesetzt, damit ein eventuell noch feuchtes Board nicht die ganze Boardbag durchnässt. Silbernes Polyethylen (PE), das innen oder außen eingesetzt werden kann, schützt deine Bretter außerdem vor Überhitzung durch Sonneneinstrahlung. Besonders wichtig ist die Lage härterer Schaum, die zwischen der Innenhaut und Außenhaut der Boardbag eingearbeitet ist, weil sie schockabsorbierend wirkt und deine Bretter vor Schäden durch äußere Gewalteinwirkung schützt.

Boardbag Material

Silbernes PE im Inneren der Boardbag: Wasserdicht und wärmeableitend

3.2 Boardbag Modelle je nach Länge, Shape und Anzahl der Bretter

Obwohl sie aus ähnlichem Material sind, unterscheiden sich Boardbags durchaus in ihrer Ausstattung. Was dir beim ersten Blick im Laden aber wahrscheinlich viel eher auffällt, sind die diversen Modelle: Es gibt kürzere und längere, schmale und dicke, mit oder ohne Rollen… Hier musst du die erste Auswahlentscheidung treffen, und zwar nach folgenden Kriterien.

Anzahl an Surfboards: Single, Double oder Triple Boardbag?

Falls du nur ein Surfbrett hast, lohnt sich eine schmale Single Boardbag – auch Day Bag genannt, weil man damit das Brett auch beim täglichen Umherfahren am Urlaubsort gut transportieren kann.  Sie ist quasi Travel Bag und Boardsocke in einem. Wir raten aber eher zum Kauf einer Double Boardbag, weil sich die Mitnahme zweier Boards selbst für einen Alleinreisenden schnell lohnt: So bist du zum Beispiel mit einem Shortboard und einem Funshape auf kleinere wie größere Wellen vorbereitet, und hast Ersatz dabei, falls mal ein Brett kaputtgehen sollte. Für gemeinsam reisende Paare und Freunde ist eine Double oder Triple Boardbag ebenfalls praktisch, um sie sich für den Brettertransport zu teilen.

Boardbag Guide: Verschiedene Größen

Sperrgepäck: Die meisten reisen heute mit Double- oder Triple Boardbag

Double und Triple Boardbags werden wegen der sargartigen und tiefen Bauweise auch als „Coffins“ bezeichnet. So hast du mehr Platz, um deine Bretter mit zusätzlichen Materialien gegen Schäden zu polstern und kannst besser packen. Das ist wichtig, wenn du Stauraum für Klamotten & Co. brauchst, weil du kein zusätzliches Gepäck mitnehmen kannst. Was du vermeiden solltest: Deutlich weniger Bretter in deine Boardbag zu packen als vorgesehen! Ist in einer Triple Bag nur ein Board, kann es mit dem sonstigen Kram verrutschen und eventuell zu Druckstellen kommen.

Länge deines Surfboards: Boardbags von 5’2 bis 9’8

Egal ob du ein superkurzes Shortboard oder ein riesiges Longboard fährst: Eine Boardbag dafür findest du immer, denn es gibt sie heutzutage in jeder Länge. Ein typischer Anfängerfehler ist allerdings, die Surfboardtasche viel zu lang zu kaufen, also z.B. für 6’0er Bretter eine 7’2er Boardbag. Meistens ist die Motivation dahinter, dass man noch genug „Luft“ für anderes Gepäck haben will. Praktisch gesehen eine doofe Idee, denn eine zu große Boardbag wird beim Transport umknicken und alles darin verrutschen – du riskierst so auf jeden Fall Druckstellen an deinen Brettern!

Boardbag: Falsche Größe

Diese Single Boardbag ist eindeutig zu groß fürs Brett…

Kaufe dein Boardbag daher möglichst passend! Wenn du sie genauso lang wie deine Boards kaufst, haben Nose- und Tailschoner aber eventuell keinen Platz mehr. Für uns hat es sich daher bewährt, dass die Boardbag ca. 0’2 bis 0’4 länger ist als die Surfboards selbst. So haben die Protektoren (siehe Tipps zum Packen) noch genügend Platz, ohne das alles herumwackelt.

Shape: Boardbag für Shortboard oder Funshape?

Auf den ersten Blick sieht jede Boardbag ähnlich oval aus. Trotzdem muss dein Surfboard nicht unbedingt hineinpassen, selbst wenn du die korrekte Länge gewählt hast: Denn manche Bretter sind für eine normale Tasche einfach zu breit! Handelsübliche Boardbags können beispielsweise auf Shortboards ausgelegt sein, was du an ihrer recht spitzen Nose erkennst. Falls du aber ein voluminöseres bzw. breiteres Brett hast, musst du nach der entsprechenden Boardbag für Funshapes Ausschau halten. Wir haben für unsere dicken kurzen Schlitten das Double Fish Boardbag von Creatures of Leisure gekauft – aber erst, nachdem wir den Fit vorher im Laden ausprobiert hatten. Diese Double Fish Boardbag ist unserer übrigens ähnlich.

Double Boardbags: (1) für Shortboards, (2) für Funshapes, (3) für kurze und breite Fish Surfboards

3.3 Merkmale einer guten Boardbag: Was sie haben muss

Manche Features sind an Boardbags sekundär. Zum Beispiel Ventilationsschlitze zur Belüftung oder ihre Farbe, denn die wird ohnehin irgendwann unterwegs schmuddelig werden. Es kommt auf die versteckten Werte an! Wir empfehlen, beim Kauf einer Boardbag auf folgende Merkmale zu achten:

  • Abschließbarer Reißverschluss. Die Reißverschlussköpfe sollten sich übereinanderlegen lassen, um den Bügel von einem kleinen Nummernschloss durchfädeln zu können.
  • Fragile-Aufdruck. Ein Surfboard ist bruchgefährdet wie ein Glas. Ist ja auch Glasfiber drauf. Vielleicht regt die Warnung ja tatsächlich das Bodenpersonal am Airport zu einem sanften Umgang mit unseren Brettchen an… Hoffen kann man ja.
  • Gurte. Zumindest Innengurte müssen sein, um deine Bretter schön festzurren, damit sie beim Transport weniger verrutschen. Viele Taschen haben aber sowohl innen als auch außen Gurte.
  • Innentasche. Sie ist praktisch, um beispielsweise deine Finnen, Wachs und anderen Kleinkram sicher zu verstauen, ohne dass er auf das Brett drückt.
  • Minimizer / Expander. Praktisches Nice To Have: Manche Double oder Triple Boardbags haben am Rail Klettverschlüsse, um sie schmaler zu machen, falls du nur mit einem Board reist. Genauso gibt es Taschen, die am Tail einen Expander mit Reisverschluss haben, wenn du mal ein Surfboard mit festmontierten Finnen einpacken willst.
  • Tragegurt. Damit schleppst du dein Boardbag bis zum Check In. Dann wird der Strap abgenommen und kann idealerweise in einem kleinen Außenfach verstaut werden.
  • Trennblätter. Sie sollten in Double oder Triple Boardbags vorhanden sein, damit deine Surfboards nicht direkt übereinander liegen.
  • Verstärkung an Nose, Tail und Rails. An diesen „High Impact Areas“ entstehen beim Handling oft Transportschäden. Darum sollten sie extra dick (ca. 20 mm) gefüttert sein.
Boardbag-Merkmale: (1) Abschliessbarer Reißverschluss, (2) Fragile-Aufdruck, (3) Innengurte, (4) Außengurte, (5) Finnentasche, (6) Trennblätter, (7) Gurt und Gurtfach, (8) Minimizer und Verstärkungen, (9) Boardbag mit Rollen

3.4 Boardbag mit Rollen: Lieber nicht

Wovon wir allerdings gar nichts (mehr) halten, sind Boardbags mit Rollen! Wir hatten früher mal so ein Modell von FCS (siehe oben Bild 8), weil es nach mehr Komfort klang. Letztlich haben wir uns davon verabschiedet, weil es irgendwann zu groß, aber vor allem wegen den Rollen unnötig schwer war! Ein normaler Tragegurt reicht wirklich aus, und wenn du deine Tasche damit nicht mehr tragen kannst, wirst du am Check-In wegen zu viel Gewicht sowieso Probleme bekommen.

3.5 Boardbag Marken, denen wir vertrauen

Eine normale Single Boardbag bzw. Daybag gibt es im Surfshop ab ca. 60 Euro und eine Double Boardbag ab 180 Euro – Longboard-Taschen bzw. Triple oder Quads Coffins können, müssen aber nicht mehr kosten. Kauf nicht unbedingt das billigste Modell, sondern achte lieber darauf, ob es die wesentlichen (oben genannten) Punkte erfüllt. Es gibt einige Marken, bei denen du dich meistens auf Qualität verlassen kannst. Wir waren bisher mit den Folgenden zufrieden:

  • Creatures of Leisure (–> wir nutzen aktuell ein 6’3 Double Fish Boardbag)
  • FCS (–> wir nutzen momentan zwei einzelne Longboard Bags, die können alles!)
  • Komunity Project (–> von Kelly Slater gegründetes und erprobtes Label)
  • Ocean & Earth (–> von der Marke fliegt bei uns seit Jahren eine 6’4 Double Boardbag herum)
  • Roam (weniger bekannte Marke, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis)

Insidertipp: Du kannst dir an manchen Surfdestinationen sogar dein persönliches Boardbag nähen lassen. Bei einem spezialisierten Schneider in Canggu auf Bali neben dem Betelnut Café kostet dich eine maßgeschneiderte Boardbag ca. 80 Euro, also deutlich weniger als ein Modell von der Stange. Du kannst alle Merkmale (z.B. Maße, Shape, Farbe, Dicke, Ort des Zippers, Beschaffenheit der Straps) selbst bestimmen und bekommst oft gratis eine Boardsocke dazu. Hier hat sich unsere Freundin Sina, eine vielreisende surfende Ärztin, schon so manches Boardbag anfertigen lassen, um vor Ort gekaufte Bretter sicher nach Hause zu bringen.

Boardbag nähen

Lieber reparieren als neu kaufen

Falls deine eigene Boardbag mal kaputtgeht: Frag im Surfshop oder beim Hersteller wegen Ersatzteilen an! Manchmal hat man dort Glück. Kleinere Schäden (z.B. an den Nähten) sind aber natürliche Gebrauchsspuren, die du selbst mit Nadel und Faden beheben kannst.


4. Boardbag Tipps: Kniffe beim Fliegen, Packen und Bewegen

Sobald du deine Boardbag in den Händen hältst und über die nächste Reise nachdenkst, geht der Spaß so richtig los. Denn wie teuer der Trip mit den Brettern wird – und wie viele Nerven er dich kostet ­– hängt sowohl von der Flugbuchung als auch deiner Sorgfalt beim Packen ab! Darum haben wir zu diesen Punkten noch ein paar Tipps parat.

4.1 Boardbag Tipps bei der Flugbuchung: So wird’s günstiger

Einfach in der Flugsuchmaschine nach dem günstigsten Flug suchen und buchen ist als Surfer mit Boardbag leider keine gute Idee. Unter Umständen ist es im Freigepäck nicht mit drin und die Mitnahme deiner Bretter wird dich dann viel extra Geld in Form von Boardbag Fees kosten – sofern sie überhaupt an Bord dürfen. Daher folgende Tipps.

Checke die aktuellen Gepäckbestimmungen für Sportgepäck

Verlass dich nicht auf Online-Übersichten zu Boardbag Fees für die bekanntesten Airlines, denn sie veralten zu schnell bzw. ändern die Carrier regelmäßig ihre Bestimmungen. Schau wirklich vor der Buchung auf der Website der Airline deiner Wahl nach, was dich die Mitnahme des Boardbags kosten wird, oder hole schriftlich Infos ein. Das gilt selbst dann, wenn schon (vor längerer Zeit) gute Erfahrungen mit einer Airline gemacht hast und sie erneut wählen willst.

Ansonsten macht ein Preisvergleich Sinn, denn teurere Airlines können sich lohnen. Zumindest wenn bei ihnen die Boardbag im Freigepäck inbegriffen ist! So kosten z.B. Flüge bei Emirates, Qatar, Sri Lankan, Air France & Co. mehr Geld, aber dort war man zumindest in der Vergangenheit surferfreundlich und nahm Bretter ohne Zusatzkosten mit. Bei Billig-Airlines kannst du hingegen damit rechnen, dass die Mitnahme vom Sportgepäck genau wie jeder andere Service teuer wird und am Ende den günstigen Flugpreis nicht mehr wert ist. Stellenweise wollen Airlines die Boardbag sogar komplett als Übergepäck anrechnen – wir lasen schon von 40 USD pro Kilogramm!

Boardbag beim Einladen am Airport

Ob und zu welchem Preis die Boardbag mit darf, entscheidet die Airline

Achte auf Beschränkungen bei Maßen und Gewicht

Egal ob deine Boardbag als Freigepäck mitdarf oder zusätzlich aufgegeben werden muss: Es gibt Limits bei den Maßen und beim Gewicht, die ebenfalls online in den Gepäckbestimmungen der Airlines stehen. Manchmal werden nur Boardbags bis zu einer Länge von 2m oder 3m mitgenommen, teilweise ist von Limits hinsichtlich der Summe aller Maße (Länge + Breite + Tiefe) zu lesen und sehr oft darf die Tasche ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten.

Vermeide unnötige Zwischenstopps und Airline-Wechsel

Je weniger deine Boardbag hin- und hergereicht wird, umso geringer ist das Risiko von Schäden. Trotzdem kann man Zwischenstopps auf längeren Strecken manchmal nicht vermeiden. Versuche aber wenigstens, alle Teilstrecken mit derselben Airline zu fliegen, damit dein Gepäck durchgereicht wird! Im Falle eines Airline-Wechsels fallen ggf. doppelte Gepäckkosten bzw. Boardbag Fees an, du musst erneut einchecken und riskierst unnötiges Handling, das mit Schäden am Board einhergehen kann.

Buche die Boardbag möglichst online dazu

Auf unserer Weltreise haben wir gerade in Asien die Erfahrung gemacht, dass Boardbags bei kleineren Airlines nicht nur extra kosten, sondern (falls angeboten) auch vorher online oder telefonisch dazu gebucht werden sollten. Denn das ist nicht nur deutlich günstiger als am Airport, sondern manchmal auch die einzige Möglichkeit, die Mitnahme im Flieger überhaupt sicherzustellen.

Boardbag - Handling beim Einladen

Geschafft: Unsere Boardbag durfte dank Onlinebuchung mit

4.2 Boardbag Tipps zum Packen: So bleibt dein Brett unterwegs heil 

Die Boardbag selbst ist nur die halbe Miete. Letztlich entscheidet dein Geschick beim Packen, ob deine Surfboards unterwegs heil bleiben! Dazu kann man die unterschiedlichsten Materialien aus dem Baumarkt als Protektoren einsetzen. Hier entwickelt jeder Surfer im Laufe der Zeit eigene Kniffe. Worauf es generell ankommt:

Größenweise stapeln und trennen

Logisch: In einer Double oder Triple Boardbag gehört das größere Brett nach unten und das kleinere Brett kommt obendrauf. Beachte, dass die Bretter nicht direkt aufeinander liegen, sondern durch Trennblättern separiert sind, die in deiner Tasche vorhanden sein sollten. Und die Nose kommt natürlich nach oben.

Polstere die empfindlichen Stellen ab

Gerade wenn deine Boardbag keine Trennblätter hat und deine Boards nicht in Boardsocken stecken, solltest du die Brettoberflächen polstern. Dafür eignen sich z.B. superdünne und leichte Isomatten, die du mit dem Teppichmesser passend zurechtschneidest. Sie sind sogar besser als Bubble Wrap (Noppenfolie), weil sie weniger Platz wegnehmen und immer wieder verwendet werden können.

Der Schutz der Rails ist wichtig, wenn deine Boardbag unsanft auf der Seite abgestellt wird. Wir nehmen Rohrisolierung aus dem Baumarkt, die wie eine Schwimmnudel aussieht, aber weicher und innen hohl ist. Du kannst sie aufschneiden und prima über die Rails ziehen! Wir befestigen die Konstruktion zusätzlich mit Paketklebeband, das über die Breite der (in Boardsocken steckenden) Boards und die Railschoner kommt.

An Nose und Tail wird das Surfboard häufig beschädigt, wenn das Bodenpersonal es hochkant abstellt oder beim Rangieren hängenbleibt. Vor allem spitze Shortboard-Noses, kantige Swallow Tails beim Fish sowie schmal zulaufende Pintails sind sehr empfindlich! Darum schützen wir Nose und Tail mit besonders dicker und biegbarer Rohrisolierung. Alternativ kannst du von Surfmarken wie Billabong fertige Nose und Tail Protektoren als „Überzieher“ kaufen.

Brett polstern: (1) Rohrisolierung, (2) selbstgebauter Rail- und Noseschutz, (3) Close Up, (4) Rail-Protektoren von Billabong, (5) Isomatten zum Schutz der Brettoberfläche

Vermeide beim Packen Druckstellen

Sind deine Bretter fertig mit Schutzmaterial verkleidet, hast du in der Boardbag bestimmt noch Platz für weitere Dinge. Achte beim Packen unbedingt darauf, dass keine Druckstellen entstehen! Leashes und Booties passen gut ans Tail, Weiches wie Kleidung an die Rails. Finnen kommen z.B. in eine Innentasche, die natürlich Brettkontakt haben wird – möglichst auf dem unempfindlichen Tailpad oder einem Reisehandtuch, das du über das Brett legen und mit den Innengurten festschnallen kannst. Manche packen ihre Finnen lieber gleich woandershin, genauso wie andere harte und kantige Dinge. Insgesamt sollte nichts auf die Bretter drücken und verrutschen können!

Checke das Gewicht deiner Boardbag

Egal ob sie zum Freigepäck zählt oder extra aufgegeben werden muss, es werden Gewichtslimits gelten. Darum empfiehlt es sich, vor der Abreise mit einer Kofferwaage zu prüfen, wieviel sie tatsächlich wiegt. Wir kamen mit unseren beiden Double Boardbags bei der Reise nach Sri Lanka auf 14kg und 18kg – das kann man noch halbwegs gut tragen.

Boardbag wiegen

Unsere kleine Kofferwaage hat schon gute Dienste geleistet

4.3 Boardbag Tipps für die Abreise und den Umgang mit Schäden

Sobald alles sicher verstaut ist, gibst du die Kontrolle über deine Bretter am Flughafen an die Airline ab. Nun kann alles gut gehen, muss aber nicht. Daher auch hierfür ein paar letzte Tipps!

Stell sicher, wie du zum Airport kommst

Im Optimalfall fahren dich Eltern oder liebe Freunde mit ausreichend großen Auto zum Flughafen. Ansonsten hast du (abgesehen von der Möglichkeit, das eigene Gefährt teuer am Airport für die Urlaubsdauer abzustellen) drei Optionen.

  • Taxen: Kein Problem, sofern du beim Bestellen auf das große Gepäck hinweist.
  • Mietwagen: Carsharing-Anbieter wie Car2Go oder DriveNow passen, wenn das gebuchte Auto groß genug ist und die Tarifzone bis zum Airport geht.
  • Bahn, Bus und Öffis: Könnte schwierig werden! Bei der Deutschen Bahn lässt man dich im ICE sehr wahrscheinlich mangels Stauraum mit Boardbag gar nicht erst einsteigen. Besser sieht es im Regional Express aus, wo es z.B. geräumige Fahrradabteile gibt. Bei Fernbussen solltest du dich vorher nach dem Platz erkundigen. Die Mitnahme im Nahverkehr ebenfalls Glückssache, kann außerhalb der Stoßzeiten aber durchaus gelingen.

Was tun bei Schäden am Surfboard?

Es ist leider ganz normal, dass sich jede Airline beim Check In von der Haftung für eventuelle Schäden befreit und dich dazu ein Formular unterzeichnen lässt. Sonst wird dein Boardbag nicht mitgenommen. Allerdings bezieht sich die Haftungsbeschränkung nur auf Schäden, die trotz normalem Handling entstehen! Beobachtest du also zufällig, dass das Bodenpersonal deine Boardbag übel misshandelt: Mach Fotos, lass es dir von Zeugen bestätigen und mache Ansprüche bei der Airline geltend. Probieren kann man es! Bei einer Freundin wurde z.B. das nagelneue Boardbag beim Check In großflächig mit wasserfestem Edding markiert – eine klare und mutwillige Sachbeschädigung, die in der Regel Anspruch auf Entschädigung hat.

Nach der Landung: (1) Ding-Check am Surfboard, (2) Unser letztes Transport-Ding am Sensibelchen-Fish

Für den Worst Case: Ein Ding ist kein Ding. Wie gesagt können Druckstellen oder sogar Löcher im Board trotz deiner Mühe beim Packen dennoch entstehen. Unserer Erfahrung nach sind gerade superleicht geglaste Boards bzw. Bretter mit minderer Qualität betroffen. Im Regelfall wird dich die Airline dank Haftungsentbindung im Regen stehen lassen. Daher reisen wir immer mit Ding Repair Sets wie Solarez und Surf Gum, um kleine Blessuren schnell selbst zu beheben. Alternativ kommt das Surfboard am Zielort zu einer fachkundigen Ding Repair.

Boardbag weg? Schadenersatz!

Laut Montrealer Übereinkommen muss dich die Airline entschädigen, falls dein Gepäck zu spät oder ganz abhandenkommt. Mir ist das bisher nicht mit der Boardbag, aber einem Koffer passiert, der in Kanada verschollen war. Ist ja auch ein großes Land 😉 Um an die Entschädigung zu kommen, habe ich den Verlust bei der Ankunft sofort schriftlich angezeigt (dafür gibt’s Formulare) und bekam dann, gestaffelt nach der Dauer der Verspätung, Geld zum Kaufen von Ersatzsachen. Das reichte für ein paar Basics, und Neoprenanzug und Bretter hatte ich. In der Zwischenzeit wurde nach dem verlorenen Koffer gesucht, der nach 14 Tage wieder auftauchte.

Letzter Tipp: Mach Fotos von deinem Koffer bzw. deiner Boardbag, und habe ungefähr im Kopf, was genau drin ist. Exakte Angaben über den Inhalt werden spätestens dann relevant, wenn du für den kompletten Verlust (mit einer wertmäßigen Höchstgrenze) Schadensersatz bekommen willst.

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